Gegen starke Bewegung spricht niedrige Inflationsrate
Volkswirte erwarten leichten Renditeanstieg

Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe, die seit einigen Wochen ein Tief nach dem anderen markiert und gestern bei 3,34 Prozent lag, wird in den nächsten sechs Monaten unter der markanten Marke von vier Prozent bleiben. Das ist zumindest die Prognose von vier der fünf vom Bundesverband Öffentlicher Banken (VÖB) regelmäßig befragten Experten.

cü FRANKFURT/M. Damit rudern die Volkswirte kräftig zurück. Im vergangenen Frühjahr und Herbst – die Zinsprognose wird seit 1995 zweimal jährlich abgegeben – hatten die Zinsauguren noch auf kräftig steigende Renditen gesetzt und damit deutlich daneben gelegen.

Die Experten gehen zwar immer noch davon aus, dass die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe auf Sicht von einem halben Jahr steigen wird, aber der Anstieg soll moderat ausfallen. Kurzfristig, so meinte zumindest Ulrich Kater von der Dekabank, seien sogar nochmals Renditerückgänge möglich. In einem halben Jahr erwartet Kater, dass die zehnjährige Bundesanleihe mit 3,60 Prozent rentieren wird. Feri Research Helaba und VÖB erwarten einen Anstieg auf 3,70 Prozent. Die Bankgesellschaft Berlin ist mit einer Prognose von einem Renditeanstieg ebenfalls zurückhaltender als in der Vergangenheit.

„Wir bleiben in der Euro-Zone in einem niedrigen Inflations- und Leitzinsumfeld“, sagte Ulrich Kater von der Dekabank. Dazu kämen Sonderfaktoren wie aktuell die Gerüchte um eine Schieflage bei Hedge-Fonds, die eine Flucht in die Sicherheit – also in Staatsanleihen – auslösten. Außerdem fehle in der Euro-Zone die Investitionsdynamik, die die Wirtschaft ankurbeln könne. Angesichts der schon lange anhaltenden niedrigen Inflation nähmen die Risikoprämien für einen Inflationsanstieg ab, meinte auch Tobias Schmidt von Feri Trust. Auf mittlere Sicht würden fundamentale Wachstumsdaten zwar wieder die Oberhand gewinnen, aber noch sei der Zeitpunkt dafür nicht abzusehen. Zu beobachten sei außerdem, dass sich der hohe Ölpreis schon dämpfend auf das globale Wirtschaftswachstum ausgewirkt habe.

Gertrud Traud von der Helaba betonte, dass die Rentenmärkte extrem pessimistisch mit Blick auf das Wirtschaftswachstum – gerade in den USA– seien. Diese „negative Illusion“ könne durchaus noch anhalten und müsse deshalb in die Renditeprognose einfließen. Außerdem sei in Deutschland die niedrige Rendite angesichts der schwachen wirtschaftlichen Entwicklung sogar fundamental angemessen.

Lediglich Thomas Meißner von der DZ Bank, hält an seinem negativen Szenario für die Anleihemärkte fest. „Am Rentenmarkt hat sich ganz klar eine Blase gebildet, die sogar vergleichbar mit der Aktien-Bubble im Jahr 2001/2002 ist.“ Fundamental – also von der wirtschaftlichen Entwicklung her – sei das niedrige Renditeniveau schlicht nicht haltbar, sagt Meißner. Die Wirtschaft im Euro-Raum wachse zwar langsam, aber sie wachse. Der DZ-Volkswirt geht davon aus, dass die zehnjährige Bund-Rendite bis Mitte Oktober auf 4,20 Prozent und damit recht deutlich steigen wird.

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