Gegen den Markttrend Die womöglich größte Anleihenwette der Welt

Noch acht Tage Zeit hat ein bislang unbekannter Händler, damit seine millionenschwere Wette auf eine Veränderung der Anleihenrendite nicht wertlos wird. Bei dem Investment ist es egal, ob die Renditen fallen oder steigen.
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Ein Händler vor den Kursen der US-Staatsanleihen an der Börsen in Chicago. Ein anderer Trader hat eine spektakuläre Wette auf die Treasuries platziert. Quelle: dpa
Börse Chicago

Ein Händler vor den Kursen der US-Staatsanleihen an der Börsen in Chicago. Ein anderer Trader hat eine spektakuläre Wette auf die Treasuries platziert.

(Foto: dpa)

Die Volatilität (Schwankungsbreite) im Anleihemarkt steht kurz vor einem Comeback. Darauf wettet zumindest ein Bond-Händler, ablesbar an der Aktivität am Optionsmarkt. Sie signalisiert die Überzeugung, dass US-Staatsanleihen (Treasuries) in den nächsten zwei Wochen entweder stark steigen oder sehr hart fallen werden.

Der Erfolg dieser Wette, die für eine Optionsstrategie mit einem ungewöhnlich hohen Einsatz erfolgt, ist nicht an die Richtung der Renditen gebunden. Stattdessen hängt das Ergebnis davon ab, dass es wieder zu der Art von Turbulenzen kommt, die es schon seit Monaten nicht mehr gegeben hat.

Am Dienstag platzierte jemand gleichzeitig eine Position über zehn Millionen Dollar im Kauf von Put- und Call-Optionen auf Terminkontrakte zehnjährige US-Staatsanleihen (Treasury-Futures), was Börsenexperten als Strangle bezeichnen. Das zeigen Daten von der Wirtschaftsnachrichten-Agentur Bloomberg und eine Beobachtung der Handelsniveaus.

Zum Hintergrund: Bei einem Strangle wird auf einen Anstieg der Volatilität oder eine Bewegung des Basiswertes spekuliert, egal ob die Bewegung nach oben oder nach unten erfolgt. Beim Kauf eines solchen Derivates werden gleichzeitig eine Put- (auf fallende Kurse) und Call-Option (auf steigende Kurse) auf einen Basiswert (in dem Fall Terminkontrakte auf zehnjährige US-Staatsanleihen) mit dem gleichen Verfallsdatum gekauft. Dadurch kann mit einer geringen Investition auf einen Volatilitätsanstieg oder eine große Bewegung spekuliert werden. Findet diese nicht statt, dann verfallen beide Optionen am Laufzeitende wertlos.

Der Markt wurde auf die Position aufmerksam, da Kontrakte im Block von rund 63.500 Stück gehandelt wurden, zeigen Daten der CME Group. Ein Strangle in dieser Größenordnung kommt selten vor und ist womöglich sogar einmalig, sagen Zinshändler, die mit dem Markt vertraut sind.

Die Position verfällt bereits am 21. Juli und sieht nach der Reaktion auf die Anhörung der Fed-Chefin Janet Yellen am Mittwoch bereits vielversprechend aus. Allerdings sind nur kleine Bewegungen nicht ausreichend. Um nur die Prämie wieder zu verdienen, müssten die zehnjährige Rendite um rund zehn Basispunkte steigen oder fallen, ausgehend von einem Niveau bei 2,38 Prozent, zeigen Daten von Bloomberg. Sobald diese Schwelle überschritten ist, gibt es kein Limit auf den Gewinn. Dieser liegt bei rund 50 Millionen Dollar pro 25 Basispunkte Bewegung, was ausgehend vom Startniveau die Hochs und Tiefs diesen Jahres ins Spiel bringt. Derzeit liegt die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen bei 2,32 Prozent.

Bonds für die Ewigkeit
Dollar- und Euro-Scheine
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„Trau keinem über 30“ lautete ein Slogan der 68er-Bewegung. Investoren am Anleihemarkt können sich so eine Denke heute nicht mehr leisten. Der Niedergang der Zinsen in den vergangenen Jahren treibt sie verstärkt in Anleihen mit einer Laufzeit von 50 oder sogar 100 Jahren. Die Nachfrage ist groß, denn je länger die Laufzeit, desto höher die Verzinsung. Allerdings steigen mit der Laufzeit auch die Risiken. Ein Überblick über die Schuldner mit Langlauf-Bonds.

Hofburg in Wien
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Wien geht am Kapitalmarkt neue Wege: Österreich hat am 12. September 2017 eine Anleihe begeben, die erst in 100 Jahren fällig wird. Eine so langlaufende Anleihe hat noch kein anderes Land in der Euro-Zone öffentlich platziert. Und das mit Erfolg für die Regierung: Für die Anleihe im Umfang von 3,5 Milliarden Euro gaben Investoren Kaufaufträge über mehr als elf Milliarden Euro ab – und das bei einer Rendite von 2,11 Prozent. Im Oktober 2016 hatte Österreich bereits eine 70-jährige Anleihe begeben, auch das ein Novum für Euro-Länder. Eine Anleihe mit 50 Jahren Laufzeit hatte Österreich zuletzt im Jahr 2012 platziert.

Argentinien
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2,75 Milliarden Dollar hat Argentinien im Sommer 2017 mit einer Anleihe eingesammelt, die das Land erst im Juni 2117 zurückzahlen wird. „Anleger haben ein kurzes Gedächtnis“, sagt dazu Victor Fu, Stratege für Schwellenländer beim Broker Stifel Nicolaus und Co. mit Blick darauf, dass Argentinien zuletzt im Jahr 2001 pleiteging und sich viele Jahre mit den Gläubigern um die Umschuldungsmodalitäten stritt. Doch der Zinskupon von 7,125 Prozent lockte die Investoren. Platziert wurde der Bond zudem zu einem Kurs von 90 Prozent. Zurückgezahlt wird er – theoretisch – zu 100 Prozent, so dass sich für Käufer eine jährliche Rendite von 7,9 Prozent ergibt.

Frankreich
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Frankreich ist der Vorreiter bei der Bond-Generation „50 plus“. Die erste französische Anleihe mit dieser langen Laufzeit stammt aus dem Jahr 2005. Im Jahr 2017 war Frankreich erneut der erste Schuldner, der sich nach der Finanzkrise mit einem Ultra-Langläufer an den Markt wagte. Die Franzosen stockten am 5. Januar ihre im Mai 2066 fällige Anleihe um eine Milliarde Euro auf. Die Rendite des Papiers mit einem Zinskupon von 1,75 Prozent lag nur bei zwei Prozent. Dennoch sammelten die Banken bei der Bond-Auktion Kaufaufträge über gut zwei Milliarden Euro ein. Gefragt war das Papier vor allem bei Versicherern und Pensionskassen, die langfristige Anlagen suchen. Ein Großteil der Nachfrage kam laut Bankern dabei aus Japan. Zuletzt hatte Frankreich die im Mai 2066 fällige Anleihe im Juni 2016 aufgestockt. Damals lag die Rendite bei nur 1,4 Prozent.

Italien, Teil 1
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Ein italienischer Schuldschein über 50 Jahre hat Anfang Oktober 2016 Bond-Anleger begeistert. Für das Papier gingen Bestellungen im Volumen von 16,5 Milliarden Euro ein. Damit war der Bond fünfeinhalbfach überzeichnet. Weniger begeistert über die Rendite war Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank: Italien biete hier einen Zinskupon von 2,8 Prozent - wenig lohnenswert angesichts der langen Laufzeit.

Italien,Teil 2
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Bereits im Mai 2013 machte Italien mit einer 50-jährigen Anleihe von sich reden. Rom begab einen Bond über 500 Millionen Euro, der mit jährlich 4,75 Prozent verzinst wird. Die ersten 50-jährigen hat Italien im Jahr 2007 begeben, weitere folgten 2008 und 2010.

Spanien
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Gut sechs Wochen vor den vorgezogenen Neuwahlen hatte Spanien am 11. Mai 2016 bereits eine 50jährige Anleihe platziert. Die Nachfrage nach dem Bond im Umfang von drei Milliarden Euro war mit Kaufaufträgen von 10,5 Milliarden Euro enorm – und das obwohl das Land seit Dezember 2015 keine Regierung hat. Doch Kupon und Rendite von je knapp 3,5 Prozent, mit der die Anleihe platziert wurde, lockten Investoren. Zuletzt hatte sich Spanien im September 2014 für 50 Jahre eine Milliarde Euro bei Investoren geliehen. Der Kupon dieser Anleihe liegt bei vier Prozent.

Der Kalender hält über die nächsten Tag diverse Möglichkeiten bereit, die für steigende Volatilität sorgen könnten. Vom politischen Drama in Washington abgesehen, könnten die Konsumentenpreise oder die Einzelhandelsdaten am Freitag für Bewegung sorgen. Am Tag vor der Fälligkeit der Position findet zudem die nächste EZB-Sitzung statt.

Mit der Position stellt sich der Händler auch gegen den allgemeinen Markttrend. Der Merrill Lynch Option Volatility Estimate, auch bekannt als MOVE Index, der aus Optionen auf Treasuries mit Laufzeiten zwischen zwei und 30 Jahren berechnet wird, handelt per Mittwoch auf einem Allzeit-Tief.

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