Griechenland-Turbulenzen
Anleger flüchten in Bundesanleihen

Die Kurse deutscher Staatsanleihen ziehen wegen der Unsicherheit rund um Griechenland an. Gleichzeitig fallende Kurse für südeuropäische Staatspapiere. Damit öffnet sich die Rendite-Schere.
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FrankfurtDeutsche Staatsanleihen sind mit einem kräftigen Plus in den Tag gestartet. Die als besonders sicher geltenden Papiere profitieren von einer neuen Phase der Unsicherheit an den Märkten. Steigen die Kurse fällt bei Anleihen im Umkehrschluss automatisch die Rendite.

„Heute heißt die Devise, raus aus allem, was riskant erscheint“, sagte ein Händler. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen sackte gleich zu Handelsbeginn auf etwa 0,79 von 0,925 Prozent am Freitag. Zugleich warfen die Investoren die spanischen und italienischen Pendants aus ihren Depots. So sprang die Rendite der zehnjährigen italienischen Staatsanleihen auf 2,51 nach 2,15 Prozent am Freitag. Die Verzinsung der spanischen Papiere erhöhte sich auf 2,48 von 2,12 Prozent.

An der Zinsdifferenz zwischen Bundespapieren und südeuropäischen Anleihen lässt sich die Sorge über eine mögliche Ansteckung der griechischen Schuldenkrise auf andere Länder ablesen. Die Kurse der griechischen Staatanleihen stürzten massiv ab, so dass die Rendite der zehnjährigen Papiere auf über 14 Prozent zulegte. Die zweijährigen rentierten mit mehr als 32 Prozent nach 21 Prozent am Freitag.

An einem turbulenten Wochenende hatte zunächst der griechische Staatsminister Alexis Tsipras ein Referendum über das von den internationalen Gläubigern vorgeschlagene Sparpaket vorgeschlagen. Die europäischen Geldgeber sahen darin einen Affront, da die Meldung für sie völlig überraschend kam.

In der Nacht auf Montag hat die griechische Regierung Kapitalverkehrskontroleln erlassen und eine Schließung der Banken angeordnet. Eine Ausscheiden aus dem Euro scheint eine reale Möglichkeit, auch wenn etwa die EU-Kommission das für nicht nötig hält.

„Ich denke deutsche Bundesanleihen dürften 20 bis 25 Basispunkte fallen“, hatte Steven Englander, Währungsstratege bei der Citigroup in New York, vor Handelseröffnung an Kunden geschrieben. Das entspräche einer Änderung von 0,2 bis 0,25 Prozentpunkten – eine heftige Kursbewegung für Staatsanleihen.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales

Kommentare zu " Griechenland-Turbulenzen: Anleger flüchten in Bundesanleihen"

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  • wer immer noch Staatsanleihen, egal woher, kauft hat den Schuss nicht gehört.....

    Unterirdische Zinsen - überschuldete (auch Deutschland) Staaten? Das passt nicht zusammen....

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