Floater von Unternehmen bieten mehr Rendite als die Papiere von Banken oder Staaten
Zinsanstieg macht variable Bonds attraktiv

Die seit Mitte Juni deutlich gefallenen Anleihekurse haben Investoren verunsichert. Viele Experten gehen davon aus, dass die Kurse weiter sinken und die Renditen entsprechend weiter steigen werden. Das liegt auch daran, dass die Marktakteure auf Leitzinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) im kommenden Jahr spekulieren.Deshalb empfehlen viele Banken derzeit variabel verzinste Bonds.

FRANKFURT/M. Diese Wertpapiere sind in Phasen längerfristiger Zinsanstiege ein sanftes Ruhekissen“, meint Helmut Preiß, Rentenanalyst bei der DZ Bank. Denn die Kurse der variabel verzinslichen Bonds – kurz Floater genannt – sind wesentlich stabiler als die von Festverzinslichen. Grund ist, dass der Zinssatz der Papiere eng an einen Geldmarktzins gekoppelt ist. Bei den in der Euro-Zone begebenen Floatern ist das in der Regel der dreimonatige Euribor. Diesen Satz stellen sich Banken für kurzfristige Geldausleihungen in Rechnung. Die Zinsscheine werden meist einmal pro Quartal an die Entwicklung des Euribors angepasst.

Die meisten Floater werden von Banken oder Staaten begeben. Variabel verzinsliche Bankenbonds rentieren mit einem Aufschlag von im Schnitt 0,16 Prozentpunkten über dem dreimonatigen Euribor, der aktuell bei 2,14 % liegt. Floater des Bundes oder der Länder verzinsen sich wegen der Spitzenbonität mit einem Abschlag zum Dreimonatsgeld. Daher sind auch nur wenige dieser Papiere auf dem Markt. Zweijährige festverzinsliche Bundesanleihen bringen dagegen 2,56 % Rendite. Die EZB müsste also die Leitzinsen von derzeit 2,00 % tatsächlich erhöhen, damit der Renditenachteil der Floater aufgeholt wird.

Deutlich attraktiver als die Papiere von Banken, Staaten oder Bundesländern sind allerdings variabel verzinsliche Anleihen von Firmen, die wegen ihrer schlechteren Ratings höhere Aufschläge auf den Euribor bieten. Seit Mitte Juli kamen mit Papieren der Autokonzerne Daimler- Chrysler, Ford, General Motors und VW Bank, des Tabakkonzerns British American Tobacco (BAT) und des Baumaschinenherstellers Caterpillar eine Reihe von Floatern auf den Markt, die derzeit bis zu knapp vier Prozent rentieren.

Jörg Sautter, Investmentbanker bei der Citigroup in Frankfurt, erklärt die Emissionen damit, dass die Unternehmen auf die erhöhte Nachfrage nach Floatern reagierten. „Viele Investoren, die mit Unternehmensanleihen in diesem Jahr eine gute Performance erzielt haben, kaufen jetzt defensivere Instrumente“, beobachtet Sautter.

In diesem Jahr haben Unternehmen variabel verzinsliche Anleihen über 27 Mrd. Euro begeben, das sind rund 16 % des gesamten Emissisonsvolumens. Im Jahr 2000 war der Anteil aber mit 30 % wesentlich höher. Das lag daran, dass die Unternehmen damals auf Leitzinssenkungen spekuliert hatten. Jetzt ist es für Emittenten günstiger, sich das niedrige Zinsniveau mit Festzins-Anleihen zu sichern.

Ein Problem bei den Firmen-Floatern ist, dass sie meist nicht sehr liquide sind. „Viele Titel, die Anfang des Jahres emittiert wurden, sind im Handel nur schwer zu erhalten“, sagt Holger Kammel, Rentenanalyst bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Zudem gibt es liquide variabel verzinste Bonds vor allem von Autokonzernen. Das erleichtert zwar nicht die Risikostreuung. Da viele variabel verzinste Unternehmensanleihen aber nur eine kurze Laufzeit haben, ist das Risiko, dass die Firmen insolvent werden und ihre Anleihen nicht mehr bedienen können, gering. Von daher und wegen der geringen Kursschwankungen gilt die Streuung des Risikos auf verschiedene Branchen als nicht ganz so wichtig wie bei lang laufenden Festzins-Bonds.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%