Finanzmärkte
Gefährliche Ruhe am Anleihemarkt

Die Renditen für Anleihen der Euro-Krisenländer sind zuletzt gesunken, die Aktien gestiegen. Investoren sollten sich aber nicht zu früh freuen: In den Strategieabteilungen der Banken kursieren bereits düstere Prognosen.
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Der Dienstag war ein guter Tag für Spanien. Das krisengeschüttelte Land konnte sich frische Euro am Geldmarkt besorgen, insgesamt 4,5 Milliarden. Das Maximum, was zuvor angekündigt war. Für die Papiere müssen die Spanier ihren Gläubigern je nach Laufzeit 3,07 und 3,34 Prozent bezahlen – und damit deutlich weniger als bei vergangenen Auktionen. Es hätte schlechter laufen können.

Am Morgen geben die Renditen zweijähriger Spanien-Papieren um sieben Basispunkte auf 3,28 Prozent sogar weiter nach. Zehnjährige Bonds rentieren mit 6,16 Prozent sechs Basispunkte niedriger als. Die zweijährige portugiesische Rendite sinkt sogar um 34 Basispunkte auf 3,62 Prozent. Man könnte fast meinen, Mario Draghi, der Chef der Europäischen Zentralbank, hätte mit seinem Versprechen, den Euro um jeden Preis retten zu wollen, die Krise zumindest ein bisschen besiegt. Es herrscht Ruhe an den Märkten. Für den Moment zumindest.

Doch die Ruhe trügt. Denn dass das Hochgefühl südeuropäischer Kämmerer von Dauer sein wird, ist mehr als fraglich. Die Krise könnte schon bald mit voller Wucht zurückkehren an die Finanzmärkte und nicht zuletzt nach Madrid, warnt ein Frankfurter Börsenhändler. Gianluca Ziglio, Zinsstratege bei der Schweizer Großbank UBS, schreibt in einer Notiz an seine Kunden, dass Spanien „sehr anfällig“ bleibe. Den Finanzbedarf des Landes für das kommende Jahr beschreibt er als „noch beunruhigender“.

Denn im Jahr 2013 türmt sich eine gefährliche Welle an den Bond-Märkten auf. Ziglios Berechnungen zufolge dürften im kommenden Jahr allein spanische Staatsanleihen im Volumen von etwa 120 Milliarden Euro fällig werden. Das wären rund 40 Prozent mehr als 2012. Und das wäre gar nicht gut. Ziglio geht deshalb davon aus, dass die spanischen Renditen erneut unter Druck geraten. Möglicherweise könnte Spanien gar den Zugang zum Kapitalmarkt verlieren. Ganz Ähnliches, wenn auch in etwas abgeschwächter Form, gilt für Italien, sagt ein Frankfurter Banker. Die Italiener legen keine detaillierten Emissionspläne für das kommende Jahr vor. Fest allerdings steht, dass alte Anleihen im Wert von 232 Milliarden Euro 2013 auslaufen werden.

Als kritische Größe schauen Experten auf die Renditen der zehnjährigen Anleihen. Steigt die auf mehr als sieben Prozent, hat es ein Land schwer, sich dauerhaft über die Kapitalmärkte zu refinanzieren. Im Juli war die Rendite für Spanien-Bonds zeitweise auf mehr als 7,5 Prozent geklettert. Erst Draghi und sein Euro-Rettungsversprechen konnten die Investoren davon überzeugen, sich wieder Anleihen des angeschlagenen Landes ins Depot zu legen. Die Renditen sanken.

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  • Zitat: "Theoretisch kann eine Notenbank (EZB) die Druckerpresse unbegrenzt laufen lassen. Theoretisch. Praktisch kämen im Falle Spaniens und Italien schnell Hunderte Milliarden Euro zusammen. Ein Himmelfahrtskommando mit nicht absehbaren Folgen." Zitat Ende.

    Und was sagt die herrschende politische Klasse dazu? Die Anfang des Monats geschäumt hatte wegen des ELA-Kredits für GR? Die EZB verkomme zur Spielbank. Siehe hier:

    http://www.handelsblatt.com/politik/international/fragwuerdige-griechenland-hilfe-die-ezb-verkommt-zur-spielbank/6970960.html

    Es kommt kein Mucks mehr. Womöglich ist die Koalition zusammen mit der verlängerten Regierungsbank namens Opposition glücklich, dass die EZB nun "einspringen" will. Geht am Wahlvolk sicherlich eher vorbei als "Euro-Bonds" oder "Banklizenz für ESM", so das Kalkül?

    Jedenfalls erhält Bundesbank-Chef Weidmann keinerlei Rückendeckung für seine Vorbehalte (zuletzt in seinem Monatsbericht deutlich hervorgehoben) aus Berlin.

  • Manchmal genügt tatsächlich der Blick hinter die eigene Haustür. Mit der deutschen Schufa gegen deutsche Bürger für deutsche Banken klappt das doch ganz wunderbar. Da kommt auch niemand auf die Idee einer Bank was anderes mitzuteilen was eben die Zahlen und Fakten hergeben.
    Statt die EZB politisch beeinflußen zu wollen, könnten sich die Anti-Euro-Kreischer auch mal mit der Schaffung eines eigenen Systems für die Bonitätsbeurteilungen beschäftigen und dieses gesetzlich implementieren. Hat bei denen aus Übersee ja auch "jemand" geschafft.
    Abgesehen davon, wenn die USA weiter in die eigene Pleite schlittert, wer will dann überhaupt noch von Moodys oder wie die alle heißen, bewertet werden?
    Dann wirds offensichtlich was abgeht.

  • Ratingagenturen hin oder her. Bei näherer und längerfristiger Beobachtung der Wirtschaftssysteme in den großen Südländern wurde vor dem Hintergrund der GEMEINSAMEN (!) Währung jedem "selbstgeschärften" Experten auch ohne diese Agenturen klar, wohin die Reise geht. Außerdem waren und sind ganz hervorragende Analysen von wirklichen Experten verfügbar, die teilweise sogar Regierungsberater sind, aber dennoch keinerlei Beachtung fanden (finden). Was soll also dieser "Flach-Beitrag"?

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