Experten warnen vor Korrektur – Führende Banken geraten in Erklärungsnöte: 10-jährige Bundrendite fällt auf Rekordtief

Experten warnen vor Korrektur – Führende Banken geraten in Erklärungsnöte
10-jährige Bundrendite fällt auf Rekordtief

Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe ist gestern Abend auf 3,45 Prozent und damit unter den historischen Tiefststand vom 13. Juni 2004 gefallen. Diese Entwicklung bringt Banken in Erklärungsnöte, denn sie hatten schon Mitte und Ende vergangenen Jahres die baldige Zinswende ausgerufen.

FRANKFURT/M. Vier der fünf größten Käufer bei den Auktionen von deutschen Bundesanleihen warnen aber weiterhin vor steigenden Anleiherenditen, die mit fallenden Kursen einher gehen (siehe „Wechselwirkung“). Deutsche Bank, Goldman Sachs, Dresdner Bank und Morgan Stanley betonten in einer Umfrage des Handelsblatts, dass das Renditeniveau zu niedrig ist und sich volkswirtschaftlich nicht begründen lässt. „Das aktuelle Renditeniveau wäre nur gerechtfertigt, wenn es Deflationsängste oder Furcht vor einem Einbruch der Wirtschaft gäbe“, sagt Joachim Fels, Chefvolkswirt Europa bei Morgan Stanley. Beides sei aber nicht gegeben.

„Die Märkte erwarten langfristig eine Inflationsrate von 2,2 Prozent, und das Szenario eines besonders schwachen Wirtschaftswachstum passt nicht mit den steigenden Aktienkursen zusammen“, sagt Fels. Die anderen Banken betonen ebenfalls, dass das aktuelle Renditeniveau nicht mit ihren volkswirtschaftlich ausgerichteten Zinsmodellen zusammenpasst.

Thomas Mayer, Europa-Chefvolkswirt bei der Deutschen Bank, etwa hält aktuell ein Renditeniveau von 4,60 Prozent für angemessen. Den jüngsten Renditerutsch erklärt Mayer mit der Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft. Dafür spricht die Tatsache, dass die Renditen nach schwachen US-Arbeitsmarktdaten am vergangenen Freitag kräftig gefallen sind. Aus dieser Unsicherheit schließen die Märkte laut Mayer, dass die Zentralbankzinsen weiterhin sehr niedrig bleiben werden. Die US-Notenbank Fed hat die Leitzinsen seit vergangenem Sommer von extrem niedrigen 1,00 Prozent auf 2,50 Prozent erhöht. Die Europäische Zentralbank (EZB) ist den Schritten der Fed bislang nicht gefolgt und hält den Leitzins bei 2,00 Prozent.

Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz-Group, zu der die Dresdner Bank gehört, sieht vor allem den Inflationstrend als treibende Kraft für die Entwicklung der zehnjährigen Bund-Rendite. Und für die aktuellen Inflationserwartungen sei die Rendite eindeutig zu niedrig, betont Heise.

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