Flucht in Staatspapiere
Zeichen stehen auf Rezession

Die Renditen von Staatsanleihen in den USA fallen kräftig und ziehen deutsche Bundesanleihen mit. Für den amerikansichen Rentenmarkt ist eine Rezession deshalb schon ausgemachte Sache. Doch einige Ökonomen sehen das anders.

FRANKFURT. Für die Investoren am amerikanischen Rentenmarkt ist eine Rezession – anders als für die meisten Volkswirte – schon eine ausgemachte Sache. In den vergangenen Wochen sind die Anleger erneut scharenweise in die US-Staatspapiere geflüchtet. Entsprechend deutlich sanken die Renditen der Festverzinslichen.

Zehnjährige und zweijährige US-Staatsanleihen rentieren derzeit mit knapp 3,7 beziehungsweise 2,5 Prozent und damit so niedrig wie zuletzt vor vier Jahren. Vor dem Ausbruch der Subprime-Krise am US-Immobilienmarkt im Sommer lagen die zehnjährigen Renditen noch bei 5,2 und die zweijährigen bei 4,5 Prozent. In unsicheren Zeiten greifen Anleger verstärkt zu soliden Staatsanleihen, weil sie mit diesen ihr Kapital am Ende der Laufzeit zurückbekommen und die Geldanlage somit sicher ist. Deshalb zieht das Argument von der Flucht in die sicheren Häfen der Anleihen, wenn Investoren Krisensignale für die Wirtschaft sehen.

„Der US-Rentenmarkt signalisiert eindeutig eine Rezession“, sagt Holger Schmieding, Chefvolkswirt bei der Bank of America in London. „Die Tatsache, dass gerade die kurzfristigen Kapitalmarktzinsen unter der aktuellen US-Inflationsrate von 4,1 Prozent liegen, lassen sich anders als mit Rezessionsängsten nicht erklären“, meint Schmieding.

Die Furcht vor einer Rezession in den USA wurde in den ersten Wochen dieses Jahres durch schwache Konjunkturdaten wie den nationalen Einkaufsmanagerindex des ISM-Index, den schwachen Arbeitsmarkt, rückläufige Einzelhandelsumsätze und die erneuten Milliarden-Abschreibungen von Banken auf verbriefte Subprime-Kredite kräftig geschürt. Auch in Europa sind die Kapitalmarktzinsen seit Jahresanfang abgesackt. Die Rendite der für die Euro-Zone maßgeblichen zehnjährigen Bundesanleihe fiel gestern erstmals seit zehn Monaten unter vier Prozent. Für die Euro-Zone signalisiert der Markt aber – anders als für die USA – keine Rezession, meinen Analysten. „Die Kapitalmarktzinsen im Euro-Raum orientieren sich an den USA und fallen deshalb. Gemessen an der wirtschaftlichen Entwicklung und der Rhetorik der EZB sind die Anleiherenditen zu niedrig“, urteilt Rentenstratege Kornelius Purps von Unicredit.

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