Griechenland-Anleihen
Eine der heißesten Wetten des Jahres

Mit griechischen Anleihen kann man viel Geld machen, aber auch alles verlieren. Da ein Euro-Austritt Athens zuletzt unwahrscheinlicher geworden ist, steigen die Bonds kräftig. Investoren wittern das große Geschäft.
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Athen, FrankfurtGriechische Anleihen sind hochspekulativ, waren zuletzt aber auch hochlukrativ. Wer zum Beispiel Ende Mai hundert Anleihen mit der Fälligkeit 2023 (WKN: A1G1UA) für 14 Euro gekauft hat, konnte sie gestern für knapp 24 Euro wieder verkaufen und hat damit stolze 70 Prozent Gewinn gemacht. Ähnliches gilt für andere Papiere.

Doch nur wenige wagen derart riskante Wetten. An der Börse Stuttgart, wo viele Privatanleger aktiv sind, betrug der Umsatz der 2023-Anleihe im gesamten August nominal nur gut 156 000 Euro. Das verwundert nicht, haben sich doch besonders Kleinanleger mit Griechen-Bonds zu Beginn des Jahres mächtig die Finger verbrannt. Damals hatten sie gehofft, vom Schuldenschnitt ausgenommen zu werden. In den Hochzeiten der Spekulation wechselten von einer Anleihe an einem Tag Anteile im Nominalvolumen von zwei Millionen Euro den Besitzer, was dem Geldwert entspricht, den Griechenland eigentlich dem Käufer zurückzahlen musste.

Doch dann folgte die Ernüchterung. Auch Kleinanleger wurden im März zu einem Schuldenverzicht gezwungen. Ein Teil der Forderungen ging verloren. Gleichzeitig bekamen sie neue griechische Anleihen ins Depot gebucht. Diese rutschten sofort bei ihrer Ausgabe auf ein Viertel ihres Wertes ab. Zu groß war die Angst vor einem erneuten Schuldenschnitt.

Zwischen Anfang Mai und Mitte Juni erreichten die innenpolitische Ungewissheit über den weiteren Weg in Athen sowie die Furcht vor einer Staatspleite Griechenlands und einer Rückkehr des Landes zur Drachme ihren Höhepunkt. Die Kurse stürzten ab.

Seither aber steigen sie wieder. "Ein Euro-Austritt Griechenlands ist für den Augenblick wieder unwahrscheinlicher geworden", sagt Hendrik Lodde, Rentenanalyst bei der DZ Bank. Anfang August hatte die EZB der griechischen Nationalbank erlaubt, geringere Sicherheiten der heimischen Banken zu akzeptieren, um diese weiter mit Geld zu versorgen. Das reduzierte die Unsicherheit. "Die steigenden Kurse sind ein Zeichen des gesunkenen Verkaufsdrucks", so Lodde.

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Getrieben von Spekulationen

Kommentare zu " Griechenland-Anleihen: Eine der heißesten Wetten des Jahres"

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  • Für die betrogenen Anleger ist das unerträglich. Jetzt wird "hochlukrativ" weiter spekuliert. Warum wurde und wird das zugelassen? Die Griechen erheben kaum Steuern, hinterziehen Milliarden und der deutsche Steuerzahler und die Sparsamen müssen den dortigen Staatsäckel füllen. Was für ein Europa! Wer seine Schulden nicht zahlt wird kreditunwürdig, das trifft Gesamteuropa. Euro-Staaten müssen ihre Schulden notfalls mit Hilfe der Euroländer gegen Sicherheitsleistungen bedienen.

    Der Großteil der Anleger sind keine Spekulanten. Die Spekulation hat erst die dilettantische "Rettungs"-Politik angefacht. Es ist ein Skandal, dass Kleinanleger, die für ihre eigene Vorsorge direkt oder indirekt Staatsanleihen gekauft haben, zwangsenteignet wurden. Die Anleihen wurden nach dem Eurobeitritt mit A bewertet, als mündelsicher behandelt, bei normalen Zinsen. Banken haben selbst gekauft und mussten keinen Cent Eigenkapital hinterlegen.

    Heute ist bekannt, dass die getürkte Euroeinführung das uferlose Schuldenmachen erst ermöglicht hat. Der deutsche Staat kassierte Steuern für die Zinsen und will aber von der Enteignung nichts wissen. Die Verluste sollen zum nichtsteuerbaren Bereich gehören. Die Bonität war wohl nie gegeben (Tarnen und Täuschen). Laut €-Politiker und Kanzlerin war der Schuldenschnitt für institutionelle Anleger eine freiwillige Angelegenheit. Zwangsenteignet hat man aber Kleinanleger, mit denen man nicht verhandelt hat. Die Bedingungen hat man kurz vorher rechtswidrig geändert. Die Griechen haben vollzogen was verlangt wurde, damit die Milliarden weiter fliessen. Es stellt sich die Frage nach der Rechtsstaatlichkeit im Euroland. Klagen werden kommen, nicht zuletzt gegen den deutschen Staat!

    Die Enteignung der privaten Gläubiger muss zurückgenommen und der Schaden beglichen werden. Verantwortlich und haftbar ist gerade auch Deutschland.

  • Das was man uns durch die Blume zu versagen sucht ist:
    -Stirbt der Euro, sterbt Ihr auch-, das ist für alle Europäer eine Drohkulisse. Leute wie Merkel und Schäuble, haben das gefälligst unters Volk zu bringen. Aber, stirbt der Euro dreht sich die Erde weiter, die Sonne geht weiter jeden Tag auf, die Menschen werden nicht sterben. Es gibt immer einen anderen Weg, nie ist etwas -alternativlos-, es wird wirklich Zeit für alle Europäer sich eine andere Regierung zu suchen. Aber dazu müsste ja man den Rasen betreten...

  • 1. im Moment leben wir wie die Marder im Speck und auf Kosten der schwächeren EU-Länder die sich gegen unsere Exportlawine wegen der EU-Verträge (Freihandelszone) nicht wehren können und nicht wehren dürfen. Somit können wir unsere Arbeitslosigkeit über unseren Leistungsbilanzüberschuss exportieren (15 Milliarden im Schnitt PRO MONAT und das seit 17 Jahren)
    2. Die paar Milliarden die wir netto an Brüssel zahlen müssen sind Peanuts im Verhältnis zum Leistungsbilanzüberschuss den wir durch unseren Mitgliedsbeitrag an Brüssel (EU) realisieren dürfen und können.
    3. Den meisten Deutsche geht es bestens, egal wie es den anderen EU-Ländern geht, auch wenn in Spanien und Portugal die Jugendarbeitslosigkeit bei mehr als 50% liegt, wen juckt denn das? Den Herr Weidmann bestimmt nicht und mich schon gar nicht!
    4. 1. Wenn es Deutschland nicht mehr gefällt, kann und darf es jederzeit aus der EU/Währungsunion austreten.

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