Größte Emission seit drei Jahren
Spanische Telefónica zapft Markt mit Mega-Anleihe an

Der spanische Telefonkonzern Telefónica hat gestern Anleihen in Euro und Pfund Sterling über insgesamt knapp sechs Mrd. Euro begeben. Eine solche Mega-Emission eines Telekomkonzerns gab es in Europa zuletzt vor drei Jahren. Damals hatte France Télécom Anleihen über 2,9 Mrd. Euro an den Markt gebracht. Telefónica braucht das Geld, um einen Teil der 26 Mrd. Euro schweren Übernahme des britischen Mobilfunkers 02 zu refinanzieren.

HB FRANKFURT. Ganz problemlos wurde Telefónica seine Papiere aber nicht los. Am Ende waren die Auftragsbücher der konsortialführenden Banken für die Euro-Tranche zwar neun Mrd. Euro und für die Sterling-Tranche 2,8 Mrd. Pfund schwer, zunächst war der Verkauf indes recht schleppend angelaufen. Erst als Telefónica und die begleitenden Konsortialbanken die avisierten Risikoaufschläge (Spreads) für die einzelnen Tranchen um bis zu 0,1 Prozentpunkte angehoben hatten, griffen die professionellen Investoren zu.

„Die Stimmung für Telekomanleihen ist generell nicht besonders gut“, sagt Jan Seifert, Fondsmanager bei Union Investment. „Aktionärsfreundliche Aktionen wie zum Beispiel kreditfinanzierte Übernahmen belasten den Sektor.“

Dazu kam, dass France Télécom vergangene Woche eine Gewinnwarnung abgegeben hatte. „Daraufhin haben viele Investoren Anfang der Woche Telekomanleihen verkauft. Deshalb schienen die zuvor von den Investoren akzeptierten Konditionen für die neuen Bonds plötzlich nicht mehr so attraktiv“, sagte Geert Vinken, Leiter des Syndikats bei Barclays Capital. Die britische Investmentbank teilte sich das Mandat für die Euro-Tranche mit ABN Amro, BBVA und Société Générale. Konsortialführer der Sterling-Tranche waren Barclays Capital, BNP Paribas und Royal Bank of Scotland. „Zu den nachgebesserten Konditionen haben sich die Bücher dann aber schnell gefüllt, was das Interesse der Investoren an Telefónica zeigte, und die Stimmung im gesamten Markt für Unternehmensanleihen stützen dürfte“, sagte Vinken.

Viele Banken abseits der Konsortialführer hatten professionellen Investoren nach den höheren Risikoaufschlägen empfohlen, die Anleihen zu kaufen. Generell raten sie aber dazu, Telekombonds unterzugewichten, weil sie auf längere Sicht fallende Kurse befürchten. Die Bonitätsnoten von Telefónica haben die Ratingagenturen Standard & Poor’s und Moody’s wegen des verschlechterten Finanzprofils nach der O2-Übernahme um eine Stufe auf „BBB+“ beziehungsweise „Baa1“ gesenkt. „Außerdem signalisierte Telefónica mit dem bis Ende 2007 verabschiedeten Aktienrückkauf über sechs Mrd. Euro und geplanten Dividendenausschüttungen über rund 2,5 Mrd. Euro eine sehr offensive Finanzpolitik“ warnte die Landesbank Baden-Württemberg.

Telefónica bekräftigte vor Investoren zwar, dass die aktuellen Ratings auf jeden Fall gehalten werden sollen, aber: „Vor einem Jahr hat der Konzern auch betont, er wolle seine Ratings im „A“-Bereich halten“, sagte Fondsmanager Seifert. Nach den erhöhten Spreads gebe es jedoch durchaus Potenzial für eine zunächst gute Entwicklung der Telefónica-Anleihen.

Die Euro-Tranchen teilten sich in je zwei Mrd. Euro über eine fünf- und eine zehnjährige Laufzeit auf. In Sterling begab Telefónica eine zwölf- und eine 20-jährige Tranche. Die Euro-Anleihen wurden mit Renditen von 3,841 und 4,462 Prozent gepreist. Diese Renditen lagen deutlich über denen von anderen Unternehmensanleihen mit vergleichbaren Ratings. cü

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