Gemeinsame Emission
Bundesländer planen neue Milliardenanleihe

Sieben Bundesländer wollen im Oktober gemeinsam den Kapitalmarkt anzapfen. Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Saarland, Schleswig-Holstein und Thüringen planen nach Informationen des Handelsblatts einen so genannten Länder-Jumbo über bis zu 1,5 Mrd. Euro. Die gemeinsame Emission bietet enorme Kostenvorteile.

FRANKFURT. Er wird in der kommenden Woche ausgeschrieben, die Banken können sich dann in Gruppen um das Mandat als Konsortialführer bewerben. Die Länder streben eine Laufzeit von sieben bis zehn Jahren an, werden sich aber nach den Wünschen der professionellen Investoren richten.

Die Gemeinschaftsemissionen über eine bis zwei Mrd. Euro haben Tradition. Vor gut zehn Jahren gab es den ersten Länder-Jumbo. Im Boot waren Berlin, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein. Das jetzt anstehende Papier ist der 25. Länder-Jumbo. Insgesamt haben die Länder – in wechselnder Zusammensetzung – bislang Großanleihen über 30,4 Mrd. Euro platziert (siehe „Länder-Jumbos seit 1996“).

„Angetreten sind die Länder vor zehn Jahren, um am Kapitalmarkt in eine neue Dimension vorzustoßen“, sagt Christoph Jungk, Kreditreferent im Finanzministerium von Schleswig-Holstein. Die Crux war, dass die einzelnen Länder nur einen geringen Refinanzierungsbedarf hatten und den Investoren deshalb keine liquiden Bonds bieten konnten. Bei Anlegern hielt sich daher das Interesse für diese Papiere in Grenzen.

Den ersten Länder-Jumbo konnten die konsortialführenden Banken nur zum Teil platzieren, weil zu viele Banken mitmischten und die Emission als zu teuer galt. Diese Kinderkrankheiten sind aber überwunden. Die Gemeinschaftsanleihen gelten schon lange als fair gepreist, und die Nachfrage ist seit Jahren sehr groß – auch aus dem Ausland. Die letzte Emission im Juni ging zu zwei Dritteln an Investoren außerhalb Deutschlands. Die Suche der Anleger nach Bonds mit Renditeplus hilft auch den Länder-Jumbos. Heute bieten sie Renditeaufschläge zwischen 0,10 und 0,15 Prozentpunkten im Vergleich zu Bundesanleihen. „So günstig könnten sich einige Länder alleine nicht refinanzieren“, meint Dominique Linder, Fondsmanager beim zur Allianz gehörenden Dit. Für Investoren seien die Aufschläge dennoch attraktiv.

Als Argument bei den Käufern kommt auch gut an, dass die Gemeinschaftsemissionen seit gut drei Jahren von der Ratingagentur Fitch bewertet werden. Fitch stuft auf Grund des Länderfinanzausgleichs prinzipiell alle Bundesländer mit der Höchstnote „AAA“ ein, diese Note gibt es auch für die Länder-Jumbos. „Der Ansatz von Fitch ist plausibel, dennoch wäre es wünschenswert, wenn es für die Länder-Jumbos auch noch Ratings von Standard & Poor’s oder Moody’s gäbe“, sagt Fondsmanager Linder. Dies sei schon allein deshalb von Interesse, weil viele Investoren nur Bonds kaufen dürfen, die von mindestens zwei Ratingagenturen bewertet werden. Die Länder sehen das anders. „Eine zusätzliche Bonitätsnote würde uns zur Zeit keinen Refinanzierungsvorteil bringen“, meint Frank Nagel vom Finanzministerium Rheinland-Pfalz.

Die gemeinsamen Emissionen nutzen seit Anfang 2003 als konstante Gruppe die sieben Länder, die jetzt den Jumbo Nr. 25 planen. „Wir sind von der Größenordnung und der Finanzkraft her homogen und arbeiten gut zusammen“, betont Klaus-Peter Fox aus dem saarländischen Finanzministerium. Trotzdem sei die Gruppe prinzipiell auch für andere Länder offen; Anfragen gebe es derzeit aber nicht. Die meisten anderen Länder mit größerem Refinanzierungsbedarf begeben schon länger allein Anleihen im so genannten Benchmark-Volumen ab einer Mrd. Euro.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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