Fast Ramschniveau
Moody's stuft Spanien um drei Noten herab

Das Rettungspaket für Spanien sollte die Märkte beruhigen. Doch die Wirkung ist verpufft. Nun sagt auch noch die Ratingagentur Moody's, dass die Kreditwürdigkeit des Landes in Gefahr sei.
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Washington/London/Mexiko-StadtDie Ratingagentur Moody's hat Spaniens Kreditwürdigkeit herabgestuft. Die Bonität Spaniens sei um drei Stufen von der Note A3 auf die Note Baa3 gesenkt worden, teilte Moody's am Mittwoch mit. Die Herabsetzung erfolgte wenige Tage, nachdem Madrid die Zusicherung der Eurozone erhielt, Spaniens angeschlagene Banken mit bis zu 100 Milliarden Euro krisenfest zu machen.

Dies werde Spaniens Schuldenlast weiter erhöhen, erklärte Moody's zur Begründung. Die Note Baa3 liegt nur noch eine Note über dem so genannten Ramschniveau. Zudem droht Moody's gleich eine weitere Herabstufung für das Land an. Eine Entscheidung darüber soll spätestens in drei Monaten erfolgen.

Spanien ist finanziell in Bedrängnis, weil es seinen unter einer geplatzten Immobilien- und Kreditblase leidenden Bankensektor vor dem Zusammenbruch bewahren muss. Dafür können der derzeitige Eurorettungsfonds EFSF und der künftige Dauerfonds ESM Hilfen vergeben, die an weniger strenge Auflagen als etwa die Hilfen für Griechenland geknüpft sind.

Das vor knapp einem Jahr beschlossene Instrument wurde bislang noch nicht angewandt. Nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) brauchen die spanischen Banken mindestens 40 Milliarden Euro, womöglich aber auch das Eineinhalb- bis Zweifache dessen, um die Märkte zu beruhigen.

Das von den Euro-Finanzministern am vergangenen Samstag zugesagte Hilfspaket in Höhe von 100 Milliarden Euro zur Rekapitalisierung der Banken werde die Schuldenlast des Landes weiter steigen lassen, schreibt Moody's. Dabei sei die Verschuldung bereits im Verlauf der Finanzkrise deutlich gestiegen.

Staatsverschuldung könnte auf 90 Prozent des BIP steigen

Spanien habe nur noch einen sehr beschränkten Zugang zu den Finanzmärkten, heißt es bei Moody's. Das Land erhalte fast nur noch Geld von den nationalen Banken, die von der Europäischen Zentralbank (EZB) großzügig mit Liquidität versorgt würden. Zudem belaste die anhaltende Schwäche der spanischen Wirtschaft die Finanzkraft des Landes.

Moody's hat zudem die Bewertung des spanischen Bankenrettungsfonds FROB um drei Noten auf „Baa3“ gesenkt.

Ob das Land weiter herabgestuft werde, hänge von den Bedingungen der Hilfe und der Form der Bankenrekapitalisierung ab, schreibt Moody's. Auch mögliche weitere Initiativen auf der Ebene der Eurozone spielten eine Rolle. Die Gefahren für das Rating von Spanien und anderer Euro-Länder würden zudem steigen, falls das Risiko eines Austritts Griechenlands aus der Eurozone zunehme.

Moody's erwartet, dass die spanische Staatsverschuldung in diesem Jahr auf 90 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen und bis zur Mitte des Jahrzehnts weiter zunehmen wird.

Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy forderte am Mittwoch Hilfen der Europäischen Zentralbank für sein Land. In einem Schreiben an EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und Kommissionschef José Manuel Barroso hieß es, die EZB solle ein Programm zum Aufkauf spanischer Staatsanleihen wiederaufleben lassen. Mit den Käufen hatte die EZB im vergangenen Herbst die Zinsen für spanische Staatsanleihen gedrückt.

Kreuzverhör in Mexiko

Spanien dürfte beim bevorstehenden G20-Gipfel in Mexiko gehörig ins Kreuzverhör genommen werden. Die 20 größten Wirtschaftsnationen (G20) wollen von Ministerpräsident Mariano Rajoy Klarheit über die Nutzung der zugesagten europäischen Hilfen über bis zu 100 Milliarden Euro zur Stützung der Banken, wie der mexikanische Finanzminister Jose Antonio Meade am Mittwoch sagte.

Er hoffe, Spanien werde die Zweifel an dem Programm auf dem Treffen der G20-Staats- und Regierungschefs am Montag und Dienstag zerstreuen. Offen sei etwa, wie genau die Regierung in Madrid das Geld einsetzen werde, sagte Meade. An den Finanzmärkten hat die Hilfszusage nicht zur erhofften Beruhigung geführt. Anleger bezweifeln, dass das Land damit seine Krise nachhaltig in den Griff bekommt. Die Rendite zehnjähriger spanischer Staatsanleihen stieg am Mittwoch auf ein Rekordhoch.

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  • @Stubi

    Die Ratingagenturen würden der USA niemals nich das Triple A nehmen. Das wäre "fiskalischer Selbstmord".

    Und wenn einer glaubt, Ratingagenturen würden keine Politik betreiben, da muss ich sagen .... der - die - das zieht die Hosen mit der Kneifzange an ;-)

  • Das Triple A-Rating der USA ist insofern absolut berechtigt, da das Rating ja nur das Risiko eines Zahlungsausfalls bemisst. Ein Zahlungsausfall seitens der USA ist aber nicht zu erkennen, da man sich dort das notwendige Kapital einfach drucken würde. Ein Investor erhält sein Kapital also auf jeden Fall zurück, das Risiko besteht also nur in der Frage, was ist das Kapital danach Wert. Die Frage der Geldwertstabilität ist allerdings nicht Teil und Anspruch eines Ratings. In Europa sieht die Situation anders aus, siehe Griechenland. Hier kann ein Investor sich eben nicht sicher sein, dass das Kapital wieder zurückfließt. SO einfach ist die Sache.

  • Die Diskussion um Ratingagenturen ist eigentlich müßig, weil sich die Finanzwirtschaft auch ohne Agenturen im Strudel des langsamen Niedergangs befindet!

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