Griechen droht Ramsch-Status
Ratingagenturen zweifeln an Europas Bonität

Die europäischen Krisenstaaten Portugal, Irland, Griechenlands und Spanien kommen nicht zur Ruhe. Die Investoren zweifeln immer stärker an der Bonität der Länder. Auch die Ratingagenturen werden immer kritischer: Kurz vor Jahresende mehren sich die Herabstufungen und negativen Ausblicke. Jetzt steht Portugal bei Moody's auf dem Prüfstand. Und Griechenland könnte es richtig hart treffen.
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FRANKFURT. Gestern erwischte es Portugal und Griechenland. Die Ratingagentur Moody's stellte das erst im Juli gesenkte "A1"-Rating der Portugiesen auf den Prüfstand und hält dabei eine Herabstufung um eine bis zwei Noten für möglich. Noch härter könnte es Griechenland treffen. Die Ratingagentur Fitch droht dem Land mit einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit auf Ramschstatus.

Zwei Dutzend Aktionen

Als Ramsch werden in der Diktion von Fitch alle Anleihen bezeichnet, die ein Rating unter "BBB-" haben. Dies ist im Notensystem von Fitch und Standard & Poor's die zehntbeste Note. Fitch nannte am Dienstag Sorgen um die finanzielle Zukunftsfähigkeit des hoch verschuldeten Griechenlands als Grund für die Warnung. Die Einschätzung hänge von einem für Januar geplanten Bericht ab, der sich vor allem mit den wirtschaftlichen Chancen befassen soll. Zudem werde sich Fitch genau ansehen, ob die Regierung das unter Druck der Geldgeber verhängte Sparprogramm auch durchsetzen kann.

Das Rating "A1" für Portugal entspricht dem fünftbesten Rating bei Moody's. Standard and Poor's (S&P) stuft die Kreditwürdigkeit Portugals schon jetzt zwei Stufen schlechter ein. Seit Jahresanfang gab es insgesamt zwei Dutzend Aktionen, bei denen Moody's, S&P und Fitch Ratings die Bonität der spöttisch PIGS genannten Staaten Portugal, Irland, Griechenland und Spanien auf Prüflisten setzten oder herabstuften.

Im Dezember sind die Ratingagenturen nochmals verstärkt aktiv geworden. Überraschend kommt das für Investoren nicht: "Die Agenturen setzen jetzt quasi zum Großreinemachen vor dem Jahresende an", meint Günther Welter, Fondsmanager für europäische Staatsanleihen bei Union Investment.

"Die Herabstufungswelle rollt und wird auch im nächsten Jahr kaum abebben", sagt auch Sebastian von Koss, Anleiheexperte bei HSBC Trinkaus: "Auf die Märkte dürfte das aber keinen gravierenden Einfluss mehr haben." Welter sieht das ähnlich: "Die Märkte reagieren ohnehin meist schneller als die Ratingagenturen, das heißt, die Renditen und Risikoprämien steigen in der Regel schon deutlich, bevor die Ratingagenturen die Bonitätsnoten senken."

Auch gestern zogen die sich gegenläufig zum Kurs entwickelnden Renditen zehnjähriger portugiesischer Anleihen nicht übermäßig auf 6,5 Prozent an. Seit Ende Oktober sind sie aber um einen ganzen Prozentpunkt gestiegen.

Teufelskreislauf hoher Zinskosten

Genau dies ist ein Teufelskreislauf. So sind die gestiegenen Refinanzierungskosten für Moody's ein Grund dafür, Portugals Rating zu prüfen. Das Land konnte sich zwar zuletzt noch an den Märkten refinanzieren, aber nur zu erhöhten Kosten, betont Moody's-Analyst Anthony Thomas. Und genau diese höheren Zinskosten würden den Haushalt langfristig belasten. HSBC Trinkaus hat ausgerechnet, dass die Portugiesen für die Aufstockung der zehnjährigen Anleihe Anfang November mit 6,806 Prozent die höchste Emissionsrendite aller Zeiten eines Euro-Landes bieten mussten. Neben den Zinskosten macht Moody's vor allem die wegen mangelnder heimischer Nachfrage schwache portugiesische Wirtschaft Sorgen.

Investoren und Bankenanalysten gehen schon lange davon aus, dass Portugal im nächsten Jahr nach Griechenland und Irland der dritte Euro-Staat sein wird, der um internationale Kredithilfen bitten wird. Kurzfristig würde ein solcher Schritt laut Moody's die Unsicherheiten zwar reduzieren. Mittelfristig würden in diesem Fall aber die Zweifel zunehmen, wann sich Portugal wieder selbstständig refinanzieren könne.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin

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  • Die "Ratingagenturen" berücksichtigen nicht nur die Haushaltsprobleme sondern auch die politische Situation. Die Euro-Länder sind im Moment schlecht bewertet weil es an politische Einheit fehlt, das heißt dass man davon ausgeht dass eine längst fällige Lösung, wegen des National-Egoismus, nur schwer durch zusetzen sein wird.
    Dass dieser National-Egoismus, besonders in Deutschland absichtlich, durch die deutsche Medien, angeheizt wurde um die andere Euro-Länder erpressen zu können, kann nicht ausgeschlossen werden. Daher empfehle ich die Lektüre des „Zauberlehrling“

  • @[8] ich zweifle an USA bonität,
    es fehlt ein "b" für belgien in "PiiGS-Problemen", schlecht wäre b-PiGS, weil man das auch dann als berliner-Schweine interpretieren könnte.

  • Wenn eine investmentbank den Markt bei Aktien und Optionen mit läppischen 500 Millionen überall hin drücken kann, so dass man dran verdienen kann. Was kann die Nächste dann bezüglich Staatsanleihen und Devisen mit wieviel wohin drücken, so dass sie immer dran verdient?

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