Fallende Aktienkurse machen Festverzinsliche attraktiv
Chinas Firmen zapfen Bondmarkt kräftig an

In China ist ein regelrechtes Bondfieber ausgebrochen. Zahlreiche Firmen, darunter der Pekinger Flughafen, die Shanghai Pudong Development Bank und der Telefonkonzern China Netcom, planen für die kommenden Monate massive Anleihe-Emissionen. Auch die Regierung zapft kräftig den lokalen Kapitalmarkt an.

SCHANGHAI. Die Bond- Welle hatte sich abgezeichnet. Weil die Budgetdefizite auch in China wachsen und bei darniederliegenden Banken auch die Aktienmärkte unter Druck stehen, setzt die Regierung in Peking zunehmend auf Anleihen, um Reformen zu finanzieren, Infrastrukturprojekte zu bezahlen und die heimische Industrie für den internationalen Wettbewerb fit zu machen.

Die Shanghai Pudong Development Bank, eins von fünf börsennotierten Geldinstituten im Reich der Mitte, will laut Vorstandsbeschluss vom Montag innerhalb eines Jahres eine Wandelanleihe im Umfang von etwa 600 Mill. Euro auf den lokalen Markt bringen. Nur wenige Tage zuvor hatte die China Merchants Bank eine Emission im Umfang von einer Mrd. Euro angekündigt. Die Tatsache, dass die Banken in China die Anleihe-Ausgaben trotz Protesten von Fondsmanagern und Anlegern betreiben – diese befürchten eine Verwässerung der umlaufenden Aktien – zeugt von großem Kapitalbedarf. An der Shanghai Pudong Development Bank ist die Citigroup mit 4,62 % beteiligt.

Auch der viertgrößte Telekombetreiber Chinas, die China Netcom, will bis Ende des Jahres auf Yuan ausgestellte Anleihen im Wert von 500 Mill. Euro ausgeben. Der Beijing Capital International Airport, der Betreiber des Hauptstadtflughafens, will ebenfalls Zinsscheine auf den Markt bringen, und zwar für 130 Mill. Euro. Die China Petroleum and Chemical Corp, Chinas zweitgrößter Öl- und Gas-Produzent, plant eine Emission von Yuan-Anleihen im Wert von 350 Mill. Euro. Bereits im September hatte die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC) 15 chinesischen Firmen, darunter dem Energie-Verteiler State Grid Corp. und China Netcom, die Erlaubnis erteilt, Anleihen im Wert von 4,24 Mrd. Dollar auszugeben.

Das war die zweite Emissions-Serie im laufenden Jahr, nachdem die erste Tranche von Anleihen mit Genehmigung der NDRC im ersten Halbjahr sieben Firmen 843 Mill. Dollar eingebracht hatte. Auch auf staatlicher Seite wächst der Finanzierungsbedarf über Bonds. Die amtliche Tageszeitung „China Daily“ schätzt, dass allein zur Finanzierung der Infrastruktur in den Ballungsgebieten an der Küste 60 Mrd. Dollar aufgenommen werden müssen, davon 36 Mrd. Dollar für die olympischen Sommerspiele 2008 in Peking. Die chinesische Regierung hatte im Oktober erstmals seit Mai 2001 wieder eine internationale Anleihe begeben, die 1,5 Mrd. Dollar in US-Währung und Euro umfasste.

Chinas Bondmarkt leide allerdings unter zahlreichen Schwächen, sagt der Experte Xu Pingsheng vom State Information Centre. Nach der herrschenden Mentalität seien immer Aktien gegenüber Anleihen bevorzugt worden; die Zuteilung von Emissionsquoten sei umständlich und erinnere an die alte Kommandowirtschaft; die Gebühren für den Handel mit Anleihen seien viel zu hoch. Außerdem gebe es bis heute kein schlüssiges System für die Beurteilung von Kreditrisiken. Allerdings sieht es bei den Alternativen derzeit mau aus: Der Aktienmarkt in Schanghai fiel auf den niedrigsten Stand seit Juni 1999.

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