Experten warnen vor Wende
Unternehmensanleihen vor weiteren Verlusten

Nachdem die Kurse für Unternehmensanleihen zwei Jahre lang fast kontinuierlich gestiegen waren, sehen Experten nun die Trendwende.

FRANKFURT. „Die Stimmung hat sich gedreht, Investoren achten jetzt wieder mehr auf die Risiken der Zinspapiere“, sagt Simon Ballard, Kreditstratege der französischen Großbank BNP Paribas. Die Bank gilt unter professionellen Investoren als einer der besten Kenner des Unternehmensanleihemarkts.

„Die jetzt beginnende Woche wird für den Bondmarkt entscheidend“, sagte David Brickman von Lehman Brothers, einem der größten Bondhändler der Welt. Der US-Autokonzern General Motors (GM) legt morgen Quartalszahlen vor, Konkurrent Ford am Mittwoch. Sollten die Zahlen erneut unter den Erwartungen liegen, erwartet Brickman einen Ausverkauf am Bondmarkt mit steigenden Zinsen. Seit Mitte März steigen die sich gegenläufig zu den Kursen entwickelnden Renditen von Unternehmensanleihen. Dadurch erhöhten sich die durchschnittlichen Risikoaufschläge europäischer Anleihen im Vergleich zu sicheren Staatsanleihen um etwa 0,3 auf 0,8 Prozentpunkte. Das war zuletzt vor eineinhalb Jahren der Fall.

Die Renditen von Autobonds liegen um fast zweieinhalb Prozentpunkte über denen von Staatsanleihen. Allein am Freitag weitete sich der Abstand um ein Fünftel auf 2,4 Prozentpunkte aus, seit Mitte März hat er sich fast verdreifacht. So kletterte die Rendite der 8,375-prozentigen GM-Anleihe mit Laufzeit bis 2033 auf 11,3 Prozent.

Auslöser für den Ausverkauf bei Autobonds ist die Tatsache, dass die US-Autogewerkschaft UAW nicht bereit ist, über eine Senkung der hohen Gesundheitskosten bei GM zu verhandeln. Die Entwicklung bei GM und Ford, die insgesamt ein Bond-Volumen von 180 Mrd. US-Dollar im Umlauf haben, dürfte den ganzen Markt für Unternehmensanleihen prägen. Anleger setzten nun wieder vor allem auf Sicherheit, meint Brickman.

Bereits seit Mitte März steigen die Renditen von Firmenbonds bereits wieder, nachdem sie rund zwei Jahre lang fast ausschließlich im Gegenzug zu den steigenden Kursen gefallen waren. Die drei großen Ratingagenturen Standard & Poor’s (S&P), Moody’s und Fitch haben nach der Gewinnwarnung von GM Mitte März gedroht, den weltweit größten Autohersteller in die Klasse eines fragwürdigen Anleiheemittenten von Junk-Bonds (Schrottanleihen) herabzustufen, wenn der Konzern nicht profitabler wird. Das gilt aus Sicht von S&P auch für Ford. Für ein Klimaeintrübung sorgte zudem US-Notenbankchef Alan Greenspan, indem er Inflationsangst schürte.

Seite 1:

Unternehmensanleihen vor weiteren Verlusten

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%