Größenordnung überrascht Experten
KfW setzt Maßstäbe

Die Gerüchte hielten sich schon seit einigen Tagen in Frankfurt. Gerüchte, dass die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sich durch eine Umtauschanleihe von einem Teil ihrer Aktien der Deutschen Telekom trennen will. Aber dann gab es für die Experten doch noch eine Überraschung: „Die Größenordnung ist aber erstaunlich“, sagt Roland Hotz, Partner bei der auf Wandelanleihen spezialisierten Schweizer Vermögensverwaltung Fisch Asset Management.

FRANKFURT/M. In der Tat ist die in Aktien der Deutschen Telekom wandelbare Anleihe der staatlichen Förderbank KfW über 4,5 Mrd. Euro die größte Wandelanleihe aller Zeiten in Europa. Dabei ist die mögliche Mehrzuteilungsoption von 500 Mill. Euro noch nicht einmal eingerechnet.

„Andere Unternehmen werden den Deal der KfW genau verfolgen und sehen, ob sie nicht auch große Wandelanleihen platzieren können“, ist Tareen Hussain, Leiter der Research-Abteilung für europäische Wandelanleihen bei BNP Paribas, überzeugt. Die Transaktion zeige, dass sich auch am Markt für Wandelanleihen gut Milliarden-Emissionen platzieren lassen.

Der Trend zu Mega-Wandelanleihen zeichnete sich bereits in den vergangenen Monaten ab. Die Hoffnung der Investoren auf steigende Aktienkurse, gepaart mit einem niedrigen Zinsniveau, lassen Wandelanleihen für Anleger und Emittenten gleichermaßen attraktiv erscheinen. Erst Ende Juni platzierte der US-Autokonzern General Motors im Rahmen der weltgrößten Anleihenplatzierung über insgesamt 17,5 Mrd. Dollar eine Wandelanleihe über 4 Mrd. Dollar. In Deutschland haben in diesem Jahr Siemens und die Deutsche Telekom selbst den Wandelanleihe-Markt mit Milliarden-Emissionen angezapft.

Insgesamt legten Unternehmen in Europa im ersten Halbjahr dieses Jahres nach Daten des Informationsdienstes Dealogic Wandelanleihen im Wert von mehr als 33,8 Mrd. Dollar auf.

Die Umtauschanleihe der KfW auf die Telekom hat eine Laufzeit von fünf Jahren. Die Investoren können sie aber frühestens in zwei Jahren in Aktien der Telekom wandeln. Dabei beträgt die Wandlungsprämie 38 %: die T-Aktie muss von 12,70 Euro um 38 % steigen, damit sich die Wandlung lohnt. Das erklärten gestern die Deutsche Bank und JP Morgan, die sich das Mandat für die Emission teilen.

Die Verzinsung der Anleihe wird mit 0,75 % sehr niedrig ausfallen. Grund ist die hohe Kreditwürdigkeit der KfW, die von den Ratingagenturen mit den besten Bonitätsnoten bewertet wird. Analysten bezeichneten die Konditionen als „hart, aber fair“.

Die T-Aktie bildete gestern über weite Strecken mit einem Verlust von über 4 % das Schlusslicht im Deutschen Aktienindex (Dax). Investoren verkauften die T-Aktie in der Hoffnung, später über die Wandelanleihe günstiger an die Aktie zu kommen.

Dennoch begrüßte die Deutsche Telekom die Entscheidung der KfW. Und in der Tat könnte die T-Aktie langfristig von der Umtauschanleihe profitieren. Denn wenn die Anleihe tatsächlich in T-Aktien umgewandelt wird, erhöht sich der so genannte Freefloat der Aktie, also der Anteil der Aktien, die zum Handel an der Börse bereitstehen. Die rund 240 Mill. bis 250 Mill. Aktien, welche die KfW bei Wandlung an den Markt bringen könnte, würden im besten Fall den Freefloat der T-Aktie um bis zu 6 % erhöhen.

Da viele Aktienindizes wie zum Beispiel auch der Dax für die Gewichtung der Werte nur die frei handelbaren Aktien anrechnen, wird das Gewicht der T-Aktie in den Indizes zulegen. Wichtig ist dies vor allem für Aktienfonds, die sich an der Zusammensetzung einzelner Indizes orientieren. Diese Fonds würden dann mehr T-Aktien nachfragen.

Auf die Refinanzierung der Telekom hat die Wandelanleihe der Telekom nach Einschätzung von Experten keinen nachteiligen Effekt, da sich die Wandelanleihe nicht an die klassischen Anleihekäufer, sondern eher an Aktieninvestoren richtet. Eine eigene Wandelanleihe könnte die Telekom derzeit ohnehin nicht auflegen. Das dafür genehmigte Kapital hat sie im Februar aufgebraucht, als sie eine Zwangswandelanleihe über 2,3 Mrd. Euro aufgelegt hat.

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