Heiße Wette
Anleger erzielen Riesenrendite mit Ramsch

Von den Ratingagenturen wird Portugal als Ramsch eingestuft. Dennoch haben Anleger mit portugiesischen Staatsanleihen in diesem Jahr richtig viel verdient. Dabei mussten sie allerdings starke Nerven haben.
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Mit portugiesischen Staatsanleihen haben Anleger seit Jahresbeginn einen 15mal so hohen Ertrag erzielt wie mit US-Treasuries. Die Zahl zeichnet jedoch ein schiefes Bild, da sie die Investmentrisiken aufgrund der Kursschwankungen bei den Portugal-Bonds nicht berücksichtigt.

Portugal wird von den drei großen Ratingagenturen Moody's Investors Service, Fitch Ratings und Standard & Poor's mit Noten unterhalb der Güteklasse Investmentgrade bewertet. Die Anleihen des Landes haben den Investoren in diesem Jahr einen Ertrag von 42,4 Prozent eingebracht, einschließlich wieder investierter Zinsen. Damit setzen sie sich an die Spitze der 26 von Bloomberg der European Federation of Financial Analysts Societies beobachteten Märkte. Nimmt man allerdings die Volatilität in die Gleichung auf, kommen die Papiere auf einen Ertrag von weniger als zwei Prozent, wie Bloomberg-Daten belegen.

Nachdem die Europäische Zentralbank am 6. September angekündigt hatte, sie werde unter bestimmten Bedingungen Anleihen verschuldeter Länder ankaufen, sind die Kurse portugiesischer Bonds gestiegen - trotz der schwachen wirtschaftlichen Lage im Lande. Allerdings nahmen die Kursausschläge mit einem Rückgang des Handelsvolumens in den Bonds zu. Damit wird die für September 2013 geplante Rückkehr des Landes an den internationalen Kapitalmarkt erschwert.

Risikobereinigt haben portugiesische Anleihen in diesem Jahr 1,98 Prozent gewonnen. Bei US-Treasuries liegt die Gesamtrendite bei 2,8 Prozent, risikobereinigt bei 0,74 Prozent. Die risikobereinigte Rendite wird errechnet, indem die Gesamtrendite durch die Volatilität, also die täglichen Kursveränderungen, geteilt wird. Damit ergibt sich eine Messzahl für den Ertrag je Risikoeinheit. Eine höhere Volatilität ist mit stärkeren Kursschwankungen in einem kurzen Zeitraum gleichzusetzen, so dass das Verlustpotenzial steigt.

Auf risikobereinigter Basis bieten irische Bonds die beste Performance in der Euroregion. Sie haben 4,31 Prozent zugelegt, wie Bloomberg-Daten zeigen. Auf dem zweiten Platz folgen belgische Anleihen mit einem Plus von 2,96 Prozent. Griechische Bonds, die in den EFFAS-Indizes 26 Prozent gewonnen haben, sind risikobereinigt das Schlusslicht der Eurozone und kommen auf einen Ertrag von 0,65 Prozent.

Ein weiteres Problem für Investoren ist das geringe Handelsvolumen bei den portugiesischen Anleihen, da es zu weiten Abständen zwischen Kauf- und Verkaufskursen für die Papiere führt. Im Oktober lag das tägliche Handelsvolumen für Portugal- Bonds laut Daten der portugiesischen Schuldenverwaltung bei 11 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor betrug es noch 16 Mio. Euro. Seit November 2010 lag das tägliche Volumen nicht mehr über 100 Millionen Euro.

 
Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

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  • ..und wer hat es möglich gemacht? Der beraubt europäische Steuerzahler.

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