Falschberatung
Wann der Bankberater haften muss

Wenn Banken falsch beraten, können Anleger Schadensersatz fordern. Mehrere Kanzleien bereiten nun Klagen gegen Banken vor. Ob Anleger über Risiken bei Griechenbonds richtig informiert wurden, muss das Gericht klären.
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Anleger können unter Umständen von ihrer Bank Schadensersatz fordern, wenn sie ihrem Institut eine falsche Beratung nachweisen können. Mehrere Kanzleien bereiten momentan Klagen gegen verschiedene Banken vor. "Entscheidend ist hierbei, welche Anlageziele und welche Risikobereitschaft der Anleger zum Zeitpunkt der Beratung hatte", sagt Mathias Nittel, Fachanwalt für Kapitalmarktrecht.

Seiner Meinung nach handelte es sich bei griechischen Staatsanleihen aufgrund der maroden Staatsfinanzen des Landes bereits 2010 um hochriskante Papiere. Sie hätten den risikoscheuen Anlegern daher nicht mehr angeboten werden dürfen. "Wenn die Kunden als risikoavers eingestuft worden sind und das anhand der entsprechenden Beratungsunterlagen nachweisbar ist, verstieß die Empfehlung griechischer Staatsanleihen gegen die Beratungspflichten der Bank." Schadensersatzansprüche seien die Folge, so der Anlegeranwalt.

Investoren, die einen etwas progressiveren Anlagestil verfolgten, hätten unter Umständen zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls in der Beratung darauf hingewiesen werden müssen. "Über den Zeitpunkt entscheiden die Gerichte, in letzter Instanz der Bundesgerichtshof", so Nittel.

Dieser Vermerk muss auch im Beratungsprotokoll stehen. Seit 2009 sind die Protokolle Pflicht. Vorher wurden zumindest die Anlageziele und die Erfahrungen in einem sogenannten Wertpapierhandelsgesetz-Bogen vermerkt. Doch wahrscheinlich landen sowieso nur Fälle mit einem Beratungsprotokoll vor Gericht.

Denn normalerweise ist die Beratung mit dem Kauf der Anleihen abgeschlossen. Wer seine Griechenbonds also schon vor fünf Jahren gekauft hat und keinen Vermögensbetreuungs- oder Vermögensverwaltungsvertrag mit seiner Bank abgeschlossen hat, der kann jetzt nicht darauf pochen, die Bank hätte in sein Depot schauen und ihn von sich aus auf die Gefahr hinweisen müssen.

Kam ein Anleger jedoch erneut zu seinem Berater und fragte ihn nach dem Risiko der Griechenbonds, entstand dadurch ein neuer Beratungsvertrag, bei dem der Berater die unter Umständen neu entstandenen Risiken mit den Anlagezielen und der Risikobereitschaft erneut abgleichen musste.

Vor Gericht kommen dabei häufig die vier Pflichtlektüren für Anlageberater zum Einsatz: "Börsenzeitung", "Financial Times Deutschland", "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und Handelsblatt. Standen in diesen Zeitungen beispielsweise Berichte, die auf ein gestiegenes Risiko einer griechischen Staatspleite hinweisen, muss der Berater seinen Kunden im Anlagegespräch darüber informieren.

Kommentare zu " Falschberatung: Wann der Bankberater haften muss"

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  • Für mich ist es selbstverständlich, dass die Punkte der Aufklärung alle beachtet werden - deswegen ist noch kein Kunde vom Produkt abgesprungen (wenn es das richtige in der Situation ist).
    Wenn es Regulierungen gibt, dann sollten Vorstände und Vertriebsassistenten abgemahnt werden, die mit Mobbing und unrealistischen Vorgaben bewusste Fehlberatungen fördern und billigen!
    Wenn es Regulierungen gibt, dann sollten Vorstände und Vertriebsassistenten abgemahnt werden, die mit Mobbing und unrealistischen Vorgaben bewusste Fehlberatungen fördern und billigen!

    Richtig peinlich ist es allerdings, dass die Bereiche wo richtig Mist gebaut wird (Strukturvertriebe wie Postbank Finanzberatung, AWD usw). In der Regel keine echte Regulierung existiert. Gerade da passieren Dinge wo es einem immer wieder übel wird (Vertrieb von geschlossenen Fonds ohne jede Aufklärung, Drückermethoden etx.) Wenn entsprechende Regierungsberater allerdings bei diesen Firmen arbeiten ist das kein Wunder...

    Lächerlich ist auch, dass studiert Menschen (in dem Fall ein Lehrer) vor dem Düsseldorfer Gericht Recht bekommen wenn Sie behaupten, dass Sie ein Zertifikat nie gekauft hätten, wenn Sie gewusst hätten dass die Bank damit Gewinn machen würde (Urteil gegen die Citibank) - meine Güte jetzt bleibt doch mal auf dem Teppich. Ich verklage ja auch nicht den Bäcker wegen Betrug, wenn er mit ein Vollkornbrötchen verkauft, bei dem er doppelte Gewinnmarge macht als mit meinem Favorisiertem Standardbrötchen!!!

    Jetzt redet hier noch mal einer von Bankstern - ich möchte mal wissen wie Ihr Euer Brot verdient - freiwilliger sozialer Dienst für behinderte, mittellose, Kranke mit migrationshinter?!?!?!?!

  • Guten Tag,.... Es ist nicht der Berater der falsch beraet;.... nein es sind die oberen Scheisskerle die den Berater dazu treiben,... zu verkaufen,... Scheiss egal wasssss;... Hauptsache es wird Umsatz gemacht. Ob der Berater Knallfroesche oder des Teufels Grossmutter verklickert spielt keine Rolle. Jeder Kauf;.... jeder Verkauf bringt der Bank Umsatz,...also Unkosten Gebuehren und Aehnliches. Sie reden immer vom Berater. Der Berater ist ein Verkaeufer;.... sonst gar nichts. Mit Beraten hat das ganze Nichts zu tun. Wenn Sie zu den Nutten gehen,,,, fragen Sie dann " Ist es besser Ich lasse mir einen Blasen oder einen Herunterholen? " Was wird die Gute wohl sagen.... ? Naaaa ..... Naturlich einen Blasen denn es ist teurer. Also schreiben Sie keinen solchen Schwachsinn. Besten Dank

  • @CHARLY (hatte ich vergessen)

    Ich würde mich freuen, wenn Sie Ihre Adresse veröffentlichen würden, damit man gegen solche Leute, die ihre Informationen wohl nur aus der BILD und RTL II beziehen, eine Anzeige wegen Beleidigung stellen kann.

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