Fed beendet Kaufprogramm
Bernanke entzieht den Märkten ihre Droge

Die Fed ändert ihre Politik und kauft keine weiteren Staatsanleihen mehr auf. Damit muss die US-Wirtschaft jetzt ohne weitere Geldspritzen auskommen. Die Inflation hatte begonnen, Überhand zu nehmen.
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FrankfurtAmerikas Notenbankchef Ben Bernanke muss mit Kritik umgehen können. Die prasselte massiv auf ihn ein, als er im vergangenen November das zweite Kaufprogramm für US-Staatsanleihen ankündigte, um damit die Wirtschaft zu stützen.

Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble warf ihm Ratlosigkeit vor, Brasiliens Finanzminister Guido Mantega nannte seine Politik einen Fehler, und China warnte vor Folgen für die Schwellenländer. In den USA kritisierten Ökonomen in einem offenen Brief, dass Bernanke Inflation riskiere.

Damit ist jetzt Schluss, das zweite „Quantitative Easing“ genannte Programm läuft aus, mit dem die Fed über den Kauf von Staatsanleihen 600 Milliarden Dollar in den Wirtschaftskreislauf pumpte. Das erste Kaufprogramm hatte sie bereits im November 2008 – kurz nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers angekündigt – und dafür auf dem Höhepunkt der Wirtschaftkrise Lob bekommen.

Die Kritiker der zweiten Auflage des Kaufprogramms hatten zumindest in einem Punkt Recht: Die Inflation in den USA ist gestiegen, und zwar auf 3,6 Prozent. Damit liegt sie deutlich über dem impliziten Inflationsziel der Fed von maximal zwei Prozent. Dies ist laut Volkswirten ein Grund dafür, dass die Fed jetzt Schluss macht. „Die amerikanische Wirtschaft wird jetzt gezwungen auf eigenen Füßen zu stehen“, folgert Ed Fitzpatrick, Fondsmanager bei Schroders.

Immerhin setzt Bernanke nicht auf einen kalten Entzug, sondern investiert das Geld, dass er aus fälligen Anleihen zurückerhält in neue Zinspapiere. Damit könnte er die Märkte laut Ökonomen in den nächsten zwölf Monaten mit 300 Milliarden Dollar stützen.

Trotzdem heißt auch der sanfte Entzug für die Märkte nichts Gutes. Schließlich kamen die Käufe der Fed allen Anlageklassen zugute. Indem die Fed Anlegern günstig US-Staatsanleihen abkaufte, hielt sie die Kurse für die Staatspapiere hoch und die Renditen entsprechend niedrig. Eine Folge:  Auf der Suche nach lukrativeren Anlagen steckten die Investoren ihr Geld verstärkt in Aktien und Rohstoffe.

Allein die Erwartung, dass mit den massiven Liquiditätsspritzen der Fed bald Schluss ist, hat die Märkte unter Druck gesetzt. Der Preis für US-Öl ist zum Beispiel seit Ende Mai um knapp zehn Prozent gefallen und der US-Aktienindex S&P-500 hat seit Ende Mai zumindest gut drei Prozent verloren.

Dafür gibt es natürlich viele Gründe wie zum Beispiel zuletzt die überraschende Ankündigung der Internationalen Energieagentur ihre Reserven anzuzapfen und zusätzliches Öl auf den Markt zu bringen. Zudem kamen seit Anfang Juni viele schlechte Konjunkturdaten aus den USA, die Aktien und vor allem den Rohstoffen zusetzten. „Dennoch spielt dabei auch das auslaufende Programm der Fed eine Rolle“, ist Stefan Schilbe, Chefvolkswirt bei HSBC Trinkaus sicher.

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