Griechenland
Märkte glauben nicht an Umschuldungs-Dementi

Obwohl Griechenland bis 2013 Hilfe aus dem Euro-Rettungsschirm garantiert ist, wächst an den Märkten die Sorge vor einem Ausfall der Staatsanleihen. Die Renditen für zweijährige Anleihen steigen auf mehr als 18 Prozent.
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FrankfurtBeharrlich versucht die griechische Regierung die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass die Rückzahlung der ausgegebenen Staatsanleihen nicht in Gefahr ist - doch die Märkte glauben den Griechen nicht. Investoren fliehen aus griechischen Staatsanleihen, deren Kurse fallen immer tiefer.

„Eine Umschuldung wird von uns nicht erörtert“, hatte Finanzminister Giorgos Papakonstantinou noch am Freitag in einem Interview mit Bloomberg News in Washington gesagt. Gestern und heute jedoch berichteten mehrere griechische Zeitungen, die Regierung in Athen habe die Europäische Union und den Internationalen Währungsfonds gebeten, die Laufzeit der bestehenden Anleihen zu verlängern um so einem Zahlungsausfall vorzubeugen. Die Blätter berufen sich auf mit der Angelegenheit vertraute Kreise. Das griechische Finanzministerium dementierte die Berichte umgehend. Von der EU Kommission hieß es „Umschuldung ist keine Option, die auf dem Tisch liegt.“

Die Presseberichte sorgten laut Meinung von Analysten ebenso für Verunsicherung unter den Anlegern wie der überragende Wahlerfolg der populistischen Euro-Kritiker bei den Parlamentswahlen in Finnland. Die Partei „Wahre Finnen“, die nun drittstärkste Kraft ist, ist strikt gegen Hilfszahlungen an überschuldete EU-Länder wie Griechenland, Irland und Portugal. „Wenn Finnland nun über die Rettung meckert, könnten auch andere Länder dazu ermuntert werden, über die Hilfen neu zu verhandeln", sagt Glenn Marci, Rentenanalyst bei der DZ Bank.

Griechische Staatsanleihen gerieten daher heute erneut unter Verkaufsdruck. Das ließ die sich gegensätzlich entwickelnden Renditen auf neue Höchststände steigen. Am Mittag lag der Kurs für zweijährige Schuldtitel bei 77,6, was einer Rendite von 18,5 Prozent entsprach – ein Plus von 108 Basispunkten gegenüber dem Vortag. „Obwohl die Refinanzierung Griechenlands durch den Euro-Rettungsschirm gesichert ist, steigt die Unsicherheit, dass es schon vorher zu einer Umschuldung kommen könnte“, so Marci. Ein partieller Zahlungsausfall („Haircut“) sei eingepreist. Auch die Kurse zehnjähriger Anleihen gaben nach und fielen auf 60,61, was einer Rendite von 14,71 Prozent entspricht.

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Märkte glauben nicht an Umschuldungs-Dementi

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  • Wer glaubt den Griechen überhaupt noch nach den ganzen VORSÄTZLICHEN Lügen und Betrügereien?
    Griechenland steht das Wasser bis zum Hals und die würden für weiteres Geld einfach ALLES machen. Was sind da schon ein paar Politikerworte, die eh keinen interessieren? Richtig, Schall und Rauch!

  • Die Glaubensbekenntnisse der Politik - speziell aus der griechischen Ecke - sind einfach nicht genügend mit Belegen untermauert. In welcher Form und in welcher Mischung auch immer, die Umschuldung wird kommen.

    Diese Aussicht ist zwar düster, aber sie ist realistisch. Zweckoptimismus ähnelt hier eher schillernden Seifenblasen.

  • Man muss sich fragen, warum die EUliten und Merkel und Schäuble sich so fanatisch daran klammern, dass GR keinen Haircut anstrebt.
    Nun, es ist eine dramatische Situation: Wenn GR einen Haircut anstrebt, dann erfolgt weltweit eine Flucht aus den €-Anleihen. Gerechtfertigte Panik wird evoziert werden, und das ganze schöne €-Gebäude wird zusammenstürzen wie ein Kartenhaus. Mit dem Ergebnis, dass alle(!) europäischen Staaten bankrott sind. Deutschland nicht ausgenommen!
    Das haben wir also unseren Politikern zu verdanken, die kaltblütig an "politischen Projekten" festhalten, weil sie sonst ihre Macht einbüssen. Kommt das bekannt vor? Na klar: Hatten wir schon alles! Früher im Osten Deutschland, davor in ganz Deutschland. Die Sozialisten im Osten konnten sich früher auch nicht vorstellen, dass deren Kritiker Recht behalten sollten. Die heutigen €-Apologeten sind auch weit davon entfernt sich vorstellen zu können, dass ihr Baby schon längst im Brunnen ertrinkend liegt. Sie werden später noch das tote Baby im Arm halten und hätscheln, und sich fragen, was denn falsch gelaufen ist.

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