Finanzagentur
Auktion von Bundesanleihen floppt

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hat Sorgen: Seine Anleihen kommen bei Investoren derzeit schlecht an. Bereits zum sechsten Mal in diesem Jahr konnte die Finanzagentur das geplante Volumen von Anleihen am Markt nicht komplett platzieren.

FRANKFURT. Einen Tag vor der erwarteten Leitzinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) um einen viertel Prozentpunkt auf 4,25 Prozent ist gestern erneut eine Auktion von Bundesanleihen gefloppt. Zum sechsten Mal in diesem Jahr konnte die für das Schuldenmanagement der Bundesrepublik Deutschland zuständige Finanzagentur das veranschlagte Volumen nicht komplett absetzen. Gestern wollte sie die zehnjährige Bundesanleihe um sieben Mrd. Euro aufstocken - bekam dafür aber nur Gebote von knapp fünf Mrd. Euro. Die Finanzagentur untersteht direkt Bundesfinanzminister Peer Steinbrück.

Die im Euro-Raum zuletzt auf vier Prozent hochgeschnellte Inflation und die Unsicherheit darüber, wie oft die EZB an der Zinsschraube drehen wird, hat die Kurse von Anleihen seit Mitte März unter Druck gebracht. Im Gegenzug schnellte die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe um fast einen Prozentpunkt auf bis zu 4,7 Prozent nach oben. Dabei fraßen die Kursverluste die durch die Kupons festgesetzten Zinserträge auf. Im Schnitt büßten Anleiheinvestoren deshalb nach Daten von Merrill Lynch in den vergangenen 15 Wochen mit Bundesanleihen verschiedener Laufzeit im Schnitt 2,3 Prozent ein. Das hält sie von weiteren Anleihekäufen ab.

Dabei halten inzwischen viele Analysten Renditen von um die 4,7 Prozent für zehnjährige Bundesanleihen zumindest mittelfristig für attraktiv. Von der Nachrichtenagentur Dow Jones befragte Volkswirte erwarten im Schnitt, dass die zehnjährige Bund-Rendite in den kommenden sechs Monaten leicht auf 4,5 Prozent fallen wird.

Die gestrige Anleiheauktion des Bundes stand aber unter einem besonders schlechten Stern, weil die Rentenkurse während der Versteigerung auf ihre Tagestiefs fielen. Grund war ein über Nachrichtenagenturen verbreitetes Interview von EZB-Chef Jean-Claude Trichet mit der Wochenzeitung "Die Zeit". Darin betont Trichet die Gefahr einer explodierenden Inflation, wenn die Zentralbank nicht entschlossen handle. Dies interpretierten Händler dahingehend, dass die EZB die Zinsen womöglich deutlicher als nur um einen viertel Prozentpunkt anheben könnte. Später stellten die europäischen Währungshüter zwar klar, dass das Interview bereits vor anderthalb Wochen geführt wurde und kein Indiz für die heute anstehende Sitzung der Notenbank sei. Diese Meldung, nach der die Anleihekurse wieder etwas stiegen, kam aber erst nach der Auktion der Bundesanleihe.

"Das Auktionsergebnis muss im Lichte der erwarteten Zinsentscheidung und dem deshalb sensiblen Marktumfeld gesehen werden", sagte Carl Heinz Daube, Geschäftsführer der Finanzagentur, dem Handelsblatt. Die Agentur gehe aber das Risiko, dass Auktionen auch einmal nicht so gut laufen, bewusst ein. "Wir haben einen Emissionskalender mit festgelegten Daten für unsere Auktionen, und daran halten wir uns", sagte Daube. Damit sei der Bund ein verlässlicher Partner, und genau dies würden Banken und Investoren auch sehr positiv sehen.

Die Standfestigkeit kann sich der Bund leisten, weil ihn schwache Auktionen nicht in Bedrängnis bringen. Die Finanzagentur behält stets einen Teil der versteigerten Bundespapiere ein. Die verkauft sie nach und nach im Handel - meist zu höheren Kursen als zum Zeitpunkt der Auktionen. Insgesamt dürfen bis zu zehn Prozent der handelbaren Bundeswertpapiere über 912,5 Mrd. Euro einbehalten werden. Ende März hatte der Bund eigene Wertpapiere über gut 36,1 Mrd. Euro im Bestand und den zulässigen Rahmen damit noch lange nicht ausgeschöpft.

Auktionen

Organisation

Die Finanzagentur organisiert die Anleiheauktionen des Bundes in Absprache mit dem Bundesfinanzministerium. Für 2008 hat sie Anleihen über 141 Mrd. Euro angekündigt. Weit mehr als die Hälfte davon wurden bereits platziert.

Investoren

Bei den Auktionen des Bundes dürfen nur die derzeit 33 zugelassenen Banken bieten. Oft machen sie dies im Auftrag von institutionellen Investoren.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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