Griechenland-Exit
Experten befürchten Kettenreaktion

Die möglichen negativen Folgen eines Griechenland-Austritts aus der Euro-Zone verunsichern sowohl Experten als auch die Sparer. Die Kreditausfallabsicherungen für europäische Bankenpapiere stiegen zuletzt rasant an.
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Die Rekord-Rally bei den Anleihen europäischer Banken nach der Zufuhr von rund einer Billion Euro durch die längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte (LTRO) der Europäischen Zentralbank hat sich inzwischen wieder in Luft aufgelöst.

Sowohl die Zuspitzung der Lage in Griechenland nach den jüngsten Parlamentswahlen, als auch der Abzug von Einlagen bei Banken und die Bonitätsherabstufungen durch Ratingagenturen malen derzeit ein eher dunkles Bild. Experten machen sich jedoch weniger Sorgen um den möglichen Euro-Austritt von Griechenland an sich, sondern eher darum, welche Reaktionen ein solcher Schritt nach sich ziehen würde.

Der Markit iTraxx Financial Index, der Kreditausfallabsicherungen (Credit-Default-Swaps) für vorrangige Anleihen von 25 europäischen Banken und Versicherungen abbildet, darunter der spanische Banco Santander SA oder auch die italienischen UniCredit SpA, stieg bis zum 18. Mai auf 308,398 an, nachdem er im Jahrestief bei nur 181,472 gelegen hatte.

Es ist zudem der höchste Wert seit dem 19. Dezember - zwei Tage später folgte die erste Runde an dreijährigen EZB-Krediten, die insgesamt mehr als 800 Finanzinstitute im Euroraum in Anspruch nahmen, und zwar zu einem Zins von gerade einmal einem Prozent. In der ersten Runde wurden 489 Mrd. Euro vergeben, in der zweiten 529,5 Milliarden Euro.

Die deutsche Bundesbank hält ein etwaiges Ausscheiden Griechenlands aus der Währungsunion für beherrschbar. “Die Herausforderungen wären in diesem Fall erheblich, aber bei vorsichtigem Krisenmanagement beherrschbar”, heißt es in dem am Mittwoch in Frankfurt veröffentlichten Monatsbericht. Die Lage in Griechenland bezeichnet die Bundesbank in dem Bericht als “äußerst angespannt”.

„Das reale Risiko liegt nicht so sehr in einem Austritt von Griechenland, sondern in der Ansteckung“, sagte Roger Francis, Analyst bei Mizuho International Plc. „Es geht nicht so sehr um die Angst, dass den Banken das Geld ausgehen könnte. Es geht eher um die großen systemischen Sorgen - also, was ein Austritt bedeuten würde.“

In Griechenland war es in der vergangenen Woche nicht gelungen, nach den Parlamentswahlen eine Regierung zu bilden. Jetzt stehen dort Neuwahlen an. Bei diesen könnte eine Partei als stärkste Kraft hervorgehen, die sich ganz offen gegen die Bedingungen für das von Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds erhaltene Hilfspaket ausgesprochen hat. Beobachter beschrieben die Wahlen längst als eine Abstimmung zu einem Austritt oder einem Verbleib des Landes in der Währungsunion.

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Pimco-Chef erwartet Austritt Griechenlands

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  • Was zeichnet eigentlich jemanden aus, damit er in den Medien "EXPERTE" genannt wird? Vermutlich genügt dafür eine Trefferquote von min. 50% bei seinen Aussagen und ein Jahresgehalt von > 250T€. Mit Würfeln würde man dieselbe Trefferquote erzielen und könnte dafür nutzlose oder eher sogar schädliche Berufe wie "Analyst" abschaffen und unter dem Strich eine Menge Geld und Nerven sparen.

  • Griechenlands Währungsaustritt ist ein Befreiungsschlag und sollte die Märkte stabilisieren und den Euro stärken. Gleichzeitig ist es ein "Warnschuß" für andere "Wackelkandidaten" und trägt zur Disziplinierung bei!
    Ein "Sozialtransfer" auf Dauer über Eurobonds ist abzulehnen, da kontraproduktiv!

  • Ja, da ist sie wieder.
    Die von Politik, Wirtschaft und Expertentum maipulativ gestreute „GERMAN ANGST“. Nur mit Angsthasen kann man es so weit treiben, in diesen Zeiten vom Habgier und Feigheit.

    Für alle EXPERTEN paßt dieser Text von Herbert Grönemeyer:
    Angst vor der Geschichte
    Angst vor sich selbst
    Sich in sich zurückzuziehen
    Angst vor der Welt
    Angst auszubrechen
    Sich zu blamieren
    Sich aufs Eis zu wagen
    Angst zu erfrieren
    Angst braucht Waffen
    Aus Angst vor dem Feind
    Obwohl keiner so recht weiß
    Wer ist damit gemeint?
    Angst überholt zu werden
    Angst vor Konkurrenz
    Angst vor der Dummheit
    Vor ihrer Intelligenz
    Angst als Methode angewandt
    Einschüchtern ist eingeplant
    Angst stellt ruhig, Angst kriegt klein
    Angst voreinander
    Angst 'rauszugehen,
    Wir sind uns alle verdächtig
    Angst in die Augen zu sehen
    Angst vor Gefühlen
    Angst vor Zärtlichkeit
    Angst aus Erfahrung,
    Zuviel Vertraulichkeit
    Angst zu verblöden vor der Endgültigkeit
    Sich an alles zu gewöhnen, aus Angst vor der Zeit
    Angst zu verblöden, bereits mundtot zu sein
    Angst stellt ruhig, Angst kriegt klein
    Angst ferngelenkt zu werden
    Angst vor dem Aus
    Es allen recht zu machen
    Angst frißt auf
    Angst sich zu wehren
    Angst alleine zu sein
    Angst vor der Angst
    Wir schlafen ein


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