Geschworene ziehen sich zur Beratung zurück – 4 200 Verfahren stehen an
Merck droht im ersten Vioxx-Prozess eine hohe Millionenstrafe

Im ersten Prozess um das Arthritis-Medikament Vioxx hat eine Klägerin im texanischen Angleton einen Schadenersatz von 20 Millionen Dollar gefordert. Außerdem forderte sie das Gericht auf, einen Strafzuschlag in dreistelliger Millionenhöhe gegen den Pharma-Konzern Merck zu verhängen.

ank ANGLETON.Dem US-Unternehmen wird vorgeworfen, die Risiken des Arthritis-Mittels jahrelang verheimlicht zu haben. Am Donnerstag haben die Geschworenen mit ihren Beratungen über eine Verurteilung von Merck begonnen. In dem seit fast sechs Wochen laufenden Verfahren wird dem US-Konzern vorgehalten, für den Tod eines 59-jährigen Mannes verantwortlich zu sein.

Der Prozess in Texas ist das erste von rund 4 200 Verfahren um das ehemalige Wundermittel. Sein Ausgang wird mit Spannung erwartet, weil er richtungweisend für weitere Urteile sein könnte. Analysten schätzen, dass Merck bis zu 30 Mrd. Dollar zahlen muss, wenn das Unternehmen in diesem und in den anderen Gerichtsverfahren für schuldig erklärt wird. Merck könnte danach zum Übernahmekandidaten werden. Schon jetzt hat der Aktienkurs in einem Jahr rund ein Drittel verloren. „Die Chancen stehen schlecht für Merck, und die Aktie könnte bei einer größeren Schadensersatzzahlung zwischen fünf und zehn Prozent verlieren“, warnte Prudential-Analyst Timothy Anderson.

Carol Ernst, die Klägerin im Prozess von Angleton, wirft dem Konzern die Verschleierung schwerer Nebenwirkungen vor, die im Jahr 2001 zum Tod ihres Mannes geführt hätten. Geblendet vom jährlichen Vioxx-Gewinn von 2,5 Mrd. Dollar hätten die Verantwortlichen nur unzureichend vor potenziellen Herzproblemen gewarnt. Erst im September vergangenen Jahres nahm Merck sein umsatzträchtiges Medikament („Blockbuster“) vom Markt, nachdem eine Studie ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall nachgewiesen hatte.

Ein Kernpunkt des laufenden Prozesses in Texas steht die genaue Todesursache von Ernst. Laut Obduktion starb er an einer Herzrhythmusstörung, die allerdings nicht auf der Liste der möglichen Nebenwirkungen steht. Die Verteidigung argumentiert daher: Nicht Vioxx, sondern Ernsts verstopfte Arterien hätten seinen Tod verursacht. Außerdem habe er die Tabletten zu kurz eingenommen, um überhaupt Nebenwirkungen spüren zu können. Die Anklage hält dagegen, dass ein von Vioxx verursachter Herzinfarkt die Rhythmusstörung auslöste. Beide Ansichten wurden im Prozess durch Zeugenaussagen unterstützt.

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