Griechenland
Angst vor Staatspleite belastet die Märkte

Die Herabstufung der Länder-Bonität Griechenlands hat am Dienstag Schockwellen durch die Börsen gesendet. Berlin und Brüssel fordern von Athen, mehr Haushaltsdisziplin an den Tag zu legen. Die Unsicherheit macht jedoch auch vor den „Großen“ nicht Halt: Analysten kratzen jetzt sogar am Ruf der USA und Großbritanniens als erstklassige Schuldner.
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cü/dih/dri/ghö/rut DÜSSELDORF. Die Explosion der Haushaltsdefizite in den Industriestaaten macht die Finanzmärkte immer nervöser. Gestern sorgte die Herabstufung der Bonität Griechenlands durch die Ratingagentur Fitch für Aufregung. Der Risikoaufschlag auf griechische Staatsanleihen stieg kräftig, und die Börsenkurse brachen nicht nur in Athen ein. Die Politik bemühte sich um Schadensbegrenzung: Die Regierung in Athen versprach Sparsamkeit. Dennoch flammte die Debatte über die Rettung überschuldeter Staaten der Euro-Zone neu auf.

Vor einem Jahr, als die Finanzkrise die Weltwirtschaft in den Abgrund zu reißen drohte, sprangen die Regierungen ein, um das Bankensystem zu stützen und die Wirtschaft anzukurbeln. Das ist gelungen. Nun, da die dicksten Konjunkturspritzen aller Zeiten ihre Wirkung gezeigt haben, wird deutlich, welchen Preis die Rettungsaktionen haben. Die Haushaltsdefizite werden etwa in den USA, Großbritannien und Irland 2010 die Marke von zehn Prozent der Wirtschaftsleistung weit übersteigen.

Das hat die Ratingagenturen bereits zu Wellen von Herabstufungen vieler Länder-Bonitäten veranlasst. „2010 ist das Jahr, in dem die Regierungen detaillierte Pläne vorlegen müssen, wie sie von ihren Haushaltsdefiziten wieder herunterkommen wollen“, mahnt Brian Coulton, der bei Fitch in Europa den Bereich Länderanalyse leitet. Die Ratingagentur Moody's kratzte gestern in einer Studie sogar am Ruf Großbritanniens und der USA als erstklassige Schuldner. Beide Staaten haben ebenso wie Deutschland die Top-Bonitätsnote „AAA“, doch Moody's unterteilte die „AAA“-Staaten in drei Unterkategorien und steckte Briten und Amerikaner anders als die Deutschen nur in die zweitbeste Kategorie.

Griechenland ist davon weit entfernt, weil das Land unter einer langen Historie unsolider Finanzpolitik leidet. Fitch benotet das Land nun mit „BBB+“ bei negativem Ausblick – das heißt, weitere Herabstufungen drohen. Das löste eine Flucht der Anleger aus griechischen Staatsanleihen aus. Der Renditeabstand zwischen der zehnjährigen griechischen Staatsanleihe und der vergleichbaren deutschen Bundesanleihe, der als Risikoaufschlag zu interpretieren ist, stieg gestern auf 2,25 Prozentpunkte und damit auf den höchsten Stand seit April. An der Athener Börse brach der Leitindex um mehr als fünf Prozent ein.

Finanzminister Giorgos Papakonstantinou versprach, alles Notwendige zu tun, um die Staatsfinanzen zu konsolidieren. Er steht nicht nur unter dem Druck der Finanzmärkte, sondern auch der Partner in der Euro-Zone. Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, hatte am Montag vor dem Europäischen Parlament gefordert, Griechenland müsse mutige Entscheidungen treffen, um das Haushaltsdefizit zu reduzieren. „Griechenland hat zwar eine extrem hohe Staatsverschuldung. Es ist aber weit entfernt vom Staatsbankrott“, hieß es in Kreisen des Bundesfinanzministeriums.

Der Vorsitzende des EU-Finanzministerrats, Anders Borg, sagte dem Handelsblatt, über mögliche Hilfen für Griechenland müsse in der Euro-Zone sorgfältig diskutiert werden. „Wir können keine neuen bösen Überraschungen aus Athen gebrauchen.“ EU-Währungskommissar Joaquín Almunia sagte: „Eine schwierige Situation in einem Mitgliedstaat der Euro-Zone ist für die gesamte Euro-Zone ein Grund zur Sorge.“

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  • Die ersichtliche Wut der Autorne der vorhergehenden Kommentare läßt nur annähernd erahnen was viele meinen und denken. Dennoch läßt sich das Rad der "EU-Mitgliedsstatten" nicht mehr zurückdrehen. Da wird auch nur annähernd ersichtlich was uns blüht mit dem beitritt anderer Statten die gerne in die EU möchten und genauso teilweise absurde "Demokratien" vorgaukeln. Jedenfalls bis zu dem Zeitpunkt bis sie in der EU aufgenommen wurden.
    Wichtig ist das institutionen wie z.b. die EZb den Rücken gestärkt bekommen um den Daumen in die Wunde zu halten. Ebenso gilt es Parteien im EU PArlament den Rücksne zu stärken - auch wenn diese zeitweise nihct als "demokratische" PArtei anerkannt werden . Es zeigt sich immer öfter das diese PArteien - bzw. deren teilweise rethorisch brillante Redner- auf jeden Fall einen Anstoß für Kritik und Vorlage für Diskussionen der etablierten PArteien geben. iNsbeosndere bei der Kritik zu dem Verhalten mancher EU Staaten gilt immer öfters das Sprichwort : eine Krähe hakt der anderen kein Auge aus.... . bei aller begründeter Kritik und Wut gegenüber dem Verhaltend der "griechischen" Regierung , bei uns in Deutschalnd läuft auch nihct alles so astrein. Auch hier (wg der Anmerkung zu Korruption) kann man "fast" alles für Geld kaufen. Das alles wird allerdings etwas anders verpackt. Alles in allem : mehr Riegel für bestimmte "Un"verhalten von Regierungen einführen . Wenn man in dem EU Parlament dafür sorgt das bestimmte Subventionszahlungen , Ausgleichzahlungen , beitragszahlungen , Erläße , Zuschüße von der absoluten Umsetzung der allgemeingültigen Spielregeln in der EU abhängig gemacht werden dann werden einige sich schon anstrengen ... denn auch dort gibt es ja über kurz oder lang Wahlen ... und der MAchtanspruch heilt eventuell einige "Überreaktionen".

  • Griechenland hat den beitritt zur €-Zone nur unter gütiger Mithilfe (auch die Hühneraugen zudrücken)der anderen Mitglieder und unter massiver Vorspiegelung falscher Tatsachen "geschafft".
    Das ist allgemein bekannt. Wieso schmeißt man den Schmarotzer nicht kurzerhand wegen Entfallens der Geschäftsgrundlage einfach raus? Das hätte man damals, als der Staatsbetrug ruchbar wurde builliger als heute haben können.
    Staaten mit einem Korruptionsniveau wie Afghanistan haben in einer sauber arbeitenden Gemeinschaft ganz einfach nichts verloren. Es gibt keinen Grund, Griechen anders zu behandeln als Nigerianer, Paraguayer, Kabodschaner oder sonstige Einwohner aus zwielichtigen Staaten.
    Das mit der Wiege der Demokratie ist für die Griechen so lange her, dass sie ihre heutige Kleptokratie mit ein paar Ouzo für eine halten. Nur hilft das niemandem weiter.
    Seit Lissabon kann man aus der EU austreten. Genauso kann man aucxh ausgetreten werden, sonst treten eben alle anderen aus....

  • Wie lange soll dieses System noch funktionieren und was kommt dann? Monarchie, Diktatur, ....???
    Noch nie ging es dieser Welt bis jetzt besser, aber jetzt gehts gewltig bergab. Wenn es nichts mehr gibt, müssen wir halt zu denen gehen die mehr haben! ist doch so.

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