Gefahr einer kreditfinanzierten Übernahme besteht
Anleihen der Telekomfirma TDC gilt als riskante Wette

Auf der Suche nach Anleihen mit gutem Rating und hohen Renditen stoßen Anleger fast unweigerlich auf den dänischen Telekomkonzern TDC. Die frühere Tele Danmark bietet zum Beispiel für ihre in gut vier Jahren fällige Anleihe eine Rendite von 5,54 Prozent.

HB FRANKFURT/M. Das sind zweieinhalb Prozentpunkte mehr als bei einem vergleichbaren Bond der Deutschen Telekom. Dabei hat TDC Ratings im oberen Dreifach-B-Bereich und gilt damit eigentlich als solider Schuldner.

Das könnte sich aber bald ändern. Seit Monaten ist der Konzern im Visier von Finanzinvestoren. Deshalb sind die Kurse der TDC-Anleihen kräftig gefallen. Die Finanzinvestoren wollen den ehemaligen Staatskonzern durch eine kreditfinanzierte Übernahme – ein so genanntes Leveraged Buy Out (LBO) – kaufen. LBOs finanzieren Investoren dadurch, dass sie den Übernahmeobjekten hohe Schulden aufbürden. „Bei einem LBO ist damit zu rechnen, dass die Ratings von TDC in den Bereich Einfach-B herabgestuft werden“, warnt Frank Schaefer, Fondsmanager für Unternehmensanleihen bei Lazard Asset Management. Das entspräche einer Herabstufung um sechs bis acht Stufen. Die Anleihen wären damit Junk-Bonds (Schrottanleihen). Bei einem LBO werden außerdem ausstehende Bonds meist automatisch zu nachrangigen Verbindlichkeiten; denn neue Kredite haben meist Klauseln, nach denen sie im Konkursfall zuerst zurückgezahlt werden.

Vergangenen Monat hatte TDC bestätigt, dass unverbindliche Angebote für eine kreditfinanzierte Übernahme eingegangen sind, die geprüft werden sollen. Seitdem steht TDC bei den Ratingagenturen unter verschärfter Beobachtung. Die Landesbank Baden-Württemberg geht fest davon aus, dass Finanzinvestoren aus den vagen Offerten verbindliche Angebote machen werden. Deshalb erwartet die Bank starke Kursschwankungen der Anleihen und bekräftigt ihre Untergewichten-Empfehlung. Noch drastischer drückt es die Hypo-Vereinsbank aus. Sie hält das Risiko eines LBOs für beträchtlich und sieht deshalb „keinen Wert“ in den TDC-Bonds. Auch Fondsmanager Schaefer ist skeptisch. „Wenn es zu keinem LBO kommt, werden die Kurse der TDC-Bonds zwar kräftig steigen und ihre Renditen sinken. Aber das ist eine riskante Wette“, sagt er.

Schaefer würde TDC-Anleihen erst kaufen, wenn ein neues Management feststeht und seine Pläne für das Unternehmen präsentiert: „Denn bei einem Leveraged Buy Out darf die neue Führung keine operativen Fehler machen, weil sonst die ganze Finanzierung ins Wanken geraten kann.“

Dresdner Kleinwort Wasserstein (DrKW) rät nach den massiven Renditeanstiegen der TDC-Bonds dagegen professionellen Anlegern seit vergangener Woche, die Papiere zu kaufen. Die Investmentbank hält das Risiko weiterer Kursverluste selbst bei einem LBO für begrenzt. „Außerdem ist es gut möglich, dass es gar nicht zu einer kreditfinanzierten Übernahme kommt“, sagt Analyst John Pearce. Ein Grund sei der seit den Spekulationen stark gestiegene Aktienkurs von TDC, der eine Akquisition jetzt relativ teuer mache. Sollten Finanzinvestoren aber tatsächlich verbindliche Angebote abgeben, würden voraussichtlich andere europäische Telekomkonzerne mitbieten und gute Chancen haben, meint Pearce. Als potenzielle Bieter sieht er Deutsche Telekom und Swisscom. Im Sommer hatte bereits France Télécom den Zuschlag für den von Finanzinvestoren umworbenen spanischen Mobilfunkanbieter Amena bekommen.

Pearce zweifelt außerdem an einem LBO, weil TDC-Chef Henning Dyremose bei einer Analystenkonferenz vor einer Woche noch Zukunftspläne wie mögliche kleinere Akquisitionen präsentiert hat. Anlass für die Telefonkonferenz waren übrigens die besser als erwarteten Quartalszahlen von TDC. Solche Fakten spielen angesichts der Diskussionen über eine Übernahme allerdings zur Zeit keine Rolle.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%