Griechische Staatsanleihen: Warum wir den Grexit doch fürchten sollten

Griechische Staatsanleihen
Warum wir den Grexit doch fürchten sollten

Kaum hatte die EZB griechischen Staatsanleihen das Vertrauen entzogen, steigen die Renditen an. Droht das nächste Desaster? Kapitalmarktexperten geben nur eine halbe Entwarnung. Privatanleger sollten vorsichtig bleiben.
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DüsseldorfAnleger fliehen aus griechischen Staatsanleihen, der griechische Bondmarkt strauchelt, die Rendite für griechische Anleihen schießt nach oben: Wer am Donnerstag die Überschriften zum jüngsten Renditeanstieg griechischer Staatsanleihen gelesen hat, konnte es mit der Angst bekommen. Vor knapp drei Jahren hatte man derartige Zeilen auch schon gelesen. Erinnerungen an das Jahr 2012 werden wach – an die Zeit, als die Staatsschuldenkrise Europa fest im Griff hatte, Renditen für Staatsanleihen der Euro-Peripherie stark anzogen, die Unsicherheit allgegenwärtig war.

Schon fürchten die ersten, dass sich jetzt alles wiederholt. Richtig ist: Die Entscheidung der Europäische Zentralbank (EZB), griechische Staatsanleihen nicht länger als Sicherheiten für Kredite an Geschäftsbanken zu akzeptieren, ließ die Rendite für griechische Staatsanleihen ansteigen. Die EZB hatte zuvor ihr Mandat zur Überwachung des Reform- und Sparprogramms Griechenlands (als Teil der Troika) verloren. Und fühlte sich anscheinend in der Position, zu handeln. Für Investoren war dies ein klar negatives Signal. Sie wollten wieder mehr dafür haben, Griechenland ihr Geld zu überlassen.

Doch steht das nächste Desaster wirklich unmittelbar bevor, wie manche Headline es vermuten ließ? Ein Blick auf die eigentliche Ausprägung der Renditen für länger laufende griechische Schuldtitel nimmt zumindest die erste Furcht. Zum einen ist die Rendite für zehnjährige griechische Schuldtitel nach einem leichten Anstieg am Donnerstag – von zehn auf elf Prozent – bis Freitagnachmittag sogar wieder unter zehn Prozent gesunken. Es handelte sich also, zumindest bei den länger laufenden Anleihen um eine Kurzfristreaktion der Märkte.

Zum anderen ist das Renditeniveau – und auch der Renditeaufschlag – griechischer zehnjähriger Schuldtitel noch längst nicht auf dem Niveau von 2012 angekommen. Damals, zwischen November 2011 und Mai 2012, trieb die Verunsicherung am Markt die Renditen zehnjähriger griechischer Schuldtitel auf über 30, in der Spitze sogar auf 35 Prozent. Die Risikoaufschläge zur zehnjährigen Bundesanleihe waren wesentlich größer als heute. Noch deutlicher als bei den zehnjährigen Anleihen, zeigt sich die Schere bei den kürzer laufenden Bonds.

Was 2012 von heute unterscheidet, weiß zum Beispiel Stefan van Geyt, Chief Investment Officer der KBL European Private Bankers. „Im Jahr 2012 standen wir, neben Griechenland, noch vor weiteren Herausforderungen: Die Lage war insgesamt sehr angespannt – gerade hinsichtlich Ländern wie Italien und Spanien“. Man sorgte sich darum, dass ein Ausscheiden Griechenlands aus der Währungsunion, der berühmte ‚Grexit‘, eine Panikwelle auslösen und andere Krisenstaaten mit in den (finanziellen) Ruin reißen könnte. Nicht wenige Beobachter fürchteten das Auseinanderbrechen der Euro-Zone.

Heute – so die gängige Meinung unter Ökonomen – ist eine Ansteckungsgefahr so nicht mehr gegeben. „Die südeuropäischen Staaten haben Reformen auf den Weg gebracht, die Budgetsituation hat sich entspannt. Das Sicherheitsnetz der Europäischen Zentralbank in Form des OMT-Programms und neue Bankenunion bringen Marktteilnehmern zusätzliche Sicherheit. Hinzu kommt, dass Europas Großbanken kaum mehr Griechenlandanleihen halten – die Verflechtung hat also abgenommen“, nennt Stefan Rondorf, Kapitalmarktstratege von Allianz Global Investors (AGI), gleich mehrere Gründe, warum die griechischen Querelen die restliche Euro-Zone heute weniger nervös machen als noch vor drei Jahren.

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Kommentare zu " Griechische Staatsanleihen: Warum wir den Grexit doch fürchten sollten"

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  • Wie? Was ? Wovor sollen wir uns fürchten? Hieß es nicht noch vor ein paar tagen im HB, dass Draghis Geldschwemme alle Probleme wegspüle? Sprechen sich die Autoren nicht untereinander ab oder war das jetzt Absicht, alle paar tage mal eine 180°-Wendung zu machen.

    Übrigens: Wann wird mal wieder für Aktien geworben, wo diese doch gerade ganz günstig zu haben sind?

  • "Sie(die Investoren) wollten wieder mehr dafür haben, Griechenland ihr Geld zu überlassen", schreibt das Handelsblatt, und meint Käufe am Sekundärmarkt.

    Das ist leider einer der vielen Irrtümer die über das Wesen von Anleihen im Laufe der Finanzkrise verbreitet wurden. Wer eine Anleihe am Sekundärmarkt kauft, der überlässt dem Emittenten(Griechenland) kein Geld. Am Sekundärmarkt findet der Handel unter Investoren ab.

    Die Renditen des Sekundärmarkts sind bloß eine theoretische Größe, welche die Zinsen am Primärmarkt bestimmen. So lange Griechenland keine Anleihen emittiert bleibt die Rendite für Griechenland ohne Folgen.

  • Volksverdummung pur !!! Und das Handelsblatt ist da immer ein ein willfähriger Helfer der Finanzmafia ! Die Ansteckungsgefahr ist nicht mehr gegeben, so der Kommentar ! Ja, klar !! Seit die Banken mit Hilfe der unfähigen Politiker dem ehrlichen Steuerzahler ihre Verluste und faulen Kredite übergestülpt haben - seit dem ist die Ansteckungsgefahr wie der Phoenix aus der Asche verschwunden. Heute – so die gängige Meinung unter Ökonomen – ist eine Ansteckungsgefahr so nicht mehr gegeben. „Die südeuropäischen Staaten haben Reformen auf den Weg gebracht, die Budgetsituation hat sich entspannt. Das Sicherheitsnetz der Europäischen Zentralbank in Form des OMT-Programms und neue Bankenunion bringen Marktteilnehmern zusätzliche Sicherheit

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