Griechenland-Hängepartie
Staatsanleihen finden keine Fans

An den Anleihenmärkten herrscht auch nach der Einigung Griechenlands mit seinen Gläubigern Skepsis. Noch immer schreckt ein möglicher „Grexit“ die Anleger. Und kommt das neue Sparpaket überhaupt durchs Parlament?
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Frankfurt/AthenNach einem sechsmonatigen Verhandlungsmarathon hat sich Griechenland mit seinen Gläubigern auf einen Rettungsplan geeinigt. Die Investoren an den Bondmärkten der Region zeigen indes wenig Begeisterung. Die Parole heißt: Abwarten, ob die Pläne auch wirklich das Parlament in Athen passieren.

Die Staatsanleihen des Euroraums tun sich schwer, eine klare Richtung zu finden, seit die Vereinbarung am Montag verkündet wurde. Nur langsam kommen Investoren zurück in die Bondmärkte der Peripherieländer des Euroraums. Skepsis herrscht vor, ob die Vereinbarung wirklich eine umfassende Verbesserung der Finanzlage in Griechenland bedeuten kann.

Zwar schien die erste Reaktion der Händler Erleichterung darüber zu sein, dass ein Rettungspaket zu Stande kam, mit dem das Land im Euro bleiben kann. Doch die Kursgewinne bei den Staatsanleihen der anderen Euro-Länder mit höherer Verschuldung und höheren Defiziten flauten im Verlauf wieder ab.

„Es hat nicht lange gedauert, bis der Markt festgestellt hat, dass dies nicht die endgültige Vereinbarung und ein Grexit weiterhin nicht völlig vom Tisch ist“, sagte Marius Daheim, leitender Zinsstratege bei der SEB in Frankfurt. Es sei im Wesentlichen ein politischer Markt, in dem hier gehandelt werde. Daher könne man nicht zu validen Annahmen kommen. Die Investoren würden nur kleine Positionen eingehen und versuchen, sich an den Schlagzeilen zu orientieren, so Daheim.

Für Daheim liegt das Risiko, dass die Vereinbarung scheitert und Griechenland die Währungsunion verlassen muss, bei über 50 Prozent. Die Folge könnten ein Ausverkauf bei den Peripherieanleihen, etwa von Italien und Spanien, und andererseits verstärkte Käufe bei deutschen Bundesanleihen sein.

Die Reaktion auf die Vereinbarung mit Athen sei eher nicht euphorisch oder den Risikoappetit stärkend gewesen, sagt auch Robin Marshall, Direktor Festverzinsliche bei Smith & Williamson Investment Management in London. “Hauptsächlich liegt der Fokus jetzt auf dem Umsetzungsrisiko - dass die Vereinbarungen in Griechenland wirklich in die Tat umgesetzt werden.” Auch gebe es noch keine Klarheit über die Überbrückungsfinanzierung. Das schaffe Unsicherheit.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

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  • Kurz laufende Griechenpapiere konnten bis vor kurzem noch über die Nationalbank dort an die EZB gegeben werden - als "Sicherheit" für kurze Kredite.

    So hat die EZB schon seit Jahren - die haben das Elend ja auch kommen sehen - vor allem Griechenanleihen aller Laufzeiten c/o EU-Bankensystem angekauft - zu unangemessenen 100%.
    Damit wurden alle Risiken auf den Steuerzahler verlagert, der für die Fehler der EZB bezahlen muß.

    Um die kompletten damals zwei Billionen Euro zu Schaden der Steuerzahler unterbringen zu können, wurden weitere Anleihen der PIIGSZF-Länder übernommen.
    So sind die Euroländer allesamt kurz vor der Pleite - auch Deutschland - nur die Menschen wissen es noch nicht.

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