Fiat und Procter & Gamble verschieben Emissionen
Firmen schalten bei Anleihen zurück

Die scharfe Korrektur an den Aktienmärkten macht sich auch am Markt für neue Unternehmensanleihen bemerkbar. „Emittenten werden vorsichtiger“, sagt Andreas Schlotter, der als Managing Director bei UBS in London das Geschäft mit neuen Unternehmensanleihen leitet.

FRANKFURT. In der vergangenen Woche sagte der US-Konsumgüterhersteller Procter & Gamble eine Euro-Emission ab und platzierte lediglich eine Dollar-Anleihe. Gestern legte der italienische Industriegüterkonzern Fiat offiziell eine geplante Anleihe über bis zu einer Mrd. Euro auf Eis. „Wir warten ab, bis sich die Märkte beruhigen“, sagte Fiat-Chef Sergio Marchionne auf dem Genfer Automobilsalon.

„Investoren greifen zwar nach wie vor bei neuen Unternehmensanleihen zu, sie verlangen dafür aber – anders als noch vor zwei Wochen – eine Neuemissionsprämie, also etwas höhere Risikoaufschläge im Vergleich zu ausstehenden Bonds“, erklärt Jörg Sautter, der bei der Citigroup für das Geschäft mit neuen Firmenbonds zuständig ist. „Viele Emittenten gehen aber davon aus, dass sich die Märkte wieder beruhigen, und warten deshalb einfach ab“, meint Schlotter. „Die neuen Anleihen, die wir bislang gesehen haben, waren massiv überzeichnet, und das dürfte sich angesichts des Liquiditätsüberhangs vieler Investoren auch nicht ändern“, meint der Investmentbanker.

Aufsehen erregende Emissionen haben bislang zum Beispiel BMW, Telefónica, France Télécom, Telia Sonera und BHP Billiton auf den Markt gebracht. „Insgesamt gab es aber deutlich weniger Emissionen, als wir erwartet hatten“, sagt Marcus Offenhuber, Managing Director und Leiter des Kapitalmarktgeschäfts bei Merrill Lynch in Frankfurt. Dabei sind die Refinanzierungsbedingungen für Unternehmen nach Einschätzung von Investmentbankern und Analysten nach wie vor günstig. Die Risikoaufschläge (Spreads) von Unternehmensanleihen sind deutlich weniger gestiegen als die Aufschläge am Derivatemarkt, an dem vor allem Banken und Hedge-Fonds Ausfallrisiken handeln. Deutlich höhere Aufschläge gab es zudem vor allem bei Junk-Bonds, also Anleihen von Unternehmen wie Fiat, denen die Ratingagenturen nur eine schwache Bonität bescheinigen.

Nach Berechnungen von BNP Paribas haben Firmen abseits der Finanzbranche bis Ende Februar neue Anleihen über rund 21 Mrd. Euro begeben und damit zehn Prozent weniger als in den ersten beiden Monaten des vergangenen Jahres. „Dabei gehören Januar und Februar üblicherweise zu den aktivsten Monaten am Primärmarkt“, meint Offenhuber. Trotzdem ist er optimistisch für das gesamte Jahr: „Auf Grund der jüngsten Volatilität erwarten wir, dass viele Emittenten nun das nächste günstige Fenster mit stabilen Spreads nutzen werden, statt möglicherweise Emissionspläne weiter nach hinten zu verschieben.“

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