Griechenland
Rechnung der Schuldenschnitt-Verweigerer geht auf

Einige Investoren, die nicht beim griechischen Schuldenschnitt mitmachen wollten, haben erfolgreich spekuliert. Athen hat nun eine nach britischem Recht vor zehn Jahren begebene Anleihe vollständig getilgt.
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FrankfurtDie Spekulation für einige Investoren, die nicht beim harschen Schuldenschnitt griechischer Anleihen mitgemacht haben, ist noch vor den Neuwahlen in Griechenland aufgegangen. Am Dienstag wurde eine vor zehn Jahren nach britischem Recht begebene Anleihe über 435 Millionen Euro fällig, und Athen zahlte sie den Anlegern vollständig zurück.

Das Finanzministerium in Athen betonte jedoch, dies sei kein Hinweis darauf, dass auch andere Anleihen getilgt werden, die nicht nach britischem Recht begeben wurden. Dabei geht es um Bonds im Wert von 6,4 Milliarden Euro. Vergangene Woche hatte Athen bereits Zinsen für eine nach internationalem Recht begebene Anleihe in japanischen Yen gezahlt.

Juristen fürchten jetzt, dass Investoren gegen Athen klagen werden. Der Grund: Die damalige Regierung hatte betont, dass Gläubiger, die sich dem Schuldenschnitt verweigern, nicht besser gestellt werden als die anderen Anleger. Auf der anderen Seite hätte es Klagen wohl auch gegeben, wenn Athen die Anleihen nicht bedient und damit gegen das Vertragsrecht verstoßen hätte.

Die Umschuldung für die nach griechischem Recht begebenen Anleihen im Wert von 177 Milliarden Euro hatte die Regierung Mitte März abgeschlossen. Dabei hatte sie nachträglich Umschuldungsklauseln in die Bonds eingefügt, die eine Mehrheit der Gläubiger auf politischen Druck hin akzeptierte.

Für die nach internationalem Recht begebenen Bonds über 29 Milliarden Euro gab es auch Tauschangebote, doch hier nutzten einige Gläubiger ihre vertraglich größere Macht, um die kollektive Umschuldung zu verweigern.

Die Kurse der umgetauschten Griechen-Anleihen stürzten gestern weiter ab und lagen für eine Laufzeit von zehn Jahren bei nur noch 15 Prozent. Dennoch konnte die Regierung gestern neue sechsmonatige Schatzwechsel über 1,3 Milliarden Euro mit einer durchschnittlichen Rendite von 4,3 Prozent platzieren. Die Schatzwechsel waren vom Schuldenschnitt explizit ausgenommen worden.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin

Kommentare zu " Griechenland: Rechnung der Schuldenschnitt-Verweigerer geht auf"

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  • war abzusehen,als ich im januar in london war,habe ich dort einen bericht im tv gesehen,wonach die hedgefonds härte signalsierten und unnachgiebig die begleichung der anleihen,nach britischem recht forderten.

  • Sauerei!!!

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