Geldanlage
Dilemma bei Autoanleihen

Die Zinspapiere von soliden deutschen Herstellern bringen nur noch wenig Rendite. Bis zu sieben Prozent gibt es für Bonds Peugeot oder Fiat. Die halten Experten gerade bei längeren Laufzeiten aber für viel zu riskant.
  • 4

FrankfurtFast vier Jahre ist es her, dass sich der deutsche Autokonzern BMW als eines der ersten Unternehmen nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers mit einer neuen Anleihe an den Markt gewagt hat. Er musste dafür extrem tief in die Tasche greifen, um die zutiefst verunsicherten Anleger vom Kauf zu überzeugen. Einen Zins von 8,875 Prozent zahlten die Münchener den Anlegern damals für einen Bond mit einer Laufzeit von fünf Jahren.

Von der damaligen Unsicherheit ist heute nichts mehr zu spüren, im Gegenteil: „Die Anleihen deutscher Autokonzerne sind für viele Investoren inzwischen zu so etwas wie sicheren Häfen geworden“, meint Markus Roß, der bei der WGZ Bank Autobonds analysiert. Das zeigt sich deutlich an den sich gegenläufig zu den Kursen entwickelnden Renditen: Anleihen mit knapp fünf Jahren Laufzeit von BMW, Volkswagen oder Daimler rentieren aktuell mit 1,4 bis 1,5 Prozent - und damit nahe ihrer jüngst erreichten historischen Tiefs.

Ist das gerechtfertigt? „Zumindest ist es nachvollziehbar“, meint Roß. Die Autoindustrie sei zwar nach wie vor eine zyklische, das heißt von der Konjunktur abhängige Industrie und gerade in Europa schwächelt angesichts der Euro-Schuldenkrise die Konjunktur. Das merken auch die Autokonzerne beim Absatz. Sie dämpften zuletzt die Erwartungen der Investoren. Aber: „Die deutschen Hersteller haben Schulden ab- und hohe Cash-Reserven aufgebaut und sind damit heute viel besser aufgestellt als vor der Rezession in den Jahren 2008 und 2009“, sagt Roß.

Attraktiv sind die Papiere der deutschen Autobauer aber trotzdem nicht. „Die Anleihen von BMW, VW, Daimler oder auch MAN sind extrem teuer“, meint Gerhard Wolf, Leiter des Researchs für Unternehmensanleihen und Spezialist für Autobonds bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW): „Interessant sind die Renditen allenfalls verglichen mit dem mageren halben Prozent, das zum Beispiel fünfjährige deutsche Bundesanleihen bieten."

Wolf rät vom breiten Einstieg ab: „Anleger müssen sich zwar keine Sorgen um die Rückzahlung machen, aber sich sehr wohl auf zwischenzeitliche zumindest moderate Kursverluste und größere Kursschwankungen einstellen.“ Dies gelte vor allem dann, wenn die schlechten Nachrichten zur Konjunkturentwicklung in Europa zunehmen. Von daher könnte es zu einem späteren Zeitpunkt günstiger sein zu höheren Renditen einzusteigen. Denn auch von der Seite der Bundesanleihen droht Ungemach.

Kommentare zu " Geldanlage: Dilemma bei Autoanleihen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Der Peugeot-Chef hat verkündet, der Konzern verbrenne aufgrund von Überkapazitäten mindestens 100 Mio Euro pro Monat bis 2014. Marchionne beklagt, daß VW mit Dumpingpreisen den kleineren Herstellern die Luft abdreht. In diesem Szenario eine Unternehmensanleihe von Fiat, Renault oder Peugeot anzupreisen, setzt voraus, daß noch in diesem Jahr staatliche Hilfe einsetzt und die Autokonjunktur in Italien und Spanien anspringt. Beides ist, gelinde gesagt, hochspekulativ. Und das für eine Rendite von nicht einmal 5%. Das Handelsblatt wird mit diesem Anlagetipp fachkundige Leser verlieren.

  • Bei den Rabatten die Volkswagen gerade für seinen neuen Golf gewährt verkaufen Fiat, Renault und PSA bald gar nichts mehr in der Golf Klasse.
    Solange es keine neue Abwrackprämie gibt, ist von Anleihen französischer und italienischer Autohersteller abzuraten.

  • Autoboom?? Ich lese wohl nicht richtig...gestern noch Artikel über Absatzproblem und Gewinnprognosenrevidierung..der einzige Autoboom findet derzeit in Korea statt..

    Nicht umsonst versucht VW den neuen Golf direkt mit 20% Diskount unters Volk zu bringen..ist ja auch problemlos möglich, da die Produktionskosten um 20-30 gesenkt wurden..

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%