Flucht in Sicherheit
„Außer Deutschland bleibt nicht mehr viel“

Während der Dax in den Keller rast, stürzen sich Anleger auf deutsche Bundesanleihen. In der Schuldenkrise erscheinen die Papiere vielen neben Gold als letzte sichere Zuflucht. Mini-Renditen schrecken sie nicht ab.
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DüsseldorfWährend die Kurse am Aktienmarkt weiter einbrechen, sendet auch der Anleihemarkt neue Krisensignale. Die Flucht der Anleger in sichere Anlagen drückte die Rendite deutscher Staatsanleihen auf ein Rekordtief. Gleichzeitig zogen die Risikoaufschläge für Schuldpapiere aus den europäischen Peripherie-Staaten wieder deutlich an. Der Euro gab kräftig nach.

Zehnjährige Bundesanleihen rentierten am Nachmittag nur noch mit 1,87 Prozent. Das ist der tiefste Stand seit Einführung der Euro-Zone. Der Kurs der Papiere stieg um ein Prozent auf 103,39 Prozent. Der Terminkontrakt Bund-Future zog um 1,65 Punkte auf ein Rekordhoch von 138,29 Punkten an.

"Was wir im Moment sehen, ist ganz klar eine Übertreibung, aber die Rendite kann durchaus noch ein Stück tiefer fallen", sagte Mario Gruppe, Volkswirt bei der NordLB. "Es ist das Ergebnis der Verunsicherung mit Blick auf die Schuldenkrise. Gruppe zufolge zweifeln große Investoren nach wie vor an der Nachhaltigkeit der bisher erarbeiteten Lösungen für die Schuldenkrise. Als Folge werde jede Meldung extrem kritisch betrachtet. Das treibe die Anleger in Bundesanleihen: "Man sucht krampfhaft nach sicheren Häfen und da bleibt im Moment außer Deutschland nicht viel übrig", fasst Gruppe zusammen.

Die jüngsten Hiobsbotschaften kamen einmal mehr aus Athen. Die Unterbrechung der Gespräche zwischen Griechenland und den Geldgebern EU, EZB und IWF schürten neue Zweifel an der Zahlungsfähigkeit des Landes. In der Folge sackten Anleihen aus Griechenland weiter ab. Der Kurs zehnjähriger griechischer Staatsanleihen fiel deutlich unter 50 Prozent, die Rendite stieg auf 17,62 Prozent. Entsprechend verteuerte sich auch die Absicherung von Krediten an Griechenland. Die Absicherung eines zehn Millionen Euro schweren Pakets griechischer Staatsanleihen per Credit Default Swap (CDS) kostete laut Datenanbieter Markit 2,42 Millionen Euro – 192.000 Euro mehr als am Vortag.

Von solchen Niveaus sind Italien und Spanien noch weit entfernt. Aber die Beruhigung am Markt nach den Anleihekäufen der Europäischen Zentralbank weicht auch hier zunehmend wieder den Ängsten vor einer Ausweitung der Schuldenkrise. Nach den jüngsten Korrekturen der italienischen Regierung an ihrem Sparpaket schätzen die Anleger die Risiken in Italien mittlerweile größer ein. Die Rendite zehnjähriger italienischer Anleihen liegt mit 5,52 Prozent deutlich über der spanischen, die am Nachmittag bei 5,21 Prozent lag. Das gleiche Bild zeigt sich bei den CDS-Prämien: Die Prämien für die Versicherung italienischer Bonds stiegen um 22.000 auf 422.000 Euro, die für spanische Papiere um 11.000 auf 401.000 Euro.

Die Skepsis der Investoren gegenüber der Euro-Zone zeigt sich auch am Kurs der Gemeinschaftswährung Euro. Dieser hat sich in den vergangenen Tagen wieder deutlich abgeschwächt. Zum Wochenauftakt ging es weiter abwärts. Im Vergleich zum Dollar notierte der Euro am Nachmittag nur noch bei 1,4060 Dollar.

Extrem fest präsentierte sich dagegen einmal mehr der Goldpreis. Nachdem der Preis für die Feinunze vor zwei Wochen binnen weniger Tage von einem Rekordhoch bei 1.911 Dollar fast 200 Dollar zurückgefallen war, hat er dieses Niveau inzwischen wieder erreicht. In der Spitze kostete Gold 1.902 Dollar je Unze, in Euro stieg der Preis bis auf 1.350 Dollar und markierte damit ein weiteres Allzeithoch.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)

Kommentare zu " Flucht in Sicherheit: „Außer Deutschland bleibt nicht mehr viel“"

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  • "Die Flucht der Anleger in sichere Anlagen drückte die Rendite deutscher Staatsanleihen auf ein Rekordtief."

    Wer in diesen Zeiten Staatsanleihen für eine sichere Anlage hält, kann doch nicht mehr alle Tassen im Schrank haben. Er hält ein Blatt Papier mit einem Zahlungsversprechen in Händen, das von Woche zu Woche weniger wert ist.
    Wer eine Unze Gold oder Silber hat, hält einen tatsächlichen Wert in Händen, der von Woche zu Woche wertvoller wird.

  • Richtig, sollen die sterbenden Währungen gegen Gold ruhig schwanken, eine Unze bleibt eine Unze.

  • ich sag nur 1

    G O L D

    F A Z
    E R Y (shorts)

    Ist doch egal, ob die Kurse fallen, oder steiegn, Hauptsache volatil
    und Hauptsache, man weiß es vorehr.

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