Firmenbonds als Beimischung geeignet
Profis setzen auf kurze Laufzeiten

Anlageprofis kennen unterschiedliche Strategien, um sich auf die Wende am Anleihemarkt vorzubereiten. Die häufigste Antwort der Profis, die steigende Zinsen erwarten, heißt: Anleihelaufzeiten verringern.

DÜSSELDORF. Die Unruhen an den Anleihemärkten nach widersprüchlichen Signalen der US-Notenbank haben Bondanleger nervös werden lassen. Haben wir eine Anleihenblase? Platzt sie bald? Gehen dann die Kurse langfristiger Papiere in den Keller? Eine ganze Reihe erfahrener Bondmarktstrategen bleibt noch gelassen: Am langen Zinsende regiere nicht die Notenbank, sondern die Konjunktur. Solange die US-Wirtschaft nicht spürbar anzieht, sei dort wenig zu erwarten. Damit herrsche auch an den europäischen Märkten kein Grund zu überstürztem Handeln. Doch die historischen Tiefststände des Zinsniveaus dürften sich nicht auf Dauer halten.

Vorsicht ist besser als Nachsicht – Anlageprofis kennen unterschiedliche Strategien, um sich auf die Wende vorzubereiten. Jim Paulsen, Chefstratege der Vermögensverwaltung Wells Capital Management in Minneapolis, rät seinen Klienten jetzt, die Laufzeiten von Anleihen zu verkürzen, weil er an eine baldigen Wende glaubt: „Die vermehrten Staatsausgaben und die Dollarabwertung stimulieren die Konjunktur zeitverzögert und kommen in der zweiten Hälfte des Jahres zum Tragen. Damit haben die langfristigen Zinsen Spielraum nach oben“, sagt er. „Wer jetzt eine durchschnittliche Laufzeit von viereinhalb Jahren im Portfolio hat, sollte sie um 20 Prozent verkürzen“, sagt er. Die häufigste Antwort der Profis, die steigende Zinsen erwarten, heißt: Anleihelaufzeiten verringern. Je länger die Laufzeit, umso größer dürften die Kursverluste sein, wenn der Zins am langen Ende in Bewegung kommt. Es könnte dann schwierig werden, noch rechtzeitig auf höherverzinsliche Papiere umzusatteln.

Für Schutz vor Kursverlusten sorgt auch die Beimischung von Risikoanleihen ins Portfolio, sagt Vermögensverwalter Dirk Rüttgers von Weberbank Privatbankiers in Berlin. Die Kurse von solchen High Yield Bonds verhalten sich nämlich antizyklisch. Die „Satelliten“, wie Rüttgers solche Risikopapiere nennt, sollten etwa 15 Prozent des Bond-Portfolios ausmachen und aus hochverzinslichen Staatsanleihen von Schwellenländern sowie Unternehmensanleihen mit Bewertungen unter Dreifach-B bestehen, wie etwa Anleihen von Alcatel, Ericsson oder Ahold. Jedoch sollten Privatanleger die Investition den Profis überlassen und High- Yield-Fonds kaufen, meint Rüttgers.

Noch bevorzugen viele Experten eine Warteposition. Trotz der jüngsten Kursverluste bei Langläufern in den USA führen sie eine ganze Reihe von Gründen an, warum auch die langfristigen Zinsen noch eine Weile niedrig bleiben können. „Wir warten noch ab“, sagt Rentenmarktanalyst Thorge Eckert, der vermögende Privatkunden der Deutschen Bank betreut. Zwar könne sich Europa dem Konjunkturoptimismus der USA nicht entziehen, doch die Daten seien bis jetzt eher gemischt. Eckert plädiert dafür, die Laufzeiten beizubehalten, bis sich die Anzeichen einer Konjunkturverbesserung mehren. „Die Zinsen könnten erst in zwölf Monaten dauerhaft nach oben gehen“, glaubt Eckert.

Joachim Paul Schäfer von der Fondsverwaltung Langen von der Goltz ist sogar überzeugt, dass die Zinsen am langen Ende noch weiter sinken werden. Strukturelle Ungleichgewichte in den Weltmärkten seien noch nicht behoben und die Konjunktur sei noch so schwach, dass sich keine amerikanische Bank erlauben könne, jetzt die Zinsen zu erhöhen. Rentenmarktanalyst Jamil Baz von der Deutschen Bank in London sieht es ähnlich: Zwar sei in der Telekombranche der Restrukturierungsprozess schon sehr weit fortgeschritten, doch die Autoindustrie und die Finanzbranche hätten noch viel zu tun.

Wie kann sich der Anleger zwischenzeitlich noch höhere Renditen sichern? Rüttgers rät zur Beimischung ausgewählter Unternehmensanleihen mit hoher Bonität wie etwa RWE, DaimlerChrysler oder BMW. Außerdem böten Staatsanleihen der übrigen europäischen Länder oft etwas höhere Zinsen als die deutschen Papiere.

Im Übrigen sei die Durchschnittsrendite von Festverzinslichen gar nicht so schlecht, mein Rentenanalyst Eckert. Inflationsbereinigt betrage sie derzeit rund drei Prozent. Damit liegt sie lediglich einen Prozentpunkt unter dem langjährigen Durchschnitt.

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