Geldquelle: Italien setzt auf „Patriotenbonds“

Geldquelle
Italien setzt auf „Patriotenbonds“

Sparer in Deutschland können nicht direkt Anleihen vom Staat beziehen - Dem Bund war das Geschäft mit den Privatanlegern zu teuer. Doch in Italien ist das möglich und erfreut die Staatskasse.
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Rom/FrankfurtItalien setzt in der Euro-Schuldenkrise stärker auf eine neue Geldquelle: Während Deutschland den direkten Verkauf von Staatstiteln an Kleinsparer eingestellt hat, reißen Investoren sich um sogenannte „Patriotenbonds“ aus Rom. Bei den Papieren handelt es sich um Anleihen, die für Kleinanleger maßgeschneidert sein sollen. Die letzte Auktion spülte in dieser Woche 17 Milliarden Euro in die römische Staatskasse - deutlich mehr als Experten erwartet hatten. Analysten sprachen von einem beispiellosen Erfolg. Insgesamt hat Italien mit solchen Titeln schon mehr als 40 Milliarden Euro eingesammelt.

Deutschland hingegen verkauft neuerdings überhaupt keine Staatstitel mehr direkt an Kleinanleger. Wie passt das zusammen? Italien muss Investoren wegen der politischen und wirtschaftlichen Risiken locken, um an Geld zu kommen. Deutschland gilt hingegen als „sicherer Hafen“. Die Papiere aus Rom werfen deshalb Zinsen ab, von denen Kunden bei den zum Jahreswechsel eingestellten „Bundesschatzbriefen“ zuletzt nur hätten träumen können. Wer Italien für vier Jahre Geld leiht, erhält einen Mindestzinskupon von 2,25 Prozent bei vollem Inflationsausgleich.

Wenn man davon ausgeht, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Teuerungsrate in etwa auf dem angestrebten Niveau von knapp zwei Prozent halten kann, würde sich eine Rendite von deutlich mehr als vier Prozent ergeben. Zusätzlich erhalten die Kunden eine Treueprämie, wenn sie die unter der Marke „BTP Italia“ vermarkteten Titel bis zum Laufzeitende halten. Bei den attraktiven Konditionen wundert es wenig, dass auch institutionelle Profi-Investoren in großem Stil zugegriffen haben sollen.

Zum Vergleich: Deutschland zahlte am Mittwoch rekordniedrige Zinsen von 1,28 Prozent, um sich nicht für vier, sondern für ganze zehn Jahre Geld am Anleihemarkt zu borgen. Anreize wie Inflationsschutz oder Haltebonus - Fehlanzeige. Während Italien in der Euro-Schuldenkrise zeitweise als größtes Risiko gehandelt wurde und dringend auf Geldquellen angewiesen war, gilt Deutschland als Hort der Stabilität. Kurzum: Der Bund hat das Geld der Sparer - anders als die Regierung in Rom - nicht nötig, zumal der administrative Aufwand bei kleinen Anlagesummen wesentlich höher ist.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Ich will ja nix hier schwanz malen, aber wenn die allsweits so hoch geschätzten und fleißigen Makkaronies sich nun wieder voll mit SCHULDEN vollsaugen, dann verheißt das nix Gutes.

    Was ist wenn in max. 3- 6 Monaten Frankreich ins Straucheln gerät?

    Bei der akt. französischen Regierung muss es ja gegen die Wand krachen. Alles andere ist nur ne Frage der Zeit. Wer will, der kann sich ja mal das neue Insolvenzrecht der Franzosen ansehen. Wer dann noch immer denkt, dass so etwas gut gehen kann, den segne Gott.



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