Griechenland
Wie schlimm ist es wirklich?

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Banken spielen den „Grexit“ durch

In den Research-Abteilungen der großen Finanzkonzerne wird jedenfalls längst der „Grexit“ durchgespielt, schlimmer noch. Es bestehe nur eine „geringe“ Wahrscheinlichkeit, dass die Eurozone zusammenhalte, sagt Gary Cohn, einer der Vorstände bei Goldman Sachs. Es sei wahrscheinlicher, dass einige Länder aus der Währungsunion austreten, um Wachstumsziele zu verfolgen.

„Im Föderalismus wird ein vereinigtes Europa geschaffen, in dem Länder, denen es wegen der Währung gut geht, diejenigen unterstützen, deren Wirtschaft wegen der Währung schrumpft“, sagte Cohn im Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg in Tokio. „Meiner Meinung nach besteht eine recht geringe Wahrscheinlichkeit, dass es dazu kommen wird.“

Skeptisch ist auch Megan Greene, Direktorin für europäische Volkswirtschaften bei Roubini Global Economics. Auf einer Konferenz in London sagte sie, dass Griechenland schon im ersten Halbjahr 2013 aus der Eurozone austreten könnte.

Die derzeitigen Sparmaßnahmen würden eine „Dekade der Depression“ hervorrufen - daher sollte sich das Land zu einem Zahlungsausfall entscheiden und die Drachme wieder einführen, meint Greene. Ein Austritt der Griechen aus dem Euro passiert „sehr wahrscheinlich“ vor Ende 2013.

Der Markt hat ein feines Gespür für die Realität, heißt es. Und er habe immer Recht – fast immer. Viele Unternehmen sehen jedenfalls im griechischen Markt unter den aktuellen Umständen keine Zukunft mehr - und wandern in Nachbarländer ab. Der Abfüller Coca-Cola Hellenic etwa zieht in die Schweiz, zudem will er von der Athener Börse an den Aktienmarkt in London wechseln. Der große Milchprodukte-Konzern Fage wiederum geht nach Luxemburg. Auch das sind Signale, die Anleger wahrnehmen sollten.


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Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen

Kommentare zu " Griechenland: Wie schlimm ist es wirklich?"

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  • @conforma
    Ergänzung: Pardon - ich hatte vergessen zu erwähnen, dass die Arbeiter auf der griechischen Seite selbstverständlich verbeamtet sind (DEKO).

  • @conforma
    Das mit dem Hafen ist Unsinn. Fakt ist dies hier:
    Der Hafen ist zweigeteilt. Es gibt eine chinesische Seite und eine griechische.
    Während auf der chinesischen Seite rund um die Uhr gearbeitet wird, strecken die griechischen Arbeiter die Füße untern Tisch aus und spielen Tavli. Sie haben nichts zu tun.
    Und warum?
    Weil die Chinesen für 1 Kran 4 Arbeiter brauchen und die Griechen 9.
    Und weil ein griechischer (oder chinesischer) Arbeiter auf der chinesischen Seite 23.000,-€ im Jahr verdient, der Arbeiter auf der griechischen Seite aber 185.000,-€ jährlich.
    Das ist kein Tippfehler.
    Na – wen würden SIE denn nehmen, wenn SIE etwas zu verschiffen hätten???
    „Hungerlöhne…“ dass ich nicht lache.
    Das Verrückte ist, dass die griechischen Arbeiter mit ihren Gewerkschaften sich auch noch im Recht fühlen. Sie behaupten doch tatsächlich, ihre Väter und sie selbst hätten für all das „gekämpft“ und deshalb sei es ihr gutes Recht, diese „Errungenschaften“ zu verteidigen.
    Angesichts der o.a. Zahlen UND der Tatsache, dass sie ein Sponsoring erwarten durch andere europäische Bürger, die im Übrigen sehr viel weniger verdienen als sie, ist es schon mehr als bloße Dummheit und Vermessenheit, sich so zu verhalten.
    Aber was haben sie schon zu verlieren. Ihr Gehalt von früher kommt sowieso nie wieder. Und auf der hohen Kante hat man ja noch genug. Da spielt man doch lieber weiter das Spiel „hilfst Du mir nicht, wähl ich Dich nicht“. Bei mehr als 1 Mio. Beamte ist das ein sehr Erfolg versprechendes Spiel.

  • @Hallowach
    Ok, Sie haben Recht.
    Aber man kann doch nicht aufhören, sich zu wehren, bevor man angefangen hat.

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