Günstiges Refinanzierungsinstrument
Pfandbriefe erleben Renaissance

Die Eurohypo hat am gestrigen Dienstag den ersten deutschen Jumbo-Pfandbrief zur Refinanzierung von Immobiliengeschäften seit Ausbruch der Finanzmarktkrise platziert. Experten sehen darin ein ermutigendes Zeichen für die langsame Normalisierung der Kapitalmärkte.

FRANKFURT. „Der Pfandbrief ist derzeit das günstigste Refinanzierungsinstrument, und der Markt kommt jetzt trotz der aktuellen Finanzmarktkrise wieder in Schwung“, sagte Cyrus de la Rubia, Pfandbriefanalyst bei der HSH Nordbank. Wichtig ist die Erholung des Pfandbriefmarktes, weil die Krise eine Säule des alltäglichen Bankgeschäfts, die Refinanzierung von Krediten am Kapitalmarkt, zeitweise unterminiert hat. Banken begeben Kredite und beschaffen sich entweder über die Ausgabe von Bonds und Pfandbriefen Geld dafür, oder sie verkaufen die Kredite im Wege von Verbriefungen an Investoren. Weil im Sommer aber verbriefte Immobilienkredite in den USA platzten, gerieten nahezu alle Refinanzierungsinstrumente in Verruf. Während der Verbriefungsmarkt weiterhin faktisch tot ist, können Pfandbriefe nun offenbar wieder platziert werden.

Der wichtigste Unterschied zwischen Verbriefungen und Pfandbriefen nach deutschem Recht: Im Falle einer Insolvenz des Emittenten ist ein gesetzlich vorgeschriebener Treuhänder für die Regulierung der Ansprüche der Pfandbrief-Investoren bestellt. Dies gibt mehr Sicherheit als bei einer Verbriefung, bei der ein Anleger im Zweifel einen aufwendigen Zivilrechtsprozess führen muss, um an sein Geld zu kommen.

Die aktuelle Krise bleibt aber auch nicht ohne Auswirkungen auf den Pfandbrief. Die Commerzbank-Tochter Eurohypo musste für ihr am gestrigen Dienstag platziertes Papier mit einem Volumen von 2,5 Mrd. Euro einen Aufschlag von 44,8 Basispunkten gegenüber der vergleichbaren risikolosen deutschen Staatsanleihe zahlen. Vor der Krise hätte man etliche Basispunkte weniger gezahlt. Bei Milliardenvolumina spielen Hundertstelprozentpunkte eine große Rolle. Auch die Landesbank Baden-Württemberg und die WestLB, die zuletzt Jumbo-Pfandbriefe zur Refinanzierung von Staatsschulden platzierten, mussten den Käufern höhere Renditen als in der Vergangenheit einräumen.

Eurohypo-Vorstand Henning Rasche rechnet damit, dass die Refinanzierungskosten der Banken dauerhaft höher sein werden als noch vor wenigen Monaten: „Die Neubewertung von Risiko am Kapitalmarkt durch die Krise wird dazu führen, dass Verbriefungen und Pfandbriefe als Refinanzierungsinstrumente teurer werden.“ Aber die Investoren hätten gelernt, dass die gesetzlich garantierte Sicherheit des deutschen Pfandbriefs etwas wert sei. „Ich erwarte daher, dass die Refinanzierung über den Pfandbrief deutlich günstiger gegenüber der Verbriefung bleiben wird“, sagte Rasche, der auch Präsident des Pfandbriefverbandes VdP ist.

Wie zuvor schon Georg Funke, Chef des Eurohypo-Konkurrenten Hypo Real Estate, rechnet er daher mit einer Renaissance des Pfandbriefs, der in der Vergangenheit wegen der großen Nachfrage nach Verbriefungen etwas an Bedeutung verloren hatte. Experten erwarten daher, dass das von der Krise gebeutelte Emissionvolumen deutscher Pfandbriefe im nächsten Jahr wieder anzieht. De la Rubia geht davon aus, dass 2008 ein Volumen von 31,4 Mrd. Euro in Pfandbriefen platziert werden kann, dieses Jahr waren es bisher lediglich 26 Mrd. Euro.

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