Fanny Mae und Freddie Mac
Anleihen: Dynamit im Depot

Nach der Beinahe-Pleite von Fannie Mae und Freddie Mac sind deren Anleihen bei weitem nicht so deutlich eingebrochen wie die Aktien. Denn die Politik würde einen tatsächlichen Bankrott der Hypothekenfinanzierer nie zulassen.

FRANKFURT. Die Anleihen von Fannie Mae und Freddie Mac sind bei weitem nicht so deutlich abgestürzt wie die Aktien der beiden US-Hypothekenfinanzierer. Die meisten Bonds von Fannie und Freddie notieren noch deutlich über ihren Rückzahlungswerten von 100 Prozent. Die Aktien der Institute sind dagegen seit Januar um je rund 75 Prozent eingebrochen.

"Fannie und Freddie sind so bedeutend für den US-Immobilienmarkt, dass man über eine Pleite der Institute nicht einmal nachdenken muss", schrieben gestern die Analysten von Unicredit. Aufgrund der impliziten staatlichen Garantie gilt als sicher, dass die Schwesterinstitute ihre Anleihen zurückzahlen werden. Die Ratingagenturen Standard & Poor?s und Moody?s bewerten die Bonität von Fannie Mae und Freddie Mac wie die der US-Staatsanleihen mit der Höchstnote Dreifach-A. Die sogenannten Agencies müssen aber höhere Renditen als US-Staatsanleihen bieten. Diese Risikoprämien sind zwar gestern etwas gesunken - liegen mit 0,75 Prozentpunkten aber deutlich höher als vor einem Jahr.

Beide Hypothekenfinanzierer zusammen halten oder garantieren US-Eigenheimkredite über 5,3 Bill. Dollar. Gemeinsam haben sie nach Schätzungen des Analysehauses Credit Sights unbesicherte Anleihen über 1,6 Bill. Dollar ausstehen. Sie liegen in den Portfolios von Zentralbanken, Fondsgesellschaften, Banken und Pensionskassen weltweit. Die Stärke der Hypothekenfinanzierer ist für US-Finanzminister Henry Paulson explizit auch wegen der globalen Streuung ihrer Anleihen wichtig, um das Vertrauen in das Finanzsystem zu erhalten.

Die Top-Bonität und die implizite Staatsgarantie haben die Anleihen von Fannie Mae und Freddie Mac gerade in Asien und Russland zu begehrten Alternativen zu US-Staatsanleihen gemacht. Im vergangenen Jahr kauften asiatische Investoren Anleihen von Fannie Mae, Freddie Mac und ähnlichen, kleineren US-Agencies über 137 Mrd. Dollar, schätzt Alan Ruskin, Zinsanalyst bei der Royal Bank of Scotland in New York. Russische Investoren hätten Agency-Bonds über 34 Mrd. Dollar erworben.

Die meisten Anleihen der US-Hypothekenfinanzierer lauten auf US-Dollar. Nur Freddie Mac hat auch Anleihen über zehn Mrd. Euro ausstehen. Laut Freddie Mac halten europäische Investoren nur 16 Prozent aller ausstehenden liquiden Dollar-Anleihen (Reference Notes) des Instituts. Bei US-Investoren liegen 47 Prozent der Papiere, bei asiatischen Anlegern 35 Prozent. Zentralbanken sind mit 43 Prozent die größte Investorengruppe, gefolgt von Fonds mit 29 Prozent, Banken mit 13 Prozent sowie Versicherern und Pensionskassen mit insgesamt sechs Prozent.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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