"Haushalt in Bredouille"
US-Steuerpläne treiben Anleiherenditen

Die USA wollen die Steuerleichterungen für ihre Bürger verlängern. Die Sorge, dass dies den US-Haushalt in Nöte bringen könnte, belastet amerikanische Staatsanleihen. Auch deutsche Schuldpapiere geraten in den Sog. Weil gleichzeitig die Sorgen vor einer Transferunion in Europa zunehmen, rentierte die zehnjährige Bundesanleihe erstmals wieder über drei Prozent.
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HB FRANKFURT/WASHINGTON. Die in den USA geplante Verlängerung von Steuererleichterungen könnte auch die Regierung in Berlin teuer zu stehen kommen. In Reaktion auf einen Renditesprung bei US-Staatsanleihen zog die Rendite von Bundesanleihen am Mittwoch kräftig an. Für deutsche Staatspapiere mit zehn Jahren Laufzeit verlangten Investoren erstmals seit Anfang April wieder mehr als drei Prozent. Dies ist ein Wert, an dem sich Deutschland bei der Ausgabe neuer Anleihen orientierten müsste. Die bis Januar 2021 laufende zehnjährige Anleihe wird nominal mit 2,5 Prozent verzinst.

Die mögliche Verlängerung der Steuerkürzungen in den USA würde offiziellen Berechnungen zufolge ein Loch von rund einer halben Billion Dollar in den Staatshaushalt reißen. "Die Pläne kosten richtig viel Geld und bringen den US-Haushalt in die Bredouille", sagte Rentenmarktanalyst Mario Mattera vom Bankhaus Metzler. Noch deutlicher wurde die Ratingagentur Moody's, die langfristig die Top-Bonitätsnote "AAA" für die USA in Gefahr sieht.

Die Rendite für zehnjährige US-Anleihen stieg am Mittwoch auf bis zu 3,255 Prozent. Händlern zufolge lastete dies auch auf den Papieren der Bundesrepublik. Die Rendite der zehnjährigen Papiere stieg auf bis zu 3,037 Prozent, fiel am Nachmittag jedoch wieder leicht unter die Drei-Prozent-Marke. Im Sommer rentierten die Papiere zeitweise nur noch mit knapp über zwei Prozent. Der Bund-Future lag am Nachmittag 34 Ticks tiefer bei 124,67 Zählern.

Analysten zufolge lasteten auf den Bundesanleihen allerdings auch hausgemachte Probleme. "Eine Transferunion innerhalb der Euro-Zone steht nach wie vor im Raum. Es ist der Eindruck entstanden, dass dies auf die Bonität Deutschlands durchschlägt", sagte Mattera. "Deshalb verlangen Anleger eine Bonitätsprämie, und es wird tendenziell schwerer, Anleger anzulocken."

Deutschland hatte zuletzt Schwierigkeiten, seine Anleihen loszuschlagen. Bei der Auktion zweijähriger Bundesanleihen am Mittwoch wurde nicht das angestrebte Gesamtvolumen gezeichnet. "Offensichtlich haben wir einen dünnen Markt, in dem viele Teilnehmer bereits ihre Bücher geschlossen haben", sagte Zinsstratege Michael Leister von der WestLB. "Nichtsdestotrotz führt die hohe Volatilität der Bundesanleihen in vergangenen Woche dazu, dass Investoren an der Seitenlinie stehen bleiben."

Am Devisenmarkt bewegte sich der Euro kaum und kostete 1,3252 Dollar. Analysten zufolge profitierte der Dollar zwar von den steigenden Renditen bei US-Anleihen. Zugleich bremste die Unsicherheit über die Entwicklung der US-Wirtschaft den Greenback. "Wir sehen am Devisenmarkt derzeit ein Tauziehen zwischen der Schuldensituation in den USA und der Euro-Zone", sagte ein Händler.

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