Firmenbonds
Renditeplus inklusive Sicherheit

Finanzexperten raten Anlegern in Firmen-Bonds zu investieren - auch weil Bundesanleihen nur wenig Rendite einbringen. Außerdem bieten die Bilanzen der Konzerne eine bessere Grundlage bei der Kaufentscheidung.

FrankfurtFür Allan Valentiner ist die Sache klar: "Wer heute noch Staatsanleihen im Depot hat, sollte überlegen, ob sein Geld nicht in Anleihen von soliden Unternehmen besser investiert ist", sagt der Geschäftsführer von Johannes Führ Asset Management. Dies gelte auch für Anleger, die auf Sicherheit bedacht sind. Das heißt für den Anleiheexperten zwar nicht, dass zum Beispiel deutsche Bundesanleihen mit Blick auf die Rückzahlung unsicher sind. Aber die Bundesanleihen bringen nur noch sehr wenig Rendite. Deshalb hält Führ es für sinnvoller, Anleihen von Unternehmen zu kaufen, die auch eine schwächere Konjunkturphase gut durchstehen.

Hinzu kommt für Valentiner: "Unternehmen haben Bilanzen, die man sich anschauen kann, sie sind von daher transparenter und berechenbarer als Staaten." Ausgenommen davon seien Banken, die mit den Staatsrisiken enger verflochten seien. Man könne nur schwer durchschauen, wie viele Staatsanleihen der europäischen Krisenländer die Banken in ihren Depots haben und was davon abgeschrieben ist

Eins ist allerdings klar: Weil schon so viele Anleger Firmenbonds als sichere Anlage entdeckt haben, sind die Kurse sehr hoch und entsprechend die Renditen niedrig. Für Laufzeiten um die fünf Jahre gibt es nur zwischen zwei und drei Prozent. Immerhin ist aber die relative Attraktivität der Unternehmensanleihen im Vergleich zu Bundesanleihen gestiegen. Der Grund: Die Renditen der Bundesanleihen sind in den vergangenen drei Wochen noch stärker gefallen als die der Unternehmensanleihen, deshalb ist der Risikoprämie genannte Renditeabstand gestiegen. Schließlich wirft die fünfjährige Bundesanleihe nur gut 1,1 Prozent Rendite ab.

"Für Anleger, die eine gewisse Volatilität - also mögliche Kursverluste während der Laufzeit - aushalten, gibt es jetzt wieder interessantere Einstiegsmöglichkeiten bei guten Unternehmensanleihen", meint deshalb Rosemarie Baumann, Fondsmanagerin beim Anleihespezialisten Bantleon. Valentiner bevorzugt Anleihen mit Laufzeiten um die fünf Jahre. Bei diesen schwanken die Kurse wegen der kürzeren Bindung des Kapitals weniger stark als bei Langläufern. Gleichzeitig bieten sie mehr Rendite als Zinspapiere, die schon sehr bald fällig werden.

Anhaltspunkte für die Bonität eines Unternehmen liefern die Bonitätsnoten der großen Ratingagenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch. Baumann hält für sicherheitsbewusste Anleger die Anleihen mit Ratings im Bereich Doppel-A oder Einfach-A für interessant, also Unternehmensanleihen mit sehr guter bis guter Bonität. Besser geht es bei Unternehmen kaum. Das Spitzenrating "AAA" bei allen drei Ratingagenturen haben nur die US-Konzerne Johnson & Johnson und Exxon. Ein Dreifach-A von mindestens einer Agentur haben Microsoft und Automatic Data Processing. In Euro - und damit für sicherheitsorientierte Anleger interessant - gibt es dabei aber nur eine Anleihe des Pharma- und Medizintechnikkonzerns Johnson & Johnson.

Größe und Wettbewerbsfähigkeit wichtig

Doch es müssen nicht immer die Ratings mit einem A sein. "Wer etwas höhere Risiken in Kauf nehmen will, für den kommen auch Ratings im Bereich Dreifach-B infrage", sagt Baumann. "BBB" entspricht nach der Lesart der Ratingagenturen noch einem Rating im soliden Bereich "Investment-Grade", drückt aber nur noch eine mittlere Bonität aus. "Es kommt aber nicht nur auf das Rating an, sondern auch auf die Größe und Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens", betont Janis Heck, Analyst für Unternehmensanleihen bei der WGZ Bank. Seine Schlussfolgerung: "Prinzipiell können Anleger mit einem längeren Anlagehorizont mit Dax-Konzernen, die Investment-Grade-Ratings haben, wenig falsch machen."

Für Valentiner ist es wichtig, "dass die Unternehmen stabile Cash-Flows haben, der Verschuldungsgrad überschaubar ist und das Geschäftsmodell stimmt. "Dabei kommt es darauf an, dass die Unternehmen möglichst global aufgestellt sind." Baumann sieht das ähnlich und bevorzugt in ihren Fonds die Anleihen von internationalen Konzernen mit höherem Exportanteil aus den soliden europäischen Staaten. Außerdem setzt sie gerade angesichts einer sich abkühlenden Konjunktur auf defensive Branchen wie Lebensmittel, Tabak und Telekommunikation.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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