Griechische Staatsanleihen
376 Prozent Rendite - ein riskanter Deal

Nach dem Schuldenschnitt für Griechenland fallen die Kurse der Staatsanleihen tiefer und tiefer. Viele Kleinanleger spekulieren auf den ganz großen Gewinn, doch die Risiken sind riesig.

DüsseldorfJahrzehntelang haben Banken und Versicherungen mit griechischen Staatsanleihen gehandelt - im Vertrauen darauf, für ihre Kunden etwas höhere, aber sichere Zinsen zu kassieren. Die Schuldenkrise, die schlechten Ratings der Bonitätswächter und die Ausfallrisiken zwingen die Profis jetzt, ihre Anleihen abzuschreiben oder mit Verlust zu verkaufen. In die Bresche springen viele private Anleger. Das belegen die rasant gestiegenen Umsätze. Jahresrenditen von über 100 Prozent locken Spekulanten an.

Immer weiter fallende Kurse und steigende Renditen signalisieren aber: Die Finanzmärkte vertrauen den Regierungen nicht, die Griechenland 50 Prozent der Schulden erlassen wollen. Sie rechnen mit noch höheren Einschnitten.

Konkret: Die 22 Milliarden Euro schwere griechische Anleihe mit einer Laufzeit bis 20. März 2012 wirft bei einem Kurs von 44 Prozent eine aufs Jahr hochgerechnete Rendite von 376 Prozent ab. Nach Abzug der Abgeltungssteuer und des Solidaritätszuschlags verbleiben 270 Prozent. Vorausgesetzt, dass Griechenland die Anleihe zu 100 Prozent zurückzahlt - so wie es bei Anleihen nach Ende der Laufzeit üblich ist. Davon dürfen, nach aktuellem Stand, alle Anleger ausgehen, die sich dem vereinbarten „freiwilligen Schuldenschnitt“ verweigern.

„Nach jetziger Beschlusslage kann niemand gezwungen werden, seine griechischen Anleihen umzutauschen“, sagt Martin Ende von der BHF-Bank. Denn damit käme es, wie 2002 in Argentinien, zu einem Default, also einem Ausfall des Schuldners - und den wollen die Verhandlungspartner unter allen Umständen verhindern.

Der Grund: Bei einem erzwungenen Schnitt würden die Versicherungen gegen eine Pleite fällig, die Credit Default Swaps (CDS). Die von Großinvestor Warren Buffett als "Massenvernichtungswaffen" bezeichneten Derivate bergen schwer einschätzbare Effekte, wenn große Banken die Versicherungssummen auszahlen müssen.

Doch was passiert, wenn sich Anleger, Fonds und Banken dem Schuldenschnitt verweigern? Bislang gibt es nur die Zusage des Bankenverbands, ohne dass der vorher mit jeder Bank gesprochen hat. „Noch ist unklar, ob und wie private Anleger mit einbezogen werden“, sagt Ende.

Es gibt keine festen Vereinbarungen. Bislang klammern sich Anleger nur an die dürftige Erklärung des EU-Gipfels: „Zu diesem Zweck ersuchen wir Griechenland, die privaten Investoren und alle beteiligten Parteien, einen freiwilligen Umtausch von Anleihen mit einem nominellen Abschlag von 50 Prozent des Nennwerts der von privaten Investoren gehaltenen griechischen Staatsanleihen auszuarbeiten.“

In Frankfurt starten zusammen mit EU-Vertretern voraussichtlich am Donnerstag Gespräche über einen Anleihetausch. Die griechische Zeitung „Kathimerini“ berichtete ohne Angabe einer Quelle, dass privaten Gläubigern, abhängig von der Laufzeit der Anleihe, für 100 Euro eine Barauszahlung zwischen zehn und 20 Euro vorgeschlagen werde. Zusätzlich sollten die Gläubiger für 30 bis 40 Euro neue Anleihen mit einer Laufzeit zwischen 20 und 30 Jahren und einer Rendite von sechs Prozent erhalten.

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Reger Handel mit Griechenland-Schuldscheinen

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