Griechische Banken
Gläubiger könnten ungeschoren davonkommen

Die Rettung der Hellas-Banken ist zentraler Bestandteil des neuen Hilfspakets. Die Finanzminister wollen im Fall einer Rekapitalisierung auch die privaten Investoren zur Kasse bitten. Doch es gibt Hoffnung für Gläubiger.
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London/FrankfurtDie Abschreibung vorrangiger griechischer Bankanleihen könnte in der Praxis scheitern. Dabei sehen die Pläne der EU zur Rekapitalisierung der Institute vor, die Gläubiger in die Pflicht zu nehmen. In den Verhandlungen für das dritte Hilfspaket für Griechenland haben die Finanzminister vorrangige Anleihegläubiger griechischer Banken herausgegriffen und bis zu 25 Mrd. Euro zur Rekapitalisierung und Abwicklung der Banken bereitgestellt „falls erforderlich”. Die EZB prüft die Bilanzen griechischer Banken.

Findet die EZB Kapitallücken, haben die Gläubiger mehrere Optionen. Lediglich eine davon – die Abwicklung der Bank – würde sogenannte Bail-In-Regeln wirksam werden lassen, die möglicherweise Anwendung auf vorrangige Gläubiger finden.

„Derzeit habe ich nicht das Gefühl, dass eine der vier großen Banken geschlossen wird”, sagte Guntram Wolff vom Brüsseler Thinktank Bruegel. Eine entsprechende Entwicklung sei derzeit nicht absehbar, merkte Wolff an.

Die Rettung der Banken sei zentraler Bestandteil des neuen Hilfspakets über 86 Mrd. Euro, sagte der Vorsitzende des Europäischen Stabilitätsmechanismus ESM Klaus Regling in der Vorwoche. Die vier griechischen Banken seien einer Gruppe von 130 systemrelevanten Instituten in der EU zuzurechnen. Auf sie entfalle etwa 90 Prozent des griechischen Bankensektors.

Die Finanzminister hatten ihre Absicht mitgeteilt, im Fall einer Rekapitalisierung auch die privaten Investoren zur Kasse zu bitten. Nach dem EZB-Stresstest unter der Aktiva- Qualitätsprüfung (AQR) werde das Bail-In Instrument auf Gläubiger vorrangiger Anleihen angewendet, „während der Einbezug von Sparern nicht vorgesehen ist”, teilte die Eurogruppe mit.

Es ist weniger eindeutig, wie dieser Ankündigung in der Umsetzung entsprochen werden soll. Griechische Gesetze sehen derzeit Abschreibungen lediglich für Aktionäre und nachrangige Anleihegläubiger vor, im Einklang mit den EU-Vorgaben für staatliche Hilfen. Die Prüfung der EZB werde einige Wochen in Anspruch nehmen, eine Rekapitalisierung sollte vor Jahresende erfolgen, sagte EZB-Direktoriumsmitglied Benoit Coeure.

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Gläubiger könnten ungeschoren davonkommen

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„Bail-In ist nur eine Möglichkeit unter vielen“

Kommentare zu " Griechische Banken: Gläubiger könnten ungeschoren davonkommen"

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  • Semantik ist eben alles. Gib der Kröte einen hübschen Namen oder noch besser einen Begriff, den 99,9% der Bevölkerung gar nicht verstehen und einordnen können, wie z.B. "Primärüberschuss" und schon ist das x-te Hilfspaket durch den Bundestag. - Da wunderns sich PolitikerInnen, dass die Bürger bocken und zu "Wutbürger" werden., - Bald sind Wahlen!

  • Liebes Handelsblatt,

    die Überschrift "Gläubiger könnten ungeschoren davonkommen" ist völlig irreführend. Schreiben Sie für die griechische Kleptokratie?

    Richtig muss es heißen: "Der deutsche Steuerzahler wird von seiner Regierung gezwungen, die Vermögen schwerreicher Eigentümer griechischer Banken zu retten!"

    Letzteres ist das, was für den deutschen Leser interessant ist. Und wie Sie sich vielleicht vorstellen können, bin ich als braver deutscher Steuerzahler restlos begeistert, dass ich dazu beitragen darf, z.B. die Bank von Herr Spiros Latsis zu retten, damit sein Vermögen erhalten bleibt. Ich habe vollstes Verständnis dafür, dass der deutsche Bundestag ein solches "Hilfspaket" verabschiedet. Schließlich ist den griechischen Milliardären nicht zuzumuten, dass sie auf ihr Geld verzichten. Dafür gehe ich doch viel lieber in Deutschland in die Altersarmut!

    Dank dieses Artikels wissen wir jetzt auch, über wessen Rettung der Bundestag abgestimmt hat. Danke, liebe Bundestagsabgeordnete für Ihr großes soziales Engagement! Ein Herz für die Reichen - wie rührend!

    Ich kann hier nicht schreiben, wie mich das Alles anko.... Der Beitrag würde sonst gestrichen. Schade, dass das Handelsblatt nur die eine Seite des Geldflusses sieht. Schon mal was von doppelter Buchführung gehört? Das Geld für die Gläubiger wird in der Gegenbuchung woanders abgebucht, übrigens auch bei Ihnen, liebe HB-Redakteure! (auch die Negativzinsen der EZB sind solche Abbuchungen!).

  • Der Beitrag beschri8ebt klar, dass das Hilfspaket, dem die Bundestagsabgeordneten zustimmten, nicht zu Gunsten der girechischen Bürgrer sondern zu Gunsten der griechischen Banken und deren Gläubiger geschnürt wurde.

    Verachtlicher als dies, bei permanent sterbenden Flüchtlingen, kann eine Regierung nicht handeln.

    Wir diskutieren in der Abartigkeit nicht die Demonstranten gegen die Einwanderer, sondern das maßlose Verhalten und Schüren dieses Fremdenhaßpropaganda durch die Bundesregierung.

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