Griechenland
Angst vor „Grexit“ trifft auch gesunde Firmen

Immer mehr Anleger setzen auf einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone. Dies hat inzwischen auch gravierende Folgen für die wenigen gesunden Unternehmen des Landes wie die Telekom-Tochter OTE.
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LondonIn Griechenland zieht die Schuldenkrise auch gesunde Unternehmen in ihren Strudel. Eines davon ist OTE. Einige Anleger haben sich die Tochter der Deutschen Telekom ausgeguckt, um über sie auf einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone - den „Grexit“ - zu wetten. Sie spekulieren dazu mit Kreditausfall-Versicherungen, den sogenannten Credit Default Swaps (CDS) des Telekom-Anbieters.

„An den Kreditmärkten wird die Pleite des Unternehmens als Folge eines Griechenlands-Austritts diskutiert, weil die Investoren ein großes systemisches Risiko einpreisen - mit Fundamentaldaten hat das aber wenig zu tun“ sagte Andrew Sheets, Chef der europäischen Kreditstrategie bei Morgan Stanley. Laut Analysten gilt OTE, die zu 40 Prozent der Deutschen Telekom gehören, eigentlich als gesundes Unternehmen. Der Konzern macht ein Drittel seiner Umsätze im Ausland und sollte über genug Liquidität verfügen, um in den nächsten Jahren über die Runden kommen.

„Unsere Volkswirte sehen die Wahrscheinlichkeit eines griechischen Euro-Austritts bei 35 Prozent“, fügt Sheet hinzu. „Dies ist weniger, als durch den CDS-Kurs von OTE impliziert wird.“

Im Mai kostete die Absicherung eines 10 Millionen Euro schweren Kredits an OTE über fünf Jahre zeitweise die Rekordsumme von 3,846 Millionen Euro. Dies ist ungefähr drei Mal so viel wie noch im März. Noch deutlicher werden die Spekulationen bei CDS mit einer Laufzeit von nur einem Jahr. Wegen der Furcht vor einem unmittelbar bevorstehenden „Grexit“ verlangen die Anbieter zur Absicherung von 10 Millionen Euro eine Anzahlung von 3,6 Millionen Euro. Derartige Auftakt-Zahlungen werden üblicherweise nur bei CDS für Verbindlichkeiten von Staaten oder Unternehmen verlangt, die als am Rande der Zahlungsunfähigkeit stehend betrachtet werden.

OTE seien die einzigen liquiden griechischen Credit Default Swaps, erklärt Michael Hampden-Turner, Kreditstratege bei der Citigroup, den regen Handel mit den Ausfall-Versicherungen des Konzerns. CDS auf griechische Staatsanleihen kommen für derartige Wetten nicht mehr infrage. Da die privaten Gläubiger dem klammen Staat im März mehr als die Hälfte seiner Schulden erlassen hatten, wurden die Ausfallversicherungen für die Bonds des Landes fällig. Der Schuldenschnitt war zentrale Voraussetzung für die weiteren Hilfsgelder der Euro-Partner.

Nach der gescheiterten Regierungsbildung Mitte Mai steht Griechenland nun allerdings erneut im Rampenlicht. Immer mehr Investoren fürchten, dass bei den am 17. Juni anstehenden Neuwahlen die Gegner des Sparkurses die Oberhand gewinnen. Damit steigt das Risiko, dass EU und Internationaler Währungsfonds (IWF) den Geldhahn zudrehen, der Mittelmeer-Anrainer zahlungsunfähig wird und anschließend die Euro-Zone verlässt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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