Geldanlage
Comeback der sicheren Bonds

Die Flucht in die sprichwörtlich sicheren Häfen der Anleihen hat in diesem Jahr schon länger nicht mehr gesehene Dimensionen erreicht. Die Logik, die hinter der Flucht in Staatspapiere mit erstklassiger Bonität steckt, ist jedoch einleuchtend.

FRANKFURT. Amerikanische Staatsanleihen haben dank der großen Nachfrage der Investoren Erträge von rund achteinhalb Prozent abgeworfen. Das ist so viel wie seit fünf Jahren nicht. Die Erträge bei Anleihen setzen sich aus Zinseinnahmen und Kursgewinnen zusammen.

Die Logik, die hinter der Flucht in Staatsanleihen mit erstklassiger Bonität steckt, ist einleuchtend: Wer solide Staatsanleihen aus den USA oder Europa kauft, hat weniger Chancen auf Gewinne, trägt aber auch weniger Risiken als bei der Anlage in Aktien. Die Kurse von Zinspapieren schwanken zwar, aber Anleihebesitzer bekommen ihr Geld am Ende der Laufzeit zurück und erhalten zwischenzeitlich Zinsen. Deshalb greift das Argument vom sicheren Hafen, wenn Investoren Krisensignale für die Wirtschaft und damit auch für die Aktienmärkte sehen. Und seit dem Sommer gibt es ausgelöst durch die Subprime-Krise um zweitklassige private Hypothekenschuldner in den USA jede Menge Krisensignale.

Zuvor sah das Bild noch ganz anders aus. Überraschend positive US-Konjunkturdaten im Frühjahr hatten die Staatsanleihen in der Gunst der Anleger sinken lassen, die Kurse der Zinspapiere sanken, und im Gegenzug zogen die Renditen kräftig an. Zehnjährige US-Anleihen rentierten Anfang Juni in der Spitze mit 5,3 Prozent, zehnjährige Bundesanleihen mit 4,7 Prozent. Seither sind die langfristigen Kapitalmarktzinsen in den USA auf gut vier und in Deutschland auf 4,30 Prozent gesunken.

In den USA liegen die Renditen damit deutlich unter dem Niveau vom Jahresanfang, in Deutschland sind sie auf Jahressicht sogar gestiegen. Bundesanleihen brachten den Anlegern in diesem Jahr mit knapp zwei Prozent so wesentlich geringere Gesamterträge als ihre US-Pendants.

Prinzipiell gelten auch Anleihen von Unternehmen als sicherer als Aktien; davon war in diesem Jahr aber nicht viel zu spüren. Im Gegenteil. Abseits der sicheren Staatsanleihen werde „fast alles mit Argwohn betrachtet“, sagte noch im Juli Bill Gross, der für die Allianz-Tochter Pimco den mit 108 Mrd. Dollar weltweit größten Anleihefonds managt.

Im Feuer standen dabei in diesem Jahr besonders die mit Forderungen unterlegten Anleihen, sogenannte Asset Backed Securities (ABS). Bei diesen Papieren bündeln meist Banken Kreditforderungen, gliedern sie aus ihrer Bilanz aus und geben dann Anleihen aus, die mit den Forderungen besichert sind. Darunter sind auch mit Subprime-Krediten besicherte ABS über 900 Mrd. Dollar, die zum Teil noch weiterverpackt wurden. Wegen Verlusten mit diesen Papieren gerieten Hedge-Fonds und deutsche Banken wie die IKB und die SachsenLB ins Trudeln. Die Folge: Investoren mieden auch ABS, die nichts mit Subprime-Krediten zu tun haben.

Darüber hinaus sind auch Anleihen von Banken und Unternehmen kräftig unter Druck geraten. So verlangen Investoren heute für Anleihen von Banken und anderen Unternehmen deutlich höhere Renditen als für Staatsanleihen. Die zum Teil auf Rekordhochs gestiegenen Risikoprämien ließen zeitweise auch Unternehmen mit guter Bonität vor der Platzierung neuer Bonds zurückschrecken. Unternehmen mit schwacher Kreditwürdigkeit haben seit dem Sommer keine neuen Anleihen – sogenannte Junk-Bonds – mehr begeben.

Es gibt aber Hoffnungszeichen. Bei attraktiven Risikoaufschlägen von neuen Unternehmensbonds mit guten Ratings griffen Anleger auch 2007 beherzt zu. Und Bill Gross verkündete jüngst, er wolle Anleihen von US-Investmentbanken kaufen.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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