Fondsmanager erwarten jedoch starke Kursschwankungen
Schwellenländer-Bonds stehen vor Erholung

Raphael Kassin verfolgt einen sehr eigenwilligen Investmentstil. Der Manager des ABN Amro Global Emerging Markets Bond konzentriert sich zwar auf Anleihen aus Schwellenländern, aber er weicht dabei in der Regel sehr stark von den Vorgaben des JP-Morgan-Emerging-Markets-Bond-Indexes ab, der als Vergleichsmaßstab dient:

HAMBURG. Während zum Beispiel im Index kaum vertretene Papiere aus Argentinien und Venezuela in seinem Portfolio derzeit zusammen einen Anteil von knapp 60 Prozent ausmachen, ist Brasilien als Index-Schwergewicht lediglich mit 0,1 Prozent vertreten. Vor Verlusten in ähnlicher Größenordnung wie bei der Konkurrenz bewahrte dies den in seiner Kategorie auf Sicht von zwölf Monaten führenden Kassin freilich nicht: Mit 5,97 Prozent fiel das Minus in der Dollar-Variante seines Fonds im Mai sogar überdurchschnittlich hoch aus, in der Euro-Variante waren es immerhin noch 3,87 Prozent.

„Nach dem Ausverkauf an den Aktienmärkten der Emerging Markets gaben auch die Anleihenmärkte der Schwellenländer nach, die lokalen Währungen tendierten schwächer und die Risikobereitschaft globaler Anleger nahm ab“, erläutert Kassin. Vor allem Hedge-Fonds hätten sich von ihren Beständen getrennt, in der Erwartung, diese später auf einem niedrigeren Niveau zurückkaufen zu können.

Obwohl er auch in den kommenden Wochen mit weiteren starken Schwankungen an den Börsen der Schwellenländer rechnet, bleibt Kassin für die Region grundsätzlich optimistisch gestimmt: „Vor dem Hintergrund von weiter hohen Energie- und Rohstoffpreisen dürften auch die wirtschaftlichen Fundamentaldaten in den meisten Schwellenländern stark bleiben“, argumentiert er. Speziell in Brasilien könne allerdings die Präsidentschaftswahl im Oktober zu einer erhöhten Volatilität führen.

Das sehen die Anleihe-Experten der österreichischen Fondsgesellschaft Raiffeisen Capital ähnlich. „Der Ausblick für Emerging-Markets-Anleihen bleibt zwar positiv, jedoch bergen sich verschlechternde Inflationsdaten in den USA das Risiko weiterer Zinsanhebungen“, sagt Robert Senz, Leiter des globalen Rententeams. Ein solches Szenario würde sich auch negativ auf den Raiffeisen Emerging Markets Rent auswirken, der überwiegend in Staats- und Unternehmensanleihen der Emerging Markets investiert. Dessen größte Positionen entfallen derzeit auf Brasilien, Russland, Mexiko und die Türkei.

Im Mai schnitt der 200 Millionen Euro schwere Fonds mit einem Minus von nur 1,45 Prozent deutlich besser ab als seine Vergleichsgruppe. Senz: „Das Ergebnis ist vor allem auf Währungseffekte zurückzuführen, da der Fonds nahezu sämtliche Positionen gegenüber dem Euro absichert.“

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