Gefährliche Kommunalanleihen
Finanzmärkte bangen um US-Städte

Die schwächelnde Konjunktur droht den billionenschweren, aber bislang wenig beachteten Markt für Kommunalanleihen in den USA zu destabilisieren. Immer mehr Kommunen können wegen fallender Steuereinnahmen die Verpflichtungen gegenüber ihren Gläubigern nicht mehr bedienen und erschüttern so das Vertrauen in die vor allem bei Privatanlegern, aber auch bei Banken beliebten Papiere.
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NEW YORK/FRANKFURT. Jüngstes Beispiel ist Harrisburg. Die Hauptstadt des Bundesstaates Pennsylvania, deren Anleihen auch in den Büchern der Commerzbank liegen, hat am späten Dienstagabend angekündigt, bis auf weiteres ihre Anleihen nicht mehr zu bedienen. Experten sehen mit dem zweitgrößten Ausfall eines kommunalen Schuldners in diesem Jahr ein Problem auf den 2,8 Billionen Dollar großen Markt zurollen. "Das ist ein schlechtes Zeichen", sagte Alan Schankel, Geschäftsführer beim Broker Janney Montgomery Scott. "So fängt es an." Je mehr Kommunen diesen Weg gingen, desto einfacher werde es für andere, sich ebenso zu verhalten.

Warren Buffett verabschiedet sich von dem Markt

Seit Ausbruch der Finanzkrise erfreuen sich amerikanische Kommunalanleihen allen Problemen der Städte zum Trotz vor allem bei Privatinvestoren immer größerer Beliebtheit. Denn angesichts minimalster Renditen auf Staatsanleihen und massiv schwankender Aktienmärkte werfen die Papiere gutes Geld ab, zumal die Gewinne innerhalb der USA steuerfrei sind. 2009 flossen mit knapp 70 Mrd. Dollar fast neunmal so viele Mittel in Fonds, die in diese Anleihen investieren, wie im Jahr zuvor. Während die große Masse der Anleger also in die bislang als sicher geltenden Papiere investiert, ziehen sich vorausblickende Marktteilnehmer aus dem Markt zurück. Seit November 2009 versichert Berkshire Hathaway, die Firma von US-Investorenlegende Warren Buffett, keine neu platzierten Kommunalanleihen mehr. Das Geschäft mit diesen Papieren "wirke heute wie ein gefährliches Geschäft", schrieb er zuletzt an sein Aktionäre.

Bislang haben in diesem Jahr 46 Kommunen Anleihen im Volumen von 1,7 Mrd. Dollar nicht bedient. Das ist ein Anstieg von 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Viele haben über Jahrzehnte hinweg über ihre Verhältnisse gelebt und zahlen nun die Zeche. Die amerikanische Wirtschaft hat die Rezession in den Jahren 2008 und 2009 zwar im vergangenen Winter hinter sich gelassen, schwächelt aber seit einiger Zeit wieder bedenklich. Die Steuereinnahmen der Städte sind zusammengebrochen und erholen sich nicht. "Der Tag der Abrechnung ist nah. Auch wenn viele Kommunen in den USA das nicht wahrhaben wollen", sagte Jeff Schoenfeld, Spezialist für Kommunalanleihen bei Brown Brothers Harriman.

Harrisburg ist das Paradebeispiel. Rund 30 Jahre lang hat die Stadt ihre Ausgaben nicht in den Griff bekommen und zwischenzeitlich sogar ein eigenes Profibaseball-Team ihr Eigen genannt. Der Schuldendienst aus Zinsen und Tilgung überschreitet in diesem Jahr mit 70 Mio. Dollar die Einnahmen. Deshalb hat die Stadt nun beschlossen, die am 15. September fälligen 3,3 Mio. Dollar für eine 1997 begebene Anleihe nicht zu bedienen.

Kommunen könnten Banken an den Verhandlungstisch zwingen

Das ist der erste Schritt, um Banken und Fondsgesellschaften, in deren Büchern die Papiere der Stadt liegen, an den Verhandlungstisch und zum Erlass von Schulden zu zwingen. Funktioniert das nicht, droht die Stadt mit schärferen Geschützen. Sie könnte offiziell Bankrott anmelden und sich so der Schulden entledigen. "Das ist eine echte Option, und es wäre gut, wenn die Stadt schon mal Anwälte engagiert, um den Prozess zu beginnen", sagte gestern Dan Miller, Leiter des Rechnungswesens von Harrisburg, dem Handelsblatt.

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  • was nun sparpaket für die massen erleichterung für superreiche.nichts neues also.nur noch abwarten und sich dem finanzgau anschauen.geschichte wiederholt sich halt.keine angst die oberen haben schon vorrausschauende planungen getroffen natürlich weiss niemand was davon.bürgerkriegsähnliche zustände darauf sind sie vorbereitet der zeitpunkt muss schon ziemlich nahe sein,den die amerikaner haben nun nur noch wenig hoffnung die konjungtur irgendwie zu beleben.die steuerungselemente sind abhanden gekommen.es geht massiv in die hyperinflation,freunde das wars,rette sich wer kann,da muss man kein schwarzseher sein es ist einfach so.

  • Wochen oder Monate....? Das frage ich mich seit beginn der internationalen QuantitativeEasing-Orgie.

    bernanke wird drucken was die Presse hergibt, und notfalls den gesamten Laden mit einer Garantie ausstatten. Das Licht geht meiner Meinung nach erst aus, wenn die bundesstaaten oder die Zentralregierung einen default/haircut ankündigt.
    in der Zwischenzeit kann man was fürs Leben lernen - mehr wert als jedes VWL-Studium, denn es ist das absurdeste ökonomische Experiment aller Zeiten. Simbabwe ist ein Kindergarten dagegen....

    Allenfalls eine Revolution der amerikanischen bürger könnte der FED in die Quere kommen, bevor sie sich final selbst erledigt...
    Europa hat andere Probleme, aber wohler ist mir dabei auch nicht. Da ich allerdings (persönlich) kein Vermögen zu verlieren habe, kann ich das Spektakel gelassen beobachten. Sonst wäre ich auch ratlos, denn Gold ist nicht die Lösung aller Probleme. Eher besorge ich mir eine AR15 und Munition, Ackerland besitzt meine Familie genug.... :)

  • Eine wirkliche Überraschung ist dies keineswegs, natürlich sind auch die US-kommunen-und gerade die- vollkommen überschuldet und bankrott. Wenn eine Pleitewelle einsetzt, wird das gesamte finanzkartenhaus in USA wanken. meines erachtens nur noch eine frage von wochen oder höchstens monaten, bis der nächste gewaltige knall erschallt.

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