Firmenanleihen
Hybrid-Anleihen liegen im Trend

Viele Unternehmen haben in diesem Jahr ein neues Refinanzierungsinstrument entdeckt: Hybrid-Anleihen. Investmentbanker setzen darauf, dass dieser Trend im nächsten Jahr anhält und das Geschäft mit neuen Unternehmensbonds belebt.

cü FRANKFURT. Hybrid-Anleihen sind eine Mischung zwischen Fremd- und Eigenkapital. Sie haben eine sehr lange bis unendliche Laufzeit; die Zinszahlungen sind an bestimmte Finanzkennziffern gebunden, und im Insolvenzfall werden die Besitzer dieser Anleihen erst nach den anderen Gläubigern bedient. Für dieses Risiko bieten die Papiere höhere Renditen als andere Anleihen. Die Unternehmen können die Hybrid-Bonds meist nach zehn Jahren vorzeitig zurückzahlen.

Für die Unternehmen lohnen sich die höheren Zinskosten, weil sie steuerlich abzugsfähig sind und die Ratingagenturen die Spezial-Bonds zum Teil als Eigenkapital werten. Das ist erst seit etwa einem Jahr der Fall. Zuvor konnten nur Banken und Versicherer ihre Eigenkapitalquoten mit Hilfe der Hybrid-Anleihen aufpeppen. Die Finanzunternehmen nutzen dieses Instrument schon lange.

2005 haben abseits der Finanzbranche neun Unternehmen Hybrid-Bonds über insgesamt fast sieben Mrd. Euro platziert (s. „Neue Hybrid-Anleihen). Die meisten waren stark überzeichnet. Dennoch sind die Papiere „kein Selbstläufer“, sagt Joachim Jäckle, der beim Konsumgüterkonzern Henkel für die Unternehmensfinanzierung zuständig ist. Henkel hat im November einen Hybrid-Bond über 1,3 Mrd. Euro begeben, der am Ende mehr als dreifach überzeichnet war. „Zwischendurch hat es aber Aufs und Abs in der Einschätzung der Investoren gegeben“, sagt Jäckle.

„Das Produkt ist deutlich erklärungsbedürftiger als herkömmliche Unternehmensanleihen, da die Mittelaufnahme sowohl Eigen- als Fremdkapitalcharakter aufweist“, sagt auch Guido Greim, der bei der Deutschen Bank institutionelle Anleihe-Anleger betreut: „Bei hybriden Anleihen von Finanzinstituten gibt es genug Beispiele aus der Vergangenheit, dass die Papiere vorzeitig zurückgezahlt werden.“ Bei hybriden Unternehmensanleihen fehle diese Historie.

„Je mehr Unternehmen Hybrids begeben, desto vertrauter werden aber Investoren mit dem Produkt“, sagt Andreas Schlotter, Managing Director bei UBS. Positiv für das neue Marktsegment sei auch, dass die Anleihen ab Januar in die Indizes von Merrill Lynch und I-Boxx aufgenommen würden, an denen sich viele Profi-Investoren orientierten. Das sei für viele Institutionelle ein Anreiz, sich den Kauf dieser Produkte genehmigen zu lassen.

BNP Paribas rechnet insgesamt für 2006 mit neuen hybriden Anleihen von Unternehmen über sechs Mrd. bis elf Mrd. Euro. Schlotter meint, dass es gerade für die Transaktion von Henkel in den nächsten zwölf Monaten „eine Hand voll“ Nachahmer geben wird. Der Henkel-Konzern hat die Hybrid-Anleihe genutzt, um damit einen Großteil der deutschen Pensionsverpflichtungen zu finanzieren. Das Mandat teilten sich Deutsche Bank, BNP Paribas und UBS.

„Es gibt mit Sicherheit einige Unternehmen, die jetzt überlegen, ebenfalls ihre Pensionsverpflichtungen durch hybride Anleihen vorzufinanzieren, um das Geld dann in Pensions-Trusts anzulegen“, sagt auch Lothar Steinebach, Finanzvorstand von Henkel (s. „Sechs Fragen an“). Allerdings seien Hybrid-Anleihen prinzipiell vor allem für Unternehmen mit gutem Rating eine Option, ansonsten werde das Instrument zu teuer.

Unter den Firmen mit einem schwachen Rating hat bislang nur der Touristikkonzern Tui eine Hybrid-Anleihe begeben, die bei Investoren sehr gut ankam.

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