Für Unternehmen sind die Emissionen sehr aufwendig
Junkbonds sind keine Schnäppchen mehr

Der Ansturm auf hochverzinsliche Unternehmensanleihen – despektierlich auch Junkbonds oder Schrottanleihen, freundlicher High-Yield- Bonds genannt – ist ungebrochen. Seit Oktober vergangenen Jahres sind die Kurse der Anleihen, denen die Ratingagenturen nur eine mangelnde Kreditwürdigkeit bescheinigen, deutlich gestiegen.

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Entsprechend sanken die Renditen und die Risikoaufschläge (Spreads) der Bonds. High-Yield-Anleihen europäischer Unternehmen bringen derzeit im Schnitt nur noch 4,40 Prozentpunkte mehr Rendite als sichere Staatsanleihen der Industrienationen. Im Oktober hatten die Aufschläge noch bei 14,40 Prozentpunkten gelegen.

Dabei konnten sich die Junkbonds – anders als Unternehmensanleihen guter Bonität (Investitionsklasse oder Investment Grade) – dem Renditeanstieg der Staatsanleihen seit Mitte Juni entziehen.

„High-Yield-Anleihen sind in ihren Kursbewegungen Aktien viel ähnlicher als Investment-Grade- Bonds“, erklärt Klaus Oster, Fondsmanager bei Deka Investment auf einem Seminar des Deutschen Aktieninstituts (DAI). Wie bei Aktien sei die Entwicklung der High-Yields eng an die Entwicklung der Unternehmen gebunden. „Mit den wieder aufkeimenden Konjunkturhoffnungen sollte deshalb auch die Nachfrage nach den Junkbonds weiter steigen“, meint Oster.

Diese Erwartung teilt Henning Lenz, Leiter der High-Yield-Abteilung der Fondsgesellschaft West AM. Auch wenn die Risikoaufschläge inzwischen unter dem langjährigen Durchschnitt lägen und die Bonds somit keine Schnäppchen mehr seien, sieht er den Markt als in sich gefestigt an.

„Die Nachfrage der Anleger ist ungebrochen, das konjunkturelle Umfeld stimmt, die Ausfallrate der Bonds ist stark gesunken und auch für die Aufnahme neuer Bonds sind die Märkte sehr offen“, sagt Lenz. Er kann sich vorstellen, dass die Spreads auf im Schnitt 4,00 Prozentpunkte sinken werden. Das hängt seiner Meinung nach vor allem mit der Dominanz der „Fallen Angels“ im europäischen Markt zusammen. „Fallen Angels“ sind Unternehmen, die von den Ratingagenturen aus der Investitionsklasse verbannt wurden: Firmen wie der italienische Industriekonzern Fiat, der niederländische Einzelhändler Ahold, die Telekomausrüster Alcatel aus Frankreich und Ericsson aus Schweden oder der deutsche Zementhersteller Heidelberg Cement machen inzwischen mehr als ein Drittel des gesamten europäischen High-Yield- Marktes aus. Wenn diese Unternehmen ihre Probleme mit der Zeit in den Griff bekämen und wieder bessere Ratings erhielten, dürften die Spreads deutlich sinken, sagt Lenz.

Dagegen hält Jens Schmidt-Bürgel, Geschäftsführer der Ratingagentur Fitch in Frankfurt, dass der Ratingtrend trotz Verbesserung weiter negativ sei. Von daher könnte es demnächst auch noch mehr „Fallen Angels“ geben, meint Oster von Deka Investment. Neben dem erhöhten Kapitalbedarf von finanzschwachen Unternehmen und zunehmenden Fusionen und Übernahmen werde das zu einem größerem Angebot von High-Yield-Anleihen führen.

In diesem Jahr haben europäische Unternehmen schon Junkbonds über rund 8 Mrd. Euro begeben – so viel wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr. Für September haben bereits der britische Musikkonzern Emi und die frühere Fiat-Tochter Avio – ein Flugzeughersteller – Junkbonds angekündigt.

Dabei ist die Emission eines High-Yield-Bonds für Unternehmen aufwendiger und komplizierter als manche Investmentbank das darstellt. So sei die „Due Diligence“ – die Prüfung der Ertrags- und Geschäftslage – sehr „detailtief“, wie Stefan Dreher, für die Refinanzierung zuständiger Direktor bei Heidelberg Cement, auf dem Seminar des DAI formuliert. Das Unternehmen hat im Juli eine Hochverzinsliche über 700 Mill. Euro begeben und damit den größten europäischen Junkbond aller Zeiten.

Außerdem würden die Anlegerschutzklauseln – so genannte Covenants –, die bei Junkbonds nötig seien, ein Unternehmen einschränken, sagt Dreher. Die Restriktionen bei Heidelberg Cement beziehen sich unter anderem auf die Verschuldungskapazität und die Finanzierungsmöglichkeiten. Schmidt-Bürgel von Fitch fordert, dass die Dokumentationen für die Emittenten weniger aufwendig und flexibler sein sollten. In Europa erschwerten zudem die unterschiedlichen Insolvenzregeln das Entstehen eines homogenen Marktes wie in den USA. In Nordamerika gibt es Junkbonds schon seit über 20 Jahren, in Europa kamen die ersten hochverzinslichen Unternehmenspapiere erst Ende der 90er-Jahre auf den Markt.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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