Herabstufung
Rating-Riese feuert weiteren Warnschuss auf Italien

Die Ratingagentur Moody's warnt: Die Risiken für Italiens Wirtschaft seien gestiegen. Gleich um drei Stufen hat sie deshalb die Kreditwürdigkeit des Landes herabgesetzt. Zu Deutschlands Bonität äußerte sich Moody's auch.
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New York Die Ratingagentur Moody's stuft die Kreditwürdigkeit des hoch verschuldeten Italiens herunter. Die Bonitätswächter begründeten die Absenkung des Ratings um drei Stufen von „Aa2“ auf „A2“ am Dienstag mit wirtschaftlichen und ökonomischen Unsicherheiten. Die Risiken für die italienische Wirtschaft seien gestiegen.

Die Märkte reagierten relativ entspannt auf den neuen Tiefschlag für Italien. Die Renditen italienischer Staatsanleihen zogen nur leicht an. Papiere mit zehnjähriger Laufzeit rentierten mit 5,52 Prozent und damit 0,06 Prozentpunkte höher als am Dienstag. Der Euro gab zum Dollar nach, erholte sich aber später wieder auf Kurse um 1,33 Dollar.

Moody's warnte Italien vor weiteren Herabstufungen, indem die Agentur das Rating mit einem negativen Ausblick versah. „Das ungewisse Marktumfeld sowie das Risiko einer weiteren Eintrübung der Investorenstimmung könnte den Zugang des Landes zu den Anleihemärkten behindern“, erklärte Moody's. Falls es eine längerfristige Ungewissheit über die Verfügbarkeit externer Finanzierungsquellen gebe, könne sich die Kreditwürdigkeit Italiens daher noch deutlich verschlechtern, auch wenn die Gefahr eines Zahlungsausfalls bislang sehr gering sei.

Der Vize-Vorsitzende der Unions-Fraktion im Bundestag, Michael Meister, forderte Italien nach der Herabstufung zu energischeren Sparschritten und Reformen auf, um das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen. „Ich würde mir wünschen, dass die italienische Regierung die Empfehlungen der EZB beherzigt“, sagte Meister Handelsblatt Online mit Blick auf einen vergangene Woche bekannt gewordenen Brief, in dem der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) Jean-Claude Trichet und sein designierter Nachfolger, Mario Draghi, vom italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi Anfang August ultimativ verlangten, seine Wirtschafts- und Finanzpolitik in Ordnung zu bringen.

Meister verteidigte zugleich das Vorgehen der EZB. „Für mich ist es nicht ungewöhnlich, dass eine Notenbank die Fiskalpolitik eines Landes unter dem Blickwinkel der Geldpolitik analysiert“, sagte der CDU-Politiker. „Das macht die Bundesbank in ihren Monatsberichten auch.“

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Berlusconi wundert sich nicht

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  • wie lange schaut die Politik diesen "Rating Agenturen" noch zu? diese sind einer der HAUPTPROBLEME !!!
    Deren Lizenz muss entzogen werden, wenn nicht sogar wegen "uebler Nachrede" verfolgt werden !

  • Wer sagt dass diese Länder wirklich Pleite sind? Politik und Medien! Rein Logisch - wo sind das ganzes Geld von Tourismus&Co.??? Genau, beim bestimmte Leute - aber nicht bei Staat! Wozu Steuer und Abgaben zahlen wenn es EU mit dem "Rettungsschirm" gibst! Es werden auch andere EU-Länder versuchen, mit Bilanzzahlen zu "Spielen" und es kommt nie zu "Glückliche EU-Familie", leider.

  • Das sehe ich ähnlich. Nur welche Konsequenzen ergeben sich daraus?
    Wie muss Europa sich aufstellen, um nicht zwischen (von) Amerika und Asien zermalmt zu werden? Und das so auf die Schnelle?

    Da muss man sich nur mal aktuell umschauen, in welche Richtung EUropa von den Machthabenden gedrängt wird. Nämlich hin zu einer weiteren Konzentration der Entscheidungsgewalt in den Händen eines neoliberalen Machtzirkels. Dies würde natürlich die Schlagkraft europäischer Eliten erhöhen. Allerdings ist fraglich, ob diese im Interesse der 500 Mio. Europäer streiten, oder nur für ihre eigene Klientel, der Demokratie zur Erhaltung ihrer Machtposition ziemlich Schnuppe zu sein scheint, bzw. Mitbestimmung sogar als größte Gefahr für ihr "Projekt" ansehen dürfte.
    Das Problem ist, dass demokratische Mühlen in diesem Finanzblitzkrieg zu langsam mahlen. Und wenn man bedenkt, dass diese "unsere Eliten" nicht ganz unschuldig an dem derzeitigen Desaster sind, könnte einen der Verdacht beschleichen, es komme ihnen eigentlich recht gelegen.

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