Finanzmärkte
Investoren attackieren Kern-Europa

Die Investoren suchen das nächste Ziel: Nach den Schuldenstaaten sind jetzt auch die Länder in der Mitte Europas dran. Händler sprechen von Hysterie. Was die Märkte in Wahrheit wollen: Mehr Geld aus der Notenpresse.
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FrankfurtDas Misstrauen der Anleger hat Kern-Europa erreicht. Investoren trennten sich am Dienstag im großen Stil von Bonds der bisher als noch grundsolide geltenden Länder Frankreich, Niederlande und Österreich. Von der Verkaufswelle wurden auch belgische Papiere erfasst. Händler sprachen von „Panik“ und „Hysterie“. Die Risikoaufschläge gegenüber deutschen Bundesanleihen kletterten auf das höchste Niveau seit der Einführung des Euro im Jahr 1999. „Das spiegelt ein Misstrauen gegen die Währungsunion als ganzes wider“, fasste Helaba-Analyst Ulrich Wortberg zusammen. Einen konkreten Auslöser für den Ausverkauf habe es nicht gegeben. Der Euro verlor rund einen US-Cent auf 1,3540 Dollar.

„Internationale Investoren bauen ihr Risiko ab, da sie einfach nicht verstehen, warum Europa so lange braucht, um die Krise in den Griff zu bekommen“, sagte ein Händler. „Einem Anleger in Asien oder Amerika kann man nicht erklären, warum es in Europa Wochen oder Monate dauert, bis ein Beschluss gefasst ist. Und haben sich die Europäer dann mal bis zu einer Entscheidung durchgerungen, dauert die Umsetzung nochmal so lange“, sagte ein weiterer Börsianer. „Es scheint als ob die letzten Dämme brechen“, kommentierte ein dritter.

An den Terminmärkten stieg der Bund-Future um bis zu 81 Ticks auf 139,07 Punkte und notierte damit nur knapp unter dem Rekordhoch von 139,58 Punkten. Die Rendite der zehnjährigen deutschen Bundesanleihen - sie sind richtungsweisend für die Euro-Zone - fiel auf 1,743 von 1,787 Prozent am Vorabend. Im Gegenzug stiegen die Renditen vergleichbarer französischer Anleihen auf 3,674 von 3,437 Prozent, österreichischer Anleihen auf 3,704 nach 3,417 Prozent und belgischer Anleihen auf 4,973 von 4,611 Prozent am Vorabend. Wegen der höheren Unsicherheit an den Rentenmärkten verteuerten sich auch die Kreditausfallversicherungen (CDS, Credit Default Swaps) für französische und andere Papiere.

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  • Herr Markus: Bin ganz Ihre Meinung, die Spekulative Maerkte ausschliessen nur an eigenen Leute verkaufen aber die koennen dann die Zinsrate bekommen die die Maerkte verlangen. Also kein Problem machen von der Zinsrate aber die Leute ausschiessen die gegen uns spekulieren.

  • @ Ron777

    Wenn die Maerkte auch fuer Deutschland und Holland hoehere Zinsen verlangen waere es vielleicht nuetzlich Bundesanleihen nicht laenger an jedem zu verkaufen aber man zahlt die Rendite die am offenen Kapitalmarkt gefragt wird aber Anleihen duerfen zu diese Rendiete nur verkauft werden an Leute seshafft in Deutschland. Ausgeschlossen werden die Leute die mit ein Spielchen unter Anfuehrung von die USA versuchen die Euro zu beschaedigen.

  • Wenn die Maerkte fuer Franzoeschise Anleihen eine Rendite moechten von 3,7 % wuerde ich wenn ich als Frankreich jetzt Geld brauche diesen Zins abgeben aber nur an eigene franzoesische Banken un nur fuer franzoesische Kunden.
    Also die Maerkte wuerden meine Anleihen nicht bekommen und ich werde zeigen kein Problem zu haben mit der Rate.
    Wuerde man das sofort auf diese Weisse machen wuerde vermutlich die Rate niedriger werden.
    Wenn nur die Anleihen in Frankreich selbst verkauft werden koennen die Maerkte kein Druck ausueben.

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