Großmetzger Zimbo verspricht sieben Prozent Zinsen
Eine Anleihe, bei der es um die Wurst geht

Normalerweise spielt sich das Kerngeschäft von Reinhold Zimmermann, 55, in weiß gekachelten Räumen zwischen Hochrippen und Hinterschinken ab. Der Unternehmer aus dem Ruhrgebiet, ein mittelgroßer Mann mit rundem Gesicht und schon lichtem Haar, ist Fleisch- und Wurstgroßhändler mit sieben eigenen Herstellungsbetrieben.

DÜSSELDORF. Seine Firma Zimbo ist Spezialist für „Teutoburger Frikadellen“, „Brandenburger Lachsschinken“ und „Ammerländer Vierjahreszeiten-Salami“. Zimbo steht für Zimmermann Bochum, und so bürgt der Sohn des Firmengründers auch mit seinem Namen für die Qualität seiner Knacker und Pfefferbeißer.

Stück für Stück hat der gelernte Kaufmann die Firma seines Vaters Max, 88, zu einem international agierenden Fleischkonzern ausgebaut, tätig in mehr als einem halben Dutzend Länder. Größter Konkurrent ist die Firma Herta. Abgepackte Zimbo-Produkte liegen in den Kühlregalen von Edeka und Wal-Mart, frische Ware gibt es in unzähligen Metzgereien. Für 2003 erwarten die Bochumer mit ihrer GmbH & Co. Holding KG einen Umsatz von 605 Millionen Euro und einen Gewinn von 3,9 Millionen Euro.

Doch das reicht offenbar nicht, um die Expansionspläne zu finanzieren. „Sehen Sie“, sagt Zimmermann, „eines unserer Leitthemen heißt: ,Spezialitäten aus der Ursprungsregion’ oder anders ausgedrückt: Die Bratwurst nach Thüringer Rezept produzieren wir nur in Thüringen.“ Und weil er jetzt auch Krakauer ins Angebot aufnehmen will, geht es für Zimmermann künftig in Polen um die Wurst.

Das kostet viel Geld. Weil die Banken bei der Mittelstandsfinanzierung immer öfter die Nase rümpfen, gerade so, als würden sie das nächste Schlachtfest in Form eines Konkurses schon riechen, bedient sich Zimmermann bei der Kapitalbeschaffung nun an einer anderen Theke: In Zeitungsanzeigen bietet er privaten Investoren eine Unternehmensanleihe an. 15 Millionen Euro will Zimmermann, der 90 Prozent der Firmenanteile hält, so einsammeln. Er verspricht den Zeichnern bei einer Mindestanlagesumme von 1 000 Euro einen Zins von sieben Prozent bei einer Laufzeit von fünf Jahren.

Das Auflegen einer Anleihe allein ist schon ein seltener Vorgang bei einer Firma der Größe Zimbos. Noch ungewöhnlicher wird das Angebot durch den Zusatz „Direktverkauf“. Das heißt: Der Vertrieb läuft ohne Bank. „So spare ich die Gebühren in Höhe von zwei bis fünf Prozent“, sagt Zimmermann. Nur den Zahlungsverkehr wickelt das Münchener Bankhaus Reuschel ab.

Interessenten wenden sich also nicht an einen Banker, sondern an das Zimbo-eigene Call-Center. Dort haben zehn der hundert Mitarbeiter, die sonst Fragen nach der Rezeptur der „Emsländer Leberwurst mit Bourbon Vanille“ beantworten, eigens einen Crash-Kurs in Sachen Unternehmensanleihe erhalten. Und tatsächlich: Wer die Hotline anruft, erhält erstaunlich detaillierte Antworten zum Procedere.

Anlegerschützer sehen gleichwohl Risiken. Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre warnt: „Es gibt keinen Markt, auf dem die Papiere gehandelt werden, was bedeutet: Als Anleger kann ich vor Ablauf der fünf Jahre nicht aussteigen.“ Die Deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz ergänzt: „Zimbo weist zwar darauf hin, dass der Verkaufsprospekt bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht in Frankfurt zum Zwecke der formalen Prüfung hinterlegt ist. Das heißt aber nicht, dass die Behörde die Anleihe auch inhaltlich geprüft hat.“

Die Aktionärsschützer können sich nur an zwei andere Mittelständler erinnern, die ebenfalls schon eigene Anleihen quasi als Schnäppchen im Direktvertrieb feilboten: die Wohnungsbaugenossenschaft Leipzig West und der Duisburger Rohstoffhändler PCC Petro Carbo Chem. Und sie warnen: „Dem Investor sollte klar sein: Es liegt keine international anerkannte Prüfung zur Bonität des Unternehmens vor.“

Uwe Burkert, der bei der Landesbank Baden-Württemberg das Research für Unternehmensanleihen leitet, urteilt denn auch: „Das Ausfallrisiko bei der Zimbo-Anleihe ist höher als bei am Kapitalmarkt platzierten Bonds von Unternehmen mit einem guten Rating. Von daher ist die Verzinsung angemessen, aber nicht außergewöhnlich hoch.“

Gefragt nach dem Pleite-Risiko, antwortet Reinhold Zimmermann: „Wir hatten in 50 Jahren nie Probleme, nur einmal gab es eine schwierige Zeit: Just als die BSE-Krise das Land erreichte, wollten wir mit einer Kalbsleberwurst in den Markt. Die schon produzierten TV-Spots konnten wir natürlich alle wegschmeißen.“

Mitarbeit: Andrea Cünnen

Peter Brors
Peter Brors
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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