Fondsmanager im Interview
„Europa stellt das größte Risiko dar“

Der Einbruch an den Börsen war übertrieben, meint Michael Ganske. Der Fondsmanager erklärt, wo er investiert, warum er kein Problem mit autokratischen Staaten hat und warum er Europa für das größte Risiko hält.
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Herr Ganske, Sie investieren in Anleihen aus Schwellenländern wie China, Indonesien oder Brasilien. Die sind zuletzt abgestürzt. Was ist schief gelaufen?
Weltweit sind die Kurse extrem schnell gefallen. Die Charts sehen dramatisch aus! Die Schwellenländer hat es besonders erwischt, aber nicht allein, auch US-Staatsanleihen sind unter Druck geraten.

Was war der Auslöser?
Als Bernanke angedeutet hat, dass er Anleihekäufe unter Umständen zurückfahren wird, kam Panik auf. Die Investoren fürchteten, dass die US-Notenbank ihre expansive Geldpolitik zu früh beenden könnte, und dass die Zinsen steigen. Ich glaube aber schon, dass Investoren zu heftig darauf reagierten.

Warum sorgt das weltweit für Schockwellen?
Es ist nach wie vor so, dass sich alle an der US-Notenbank orientieren. Sie ist die Referenz – für die Investoren, genauso wie für die anderen Zentralbanken. Wenn sie ihren Kurs ändert, ändern sich die Spielregeln.

Kam das wirklich so überraschend?
Die wenigsten hatten eine so schnelle Bewegung erwartet. Selbst jemand wie Bill Gross von Pimco wurde völlig auf dem falschen Fuß erwischt und musste deutliche Verluste verkraften.

Was ist mit Ihnen?
Mich hat das auch überrascht - nicht so sehr die Aussage von Bernanke, die ohnehin nur in einem Nebensatz fiel, sondern eher die heftige Reaktion darauf. Ich halte das für übertrieben. Eigentlich sollten wir froh sein, dass die US-Notenbank künftig weniger Geld drucken will, weil das gleichzeitig bedeutet, dass sie erwartet, dass sich die US-Wirtschaft erholt.

Tut sie das wirklich?
Das ist genau die Sorge an den Märkten. Die Investoren fürchten, dass die US-Notenbank die Wirtschaftslage zu positiv beurteilt, dass sie aus dem Quantitative Easing aussteigt, obwohl es dafür noch zu früh ist. Deshalb ist das Misstrauen im Moment so groß.

Was denken Sie?
Ich denke, dass die Geldpolitik bislang richtig gut funktioniert hat, und dass die Fed weiterhin sehr besonnen vorgehen wird. Selbst wenn sie die Anleihekäufe im kommenden Jahr bis auf null reduzieren wird, werden die Zinsen noch auf lange Zeit niedrig bleiben. Bernanke hat gesagt, dass die Leitzinsen mindestens bis 2015 nahe null bleiben werden. Das haben die meisten offenbar überhört.

Eines Tages wird die Zeit der absoluten Niedrigzinsen zu Ende gehen. Was dann?
Anleihen sind 30 Jahre lang sehr gut gelaufen, weil die Zinsen immer weiter gefallen sind. Jetzt beginnt sozusagen die zweite Spielhälfte. Es kommt eine Zeit mit etwas höheren Zinsen, was zu einer Neubewertung von Anleihen führten wird. Deshalb sind Anleihen aber nicht tot.

Kommentare zu " Fondsmanager im Interview: „Europa stellt das größte Risiko dar“"

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  • Das hört sich an, als befänden wir uns mit dem Euro bereits in der Endphase. In der Phase, in der die Refinanzierung der Staaten so teuer wird, dass automatisch alle Länder in den Sog des Strudels geraten. Deutschland befindet sich zwar offenbar noch am äußeren Rand, aber auch der gehört zum Strudel.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • China stürtzt seit 07 ab-zumindest die Börse für inländische Anleger-Warum?Darum:Die Chinesen müssen ihre Aktien zu Geld machen,um Kredite zu tilgen und Konsum zu finanzieren.Bloß Scheiße wenn die dann immer weniger wert sind.... .

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