Geplatzte Anleiheauktion Russland fällt bei Investoren durch

Am Kapitalmarkt bekommt Russland derzeit kein Geld. Das Land muss eine Anleiheauktion nach der anderen absagen. Investoren ziehen sich zurück. Heißt das, dass den Russen bald das Geld ausgeht? Nicht unbedingt.
Update: 24.04.2014 - 20:36 Uhr 9 Kommentare
Der russische Präsident Wladimir Putin: Die Muskelspiele treiben die Finanzierungskosten hoch. Quelle: ap

Der russische Präsident Wladimir Putin: Die Muskelspiele treiben die Finanzierungskosten hoch.

(Foto: ap)

DüsseldorfDer nächste Versuch, der nächste Fehlschlag: Russland schafft es schon wieder nicht, eine Anleihe am Kapitalmarkt unterzubringen. Das Finanzministerium sagte am Mittwoch die geplante Auktion ab – nachdem keine Gebote zu akzeptablen Preisen eingegangen waren, wie es in einer Erklärung auf der Webseite hieß. Damit ist schon der siebte von acht Terminen in den vergangenen Wochen geplatzt.

Die geplanten Anleihen sollten über fünf und neun Jahre laufen. Sie sollten dem Staat rund 20 Milliarden Rubel (406 Millionen Euro) einbringen. Doch offenbar findet Russland selbst für diese vergleichsweise kleine Emission keine Käufer.

„Sie entschieden sich dazu, den Markt zu testen. Und der Markt hat nicht reagiert“, sagte Wladimir Miklaschewski, Stratege bei der Danske Bank. Das sei angesichts der geopolitischen Unruhen eine „eher zu erwartende Entwicklung gewesen“.

Russlands Präsident Wladimir Putin hat am Donnerstag einräumen müssen, dass der Konflikt zwischen Russland und dem Westen wirtschaftlichen Schaden anrichtet. Er sprach bei einem Treffen mit Medienvertretern über eine mögliche Herabstufung der Kreditwürdigkeit und die Gefahr, dass Kredite teurer werden könnten. „Aber das ist nicht von entscheidender Bedeutung“, fügte Putin hinzu.

Putin spielt, Putin trifft, alle jubeln
Tradition verpflichtet
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Bei der alljährlichen Gala der „Night Ice Hockey League“ wagte sich der russische Präsident auch 2017 wieder auf das Eis in Sotschi. Dabei machte er eine durchaus athletische Figur.

Erfolgreiches Team
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Zusammen mit anderen russischen Politikern und Sportlern spielte Putin in einem Team – und das recht erfolgreich.

Höchste Konzentration
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Sieben Mal beförderte der Präsident den Puck in das Tor der Gegner. In diesem Moment steht er noch senkrecht auf dem Eis...

Auf dem Boden der Tatsachen
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... doch Sekunden später liegt der Präsident am Boden. Ernsthaft verletzt hat sich Putin dabei aber nicht.

Auf Erfolgskurs
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Schon kurze Zeit später trifft Putin erneut ins Tor der Gegner. Traditionell läuft der Präsident bei den Eishockey-Spielen mit Trikotnummer 11 auf.

Lieblingssport
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Bereits 2014 stand der mittlerweile 64-jährige Staatschef für die „Night Ice Hockey Liga“ auf dem Platz. Eishockey zählt zu den Lieblingssportarten des Präsidenten.

Das Allstar-Team
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Auch dem Show-Spiel, das parallel zur Eishockey-Weltmeisterschaft stattfand, landete Putin einige Treffer für sein Team.

Dass sich Investoren abwenden, bekommt Russland direkt zu spüren: Erstens gerät die Emission neuer Anleihen ins Stocken. Zweites fallen die Kurse ausstehender Anleihen, was wiederum die Renditen steigen lässt. Die Rendite für Rubel-Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit liegt bei 9,17 Prozent - sie ist seit Jahresanfang um 138 Basispunkte gestiegen. Drittens trennen sich die Anleger auch von Aktien und anderen Anlagen. Der Aktienindex Micex ist seit Januar um zwölf Prozent gefallen.

Unter dem Strich haben Investoren nach Schätzungen 50 bis 85 Milliarden Dollar aus Russland abgezogen. Zum Vergleich: Im Gesamtjahr 2013 lagen die Nettoabflüsse bei 63 Milliarden Dollar. Die Kapitalabflüsse belasten den russischen Rubel, der gegen den Dollar fast zehn Prozent an Wert verloren hat.

Alternative Geldquellen
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9 Kommentare zu "Geplatzte Anleiheauktion: Russland fällt bei Investoren durch"

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  • @ deltaone:
    Der Witz ist richtig gut. HAHAHA

  •  
    Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

  • Ein Hund läuft aus der Ukraine nach Russland. Man fragt ihn:
    - Warum läufst du weg?
    - Es gibt nichts zum Fressen hier. Also laufe ich lieber nach Russland.
    Ein paar Tage später läuft der Hund in die Ukraine zurück:
    - Was ist jetzt passiert?
    - Dort gibt's auch nichts zum Fressen. In der Ukraine darf man wenigstens bellen.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Krieg und das Annektieren verhindern nur die die Putin kein Geld geben. Russland wird wieder wie einst der Ostblock wirtschaftlich unter gehen und danach alkoholisiert in der politischen Bedeutungslosigkeit verharren als jener der nur noch die Rohstoffe verkaufen kann und weiter nichts.

  • Das ist die finanzielle Begleitmusik des großen Spiels der US-Eliten gegen Rußland (und Europa!!!) - derzeit gespielt in der Ukraine. Oder vielleicht sollte man besser sagen, die Ukraine ist ein Baustein im Finanzkrieg der US-Finanzelite gegen den Rest der Welt. Es geht um ihr Überleben!

    Rußland und China sind nämlich gerade dabei den Dollar als Welttransferwährung anzugreifen, indem sie künftige wechselseitigen Handel miteinander und mit Drittstaaten in Nichtdollar-Währung abwickeln. Das ist, wie verschiedene Regierungen angefangen mit Saddam Hussein mittlerweile erfahren haben, absolut tödlich.

    Rußland und China sind aber andere Kaliber und sie haben in vielen Entwicklungsländern (und nicht nur dort) mittlerweile Bündnispartner gefunden. Die Frage (besonders für uns Europäer) ist daher, ob die Herren des Dollars (und damit meine ich nicht unbedingt die US-Regierung) bis zum Letzten gehen werden oder nicht. Der dritte Weltkrieg läuft jedenfalls bereits, wenn auch weitgehend unbemerkt und nicht auf klassische Weise mittels großer Panzer- oder Seeschlachten.

  • Wer sein Geld zur Zeit in Russland investiert, der wettet letztlich darauf, dass das Land den Krieg gewinnt, den es gegen die Ukraine und dessen Verbündete anzettelt.

    Selbst den härtesten Hedgefondspekulanten ist diese Wette zu heiss. Wen wundert´s?

    Putin ist ein totaler Verlierer. Er setzt alles auf´s Spiel, was er wirtschaftlich für sein Land erreicht hat, um in alter Feldherrenmanier Eroberungszüge quer durch Europa zu betreiben.

    Ein totaler Spinner eben, der sich dieser Tage seinen Nachruf auf ewig vermasselt. Die Leute werden einmal sagen: "Wie gut hätte es Russland nicht gehen können, wenn Putin damals nicht die Panzerwaffe ausgepackt hätte. Wir hatten Bodenschätze und alle Reichtümer der Welt!"


  • Der Rubel ist eine waidwunde Weichwährung: Schwaches Wachstum, permanente Kapitalflucht, enorme Rechtsrisiken, akutes politisches Risiko, keine diversifizierte Wirtschaftsstruktur, verletzliche Rohstoffökonomie. Kein Wunder, dass den Schrott keiner kaufen will. USRUB nahe ATH, die sicherste Wette am Markt in meinen Augen.

  • Ach kein Problem. Putin und die Moskauer Milliardärsclique wird schon mit Ihrem Privatvermögen einspringen.
    Soviel Vertrauen in den russischem Staat hat man da bestimmt.

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